Es war der Moment für Gespräche. Langsam trotteten die Spieler des FC Augsburg zu ihren Fans. Ihnen lastete das eben Erlebte auf den Schultern, diese 1:2-Niederlage in Heidenheim. Die vierte Pleite in Folge und damit die Erkenntnis, dass sich die sportliche Krise hartnäckig einnistet wie zäher Nebel im Herbst. Der Start unter Neu-Trainer Sandro Wagner jedenfalls ist misslungen.
Auf die Spieler warteten Frust und Enttäuschung vonseiten der Fans. Aber auch eine Antwort auf die Frage, weshalb die Anhänger in der Schlussphase die Unterstützung eingestellt hatten. Auf der Gegenseite war ein Heidenheimer Anhänger von der Tribüne gefallen und hatte sich schwer verletzt. Er musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.
Auf der anschließenden Pressekonferenz schickten beide Trainer die besten Genesungswünsche. Damit war die Pressekonferenz vorbei. Hinterher stellte sich Wagner in kleinerer Runde den sportlichen Fragen.
In Heidenheim setzt sich die Mainz-Misere fort
Er war sichtlich mitgenommen, als er in den Katakomben der Heidenheimer Arena stand. Natürlich auch wegen des Unfalls des Heidenheimer Fans. Aber auch, weil ihn seine Mannschaft ein weiteres Mal enttäuschte. „Mainz hat uns einen Knacks gegeben“, sagte der Trainer. Bis dahin sei der FCA in jeder Partie gut dabei gewesen.
Heidenheim war eine Fortsetzung der Misere des Heimspiels gegen Mainz. Dabei hatte Wagner von einer zuvor „geilen Trainingswoche“ gesprochen. Davon, dass der Lerneffekt groß gewesen sei. Zu sehen war davon am Samstag wenig. Heidenheim gewann durch die Treffer von Mikkel Kaufmann (47.) und Sirlord Conteh (54.) verdient, daran änderte auch das späte Tor von Phillip Tietz (90.+8) nichts.
Mit versteinerten Mienen liefen alle Augsburger nach der erneuten Enttäuschung durch die Katakomben. Es herrsche eine komplette Unzufriedenheit, sagte Sportdirektor Benjamin Weber. Mit der Partie am Samstag, aber auch mit dem Saisonstart. Ein Sieg aus fünf Partien entspricht nicht den Erwartungen. „Der Druck von außen nimmt natürlich zu“, gestand Weber ein.
Vor allem auf Trainer Sandro Wagner. Der 37-Jährige steht ohnehin am meisten im öffentlichen Interesse, erst recht, wenn es nicht läuft. Eine Diskussion um Wagners Tauglichkeit für Liga eins wehrte Weber ab. Ebenso Gedankenspiele, dass sich die Verantwortlichen mit einer Umbesetzung des Trainerpostens beschäftigen könnten. „Wir haben einen gemeinsamen Weg begonnen, den gehen wir auch weiter“, betonte der Sportdirektor. Und ohnehin sei das keine One-Man-Show. Gemeinsam gelte es, den Umschwung zu schaffen.
Ein Wellental mit einem neuen Trainer ist nicht überraschend
Webers Forderung aber ist klar. „Am Samstag müssen wir liefern“, sagte er. Wenn der VfL Wolfsburg in Augsburg zu Gast ist. Eine erneut so erschreckende Leistung wie in Heidenheim werden sich die Augsburger kaum leisten können. „Wir müssen den Trend umkehren“, sagte Weber unmissverständlich. Was aber passiert, sollte das nicht gelingen? „Das ist mir zu viel Konjunktiv“, antwortete der FCA-Sportdirektor. Und: „Ich will keine Märchen erzählen. Fakt ist, dass das unser Weg ist“, so Weber. Also der weiterhin gemeinsame mit Wagner. Dass es mit einem so jungen Trainer auch mal durch ein Wellental geht, sei erwartbar.
Sandro Wagner muss Antworten liefern. Er hatte gehofft, dass die Partie gegen Mainz ein Ausrutscher gewesen sei. War sie nicht. Nun gehe es darum, wieder zur Leichtigkeit zurückzufinden. Sich auf die einfachen Dinge des Fußballs zu konzentrieren. „Wir wollten durch einfachen Fußball und die Basis wieder ins Gewinnen kommen“, sagte Wagner.
Zum FCA-Fußball gehörten am Samstag viele lange und hohe Bälle. Aber auch ein zu großes Loch zwischen Defensive und Angriff. Weil auf dem Platz keine Einigkeit herrschte, ob frühes Angreifen oder tiefes Verteidigen gefragt sind. Da sei die Kommunikation nicht gut gewesen, so Wagner. Die aber war nicht das einzige Problem. Etliche Spieler sind von ihrem Leistungsniveau weit entfernt. Auch deshalb rief Wagner für die kommende Woche einen verschärften Konkurrenzkampf aus. „Wenn man Spiele verliert, muss man Zeichen setzen. Dass alles offen ist und jeder in die Startelf reinkommen kann“, sagte der Trainer.
Einen Mangel an Einstellung oder Willen hatte er nicht erkannt. „Jeder Einzelne will, teilweise sogar zu viel“, sagte Wagner, der betonte, dass er von der inhaltlichen Ausrichtung nicht abrücken werde. „Es gibt Sieg oder Lernen“, so der Trainer. Zuletzt lernten die Augsburger deutlich mehr als sie gewannen. Dennoch ist Wagner von seinem Weg und der Mannschaft weiterhin überzeugt. „Mit einem guten Spiel können wir wieder in die Spur kommen“, betonte er.
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