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FC Augsburg

03.06.2018

Neue Regeln für Profis: Gilt in der FCA-Kabine bald ein Handyverbot?

Nicht überall dürfen die Profis des FC Augsburg ihr Handy benutzen und Bilder in sozialen Netzwerken posten. "Es gibt Räume, in denen das Handy nichts zu suchen hat", sagt Baum.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Augsburgs Trainer Manuel Baum will Regeln für die Profis aufstellen, weil sie sich in den sozialen Netzwerken nicht immer im Sinn des Klubs verhalten.

Wiederholt wird über die Nutzung von Smartphones an Bayerns Schulen diskutiert. Prinzipiell gilt: Solange sie nicht zu Unterrichtszwecken eingesetzt werden, müssen die mobilen Alleskönner dort ausbleiben. In der Kabine des FC Augsburg verhält es sich ähnlich. Einerseits rufen die Profifußballer auf ihren Handys Trainingsinhalte und Videoanalysen ab, andererseits sprechen sie weniger miteinander und glotzen aufs Display.

Augsburgs Trainer Manuel Baum macht sich keine Illusionen. Weil er selbst als Lehrer an einer Realschule unterrichtete, kennt er die Gemengelage. Der 38-Jährige betont: „Es gibt definitiv Räume und Zeitpunkte, in denen das Handy nichts zu suchen hat.“ Andererseits, räumt er ein, sind Smartphones und soziale Netzwerke Bestandteil einer modernen Gesellschaft. Mit dem Istzustand innerhalb seiner Mannschaft zeigt sich Baum nicht zufrieden, er kündigt an, den Umgang mit Instagram, Facebook und Co. vor der nächsten Saison zu überdenken, will diesen auf die Agenda setzen.

Hinteregger sieht mancherlei Aktivitäten kritisch

Zuletzt hatte sich FCA-Profi Martin Hinteregger verwundert über das Verhalten einiger junger Mitspieler gezeigt. Der Österreicher berichtete von einem Nachwuchsspieler, der erstmals im Profikader stand und dies als Anlass genommen hatte, sein Trikot zu fotografieren und es in den sozialen Netzwerken zu posten – immer mit der Hoffnung auf positive Resonanz im Netz.

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Hinteregger kritisierte den Hang zu fremder Anerkennung. „Wer am Anfang seiner Karriere zu viel öffentliche Anerkennung bekommt, glaubt schnell, dass er schon etwas erreicht hat – obwohl dem nicht so ist.“ Er verwies auf negative Beispiele, darauf, dass es teils schnell mit der Leistungskurve nach unten gehen könnte. Verantwortlich dafür sieht er oft nicht das Sportliche, sondern das Mentale.

Ob FCA-Profis künftig weniger posten? Baum merkt an, bei seinem Arbeitgeber habe sich der Profi an gewisse Regeln zu halten. Zugleich stellt der Trainer aber infrage, sich in die Privatsphäre einzumischen. Die Spieler seien schließlich eigenständige Menschen, wirft er ein. In Baums Ausführungen spiegelt sich der Zwiespalt wider, in dem sich Vereine, deren Kommunikationsabteilungen und Spieler befinden.

Profis stärken mit ihren Posts die Bindung zu den Fans

Für alle Bundesligisten gilt: Zunächst veröffentlichten die Klubs Nachrichten auf ihrer Homepage. Inzwischen wollen Fans nicht mehr im Netz nach Informationen über ihren Lieblingsklub suchen – die Informationen sollen zu ihnen kommen und Bedürfnissen angepasst sein. Felix Loesner, Leiter der Social-Media-Abteilung des FC Bayern, begründete einmal: „Wir müssen dort aktiv sein, wo der Fan unterwegs ist.“

Klubs versuchen, dem gerecht zu werden. Eine wichtige Funktion übernehmen die Profis. Sie interagieren mit Anhängern, schaffen Nähe, stärken die Bindung zu Klub und Marke. Vor allem Spieler unter 30 Jahren eignen sich als Sender. Sie entstammen einer Social-Media-Generation. Sie posten und twittern Berufliches oder Privates, und teilen dies einer breiten Masse mit. Von sich aus. Ohne Zwang. Weil es für sie zum Leben dazugehört. Beinahe wie Essen und Schlafen.

Wenn die FCA-Profis jetzt Urlaub machen, gibt es im Internet Bilder von hochgelegten Beinen am Sandstrand oder vor beeindruckenden Skylines. Angreifer Michael Gregoritsch begründet seine Netzaktivität damit, dass man am authentischsten wirkt, wenn man selbst postet. „Ich poste aber nichts aus der Kabine oder aus dem Mannschaftsbus“, fügt der 24-Jährige hinzu. Klubs verfügen über jene Einblicke, die unabhängige Medien gerne hätten. Profis veröffentlichen Privates, zeigen sich in Kabinen, im Flugzeug oder im Mannschaftsbus und treten so in direkten Kontakt mit Followern.

Ein Post von Stafylidis sorgte für Ärger

Probleme bekommen die Profis, wenn sie gegen Verhaltensregeln verstoßen oder gegen Vereinsinteressen handeln. FCA-Torwart Andreas Luthe wurde von seinem Ex-Klub VfL Bochum einst beurlaubt, weil er via Facebook seine Versetzung auf die Ersatzbank kritisierte. Ärger bekam ebenso Konstantinos Stafylidis in der abgelaufenen Saison. Der FCA hatte vor dem Pokalspiel in Magdeburg erklärt, der Verteidiger falle gegen Schalke verletzt aus. Der Grieche indes schrieb auf Instagram: „Liebe Freunde, ich bin gesund und topfit und drücke meiner Mannschaft heute vor dem Fernseher die Daumen.“

Zuletzt hat Stafylidis im Netz bereits einen Wechsel zu PAOK Thessaloniki angedeutet. Er veröffentlichte im Netz ein Bild mit dem Vereinswappen des griechischen Erstligisten und der Aufschrift „#staytuned“, was in etwa bedeutet: „Bleib dran!“

Ein Beitrag geteilt von Kwstas Stafylidis (@stafylidis_kwstas) am

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