Startseite
Icon Pfeil nach unten
Sport
Icon Pfeil nach unten
FC Augsburg
Icon Pfeil nach unten

FC Augsburg: Warum der FCA so gerne Spieler aus den Niederlanden holt

FC Augsburg

Warum der FCA so gerne Spieler aus den Niederlanden holt

    • |
    Die niederländischen Eredivisie feiert in der Augsburger WWK-Arena. Paul Verhaegh, Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason (vorne von links) haben dort schon gespielt.
    Die niederländischen Eredivisie feiert in der Augsburger WWK-Arena. Paul Verhaegh, Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason (vorne von links) haben dort schon gespielt. Foto: Ulrich Wagner

    Das erste Bundesliga-Tor von Alfred Finnbogason, 27, war eine Co-Produktion von ehemaligen Spielern aus der niederländischen Eredivisie. Kapitän Paul Verhaegh, der 2010 von Vitesse Arnheim zum FCA gewechselt war, bediente Finnbogason mit einer präzisen Flanke und der Isländer köpfte zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach ein. Am Ende hieß es 2:2, ein wichtiger Punkt im Kampf um den Klassenerhalt.

    Auf Finnbogason war der FCA auch in den Niederlanden aufmerksam geworden. 59 Tore erzielte er in 70 Pflichtspielen für den SC Heerenveen zwischen August 2012 und Mai 2014. Der FCA wollte den isländischen Nationalspieler unbedingt, doch der spanische Erstligist Real Sociedad bootete den FCA mit geschätzten acht Millionen Euro Ablöse und einem Vertrag bis 2018 in der Bieterschlacht aus. Doch Finnbogason fremdelte, wurde zu Olympiakos Piräus ausgeliehen, aber auch dort kam er nicht zurecht.

    Der FCA wurde für seine Geduld belohnt, Ende Januar willigte Real in ein Leihgeschäft, vorerst für ein halbes Jahr, ein. Ein weiteres Engagement ist aber sehr wahrscheinlich. Die Bundesliga ist die siebte erste Liga (Island, Belgien, Schweden, Holland, Spanien, Griechenland), in der der Europabummler getroffen hat. Rekord für einen aktuellen Bundesligaspieler.

    Finnbogason sieht aber noch deutlich Potenzial nach oben: „Bei 100 Prozent bin ich erst, wenn ich fünf oder sechs Partien in Folge gemacht habe. Die Liga hier ist viel besser und physisch stärker, das Tempo ist höher. Ich muss mich anpassen. Aber genau deshalb bin ich hergekommen.“

    Jos Luhukay holte aus den Niederlanden Verhaegh und de Jong zum FCA

    Der FCA bedient sich gerne in den Niederlanden, seit Jos Luhukay 2009 Trainer wurde. Der Niederländer nutzte seine detaillierten Kenntnisse der Liga und seine Verbindungen. Sein erster Transfer war   Youssef El-Akchaoui (NEC Nijmegen). Den Außenbahnspieler für die linke Seite  holte Luhukay im Januar 2010 zum FCA. Der ehemalige marokkanische Nationalspieler blieb aber nur bis zum Sommer.

    Ein Jahr später lotste Luhukay Paul Verhaegh (Vitesse Arnheim) und Marcel de Jong (Roda Kerkrade) zum FCA. Und das in Nachhinein gesehen zu einem Schnäppchenpreis. Verhaegh, der in Augsburg zum niederländischen Nationalspieler und WM-Teilnehmer wurde, soll damals gerade mal 300.000 Euro gekostet haben. De Jong kam ablösefrei. Mit den beiden stieg Luhukay in die Bundesliga auf.

    Die Eredivisie gilt als Ausbildungsliga für junge Spieler aus der ganzen Welt. Die frühere Kolonialmacht ist ein Einwanderungsland mit vielen Fußball-Talenten. Aber auch das Scouting-System der niederländischen Vereine reicht in alle Erdteile.

    Zudem ist die Niederlande ein Fußball-Land mit einer qualitativ hochwertigen Jugendausbildung. Die Jugend-Akademie von Ajax Amsterdam zählt zu den besten der Welt. Aber auch die kleineren Verein müssen auf ihre Nachwuchsarbeit achten und sich frühzeitig Talente sichern, um sie dann gewinnbringend weiterzuverkaufen. Nur so können sie finanziell überleben.

    Darum sind die Spieler aus niederländischen Vereinen taktisch gut geschult. Sie sprechen oft sehr gut Deutsch oder Englisch, was die Integration einfacher macht. Wie bei Ragnar Klavan, 30. Der Este wechselte nach dem Klassenerhalt in der Bundesliga 2012 von AZ Alkmaar zum FCA. Er beherrscht neben seiner Muttersprache Niederländisch, Russisch, Deutsch und Englisch.

    Gehalt in der Eredivisie tiefer als in der Bundesliga

    Ein weiterer Grund, warum Spieler aus den Niederlanden auch beim FCA so beliebt sind: das Gehaltsniveau, aber auch die Transfersummen in der Eredivisie liegen noch deutlich unter dem der deutschen Bundesliga. Darum stimmt bei den meisten Transfers das Preis-Leistungsverhältnis. Für Klavan überwies der FCA gerade mal geschätzte 250.000 Euro an Alkmaar. Jetzt ist der Innenverteidiger laut Transfermarkt.de mehr als zehn Mal (3,5 Millionen Euro) so viel wert.

    Klavan wird von der niederländischen Agentur SEG beraten. Zu dieser Berater-Firma hat der FCA seit Jahren gute Kontakte. SEG betreut derzeit neben Klavan auch noch Alfred Finnbogason und Jeffrey Gouweleeuw beim FCA. Ein Partner ist Maikel Stevens, der Sohn des Ex-Bundesligatrainer Huub Stevens. Er ist hauptsächlich in Deutschland aktiv. Auch Linksverteidiger Marcel de Jong, der 29-Jährige spielt jetzt bei Sporting Kansas City in der amerikanischen Profiliga MLS, wurde damals von SEG zum FCA transferiert.

    Die Niederlande scheint für den FCA ein gutes Pflaster zu sein. El-Akchaoui, Verhaegh, de Jong und Klavan waren jeden Cent wert, der investiert wurde. Auch bei Alfred Finnbogason und Jeffrey Gouweleeuw, 24, ist nach den ersten Eindrücken das Geld gut angelegt. Defensivspieler Gouweleeuw, der in der Winterpause für geschätzte drei Millionen Euro vom AZ Alkmaar geholt wurde und einen Vertrag bis 2019 erhalten hat, überzeugte bei seinen bisherigen Einsätzen als defensiver Mittelfeldspieler oder Innenverteidiger.

    Beim FC Augsburg setzten sich nicht alle Spieler aus den Niederlanden durch

    Aber nicht immer sind die Spieler aus den Niederlanden sportliche Volltreffer. Kes Kwakman wurde den Erwartungen ganz und gar nicht gerecht.

    Und der Name Lorenzo Davids steht in Augsburg als das Synonym für einen Transferflop. Der Name weckte Hoffnungen, schließlich ist sein Cousin niemand Geringeres als Edgar Davids, der ehemalige holländische Weltklassespieler. Es war ein großes Missverständnis. Für Stimmung sorgte Davids nur bei seinen Ein- und Auswechslungen. Dann wurde er regelmäßig mit einem gellenden Pfeifkonzert von den Rängen begrüßt oder verabschiedet.

    Auch der bisher teuerste Transfer aus der niederländischen Spitzenliga, Tim Matavz, wurde den Ansprüchen nicht gerecht. Rund vier Millionen Euro soll der FCA 2014 für ihn an den PSV Eindhoven überwiesen haben. Der slowenische Stürmer erhielt eine Vertrag bis 2019. Doch zu mehr als drei Toren in eineinhalb Jahren reichte es aus verschiedenen Gründen nicht. Der FCA verlieh den 27-Jährigen in der Winterpause an den FC Genua (Italien). Vorerst bis zum Saisonende. Ganz hat man die Hoffnung bei ihm noch nicht aufgegeben.

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden