Nach der Länderspielpause will der FC Augsburg an die guten Auftritte zuvor in der Bundesliga anknüpfen. Einige Profis kehren mit Selbstbewusstsein von ihren Nationalteams zurück, andere sind verletzt. Am Sonntag spielt der FCA auswärts gegen den FC St. Pauli (15.30 Uhr, DAZN), der mit einem Unentschieden gegen Dortmund und einem Sieg im Hamburger Derby gegen den HSV ebenfalls beachtlich in die Saison gestartet ist.
Das Team von Cheftrainer Sandro Wagner geht dabei leicht ersatzgeschwächt in die Partie – zudem verlässt Steve Mounié den FCA auf Leihbasis Richtung Türkei. Wer steht zur Verfügung, wer fällt aus? Was für ein Spiel erwartet der Coach in Hamburg? Und wie reagiert er auf die Experten-Kritik an ihm, nachdem er gesagt hatte, dass er keinen Qualitätsunterschied zwischen dem FC Augsburg und dem FC Bayern sehe? Das sagte Sandro Wagner am Freitagnachmittag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel ...
... darüber, ob die Länderspielpause zu einem unpassenden Zeitpunkt kam:
„Die Lust ist unverändert groß. Ich glaube, dass wir auch in der Pause hätten spielen können. Ich glaube, das ist gar nicht so optimal, dass du nach zwei Spieltagen so einen kleinen Cut hast. Für den Staff, für die ganze Organisation ist es aber ganz gut, nach intensiven Wochen mal kurz einen kleinen Cut zu haben – auch für einen selber. Hätte ich jetzt nicht gebracht, aber im Nachgang hat‘s dann doch irgendwie gut getan. Meine Trainerkollegen meinten, ich bin richtig gut gelaunt in diese Woche gestartet. Ich weiß jetzt nicht, ob das Lob oder Kritik war – aber finde ich noch raus. Von dem her glaube ich, dass es grundsätzlich nicht optimal ist, dass du nicht durchrauschst, wenn du in einem guten Flow bist. Aber ich habe jetzt schon wieder gemerkt, dass die Jungs wieder komplett da sind, komplett angezogen haben. Habe auch heute gefragt, ob sie es auch so spüren wie ich, dass ich einfach Riesenlust habe auf St. Pauli zu spielen. Sonntag ist für uns ein absolutes Highlight-Spiel. Ich habe mit Jeff (Gouweleeuw, Anm. d. Red.) gesprochen. Der ist ja schon ein paar Jährchen hier. Ich glaube, der hat erst zweimal in St. Pauli gespielt. Es ist auch für unsere ältere Generation hier in der Mannschaft auch ein Spiel, wo sie noch nicht so oft dort gespielt haben, weil St. Pauli nicht immer in der ersten Liga war. Von dem her: geiles Spiel am Sonntag. Wir haben die gleiche Lust wie die letzten Wochen.“
... über angeschlagene Spieler und Ausfälle beim FCA:
„Wir haben schon aus dem Bayern-Spiel ein paar Sachen mitgenommen leider. Da hat es an der einen oder anderen Stelle geknallt. Mert (Kömür) hat trainiert, sieht gut aus, aber da können wir erst morgen final entscheiden. Alexis (Claude-Maurice) hat gut trainiert, wir sind froh, dass er nach sechs Wochen endlich wieder da ist. Da hat unsere Reha- und Physioabteilung hervorragende Arbeit geleistet. Wie sie ihn betreut haben tagtäglich, ist herausragend gut. Da haben wir einfach gute Leute beim FCA. Wir wissen noch nicht, ob er im Kader dabei sein kann. Beim Heimspiel gegen Mainz ist er auf jeden Fall dabei. Ansonsten Schlotterbeck fällt leider noch aus, Giannoulis fällt leider noch aus. Marius Wolf müssen wir auch morgen schauen, ist 50:50. Robin (Fellhauer) ist eine Sache für sich, wo wir auch als Gruppe noch entscheiden müssen, wie wir damit umgehen. Er hat alle Tests erfüllt, aber es sind da noch so ein paar Themen.“
... darüber, „auf der anderen Seite“ beim Länderspiel gewesen zu sein:
„Es war tatsächlich kurz komisch. Meine Familie ist seit mehreren Jahren immer so ein paar Tage in Österreich in einem Hotel und ich war da nie dabei. Konnte da jetzt mal vorbeischauen. War ganz nett. Fanden sie auch komisch, dass ich zu der Zeit dabei bin. Ansonsten ist es schon anders als Trainer, wenn du viele Nationalspieler hast. Und wir haben gerade relativ viele Nationalspieler. War total cool auch als Trainer, darauf zu reagieren tagtäglich, sehr individuell zu trainiere. Mal hatten wir ein paar mehr Spieler dabei, mal ein paar weniger. Auf jeden Fall habe ich jetzt wieder einiges gelernt als Trainer, wie so eine Reintegration von Nationalspielern ist in den Trainings- und Spielalltag.“
... darüber, ob der FC St. Pauli personell wegen der Ausfälle einen Vorteil hat und ob es gut ist, erst am Sonntag zu spielen:
„Der Tag mehr tut natürlich sehr gut. Das ist für das gegnerische Team genauso. Ansonsten habe ich jetzt noch gar nicht so nachgeschaut, wer bei Pauli zusätzlich verletzt ist oder nicht. ich glaube, dass die meisten da sind, was ich mitbekommen habe, die Stammelf kann spielen. Aber ich jammere nicht, wenn einer nicht da ist. Ich versuche, keine Ausreden zu suchen. Mir ist egal, wer in den Flieger steigt morgen: die, die mitfliegen, werden attackieren. Das ist unser Mindset, unsere Haltung, unsere Einstellung. Wir schauen auf die positiven Sachen. Ich beschäftige mich, ehrlich gesagt, nicht mit den Verletzten der Gegner.“
... ob der große Kader des FC Augsburg ein Vor- oder Nachteil ist:
„Ehrlicherweise ist der Kader gar nicht groß. Wir haben 20 bis 21 Feldspieler aktuell und drei Torhüter. Also das ist überhaupt nicht groß. Ich glaube, das ist eher im unteren Durchschnitt, was die Bundesliga angeht.“
... über die Kritik nach dem DFB-Länderspiel gegen Slowenien:
„Ich lasse mich da jetzt nicht locken in irgendwelche Richtungen. Ich kann nur sagen, dass Julian (Nagelsmann) ein hervorragender Trainer ist. Da ist er einfach ein zu guter Trainer und hat die Truppe zu gut unter Kontrolle, als dass ich mir da Sorgen machen würde. Und unsere Spieler sind toll. Wir können als Fußballfans in Deutschland stolz und froh sein, dass wir so tolle Spieler haben. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn man im September nicht schon am Peak der Leistung ist. Wichtig ist, dass wir nächsten Sommer da sind.“
... darüber, wie er den FC St. Pauli einschätzt:
„Sie machen das gut in vielen Facetten. Sie haben es ja auch nicht einfach an dem Standort mit einem großen Rivalen in einer Stadt. Aber sie haben sich da echt gut freigeschwommen. Wenn man den Kader anschaut, haben sie letztes Jahr eine sehr starke Defensive gehabt. Sie haben vielleicht ein bisschen Probleme beim Umschalten gehabt, haben jetzt auf dem Transfermarkt genau ihre Probleme behoben. Wird echt ein Brett, dort was zu holen und ist eine Riesenaufgabe. Was wird uns erwarten? Es wird ein schwieriges Spiel, ein hitziges Spiel. Ich freue mich total auf die Atmosphäre, ich hoffe es wird richtig schön laut, es wird richtig schön knallen. Je lauter, je schwieriger sie es uns machen, desto schöner.“
... über den ersten Eindruck der neu verpflichteten Spieler:
„Absolut positiv. Erstmal bin ich da auch sehr dankbar und sehe es nicht als selbstverständlich, dass Benni Weber und Michael Ströll mir da so einen Kader hingestellt haben. Es ist ein Traum, dass ich so viel Unterstützung habe und da auch Hand in Hand gearbeitet wurde. Das hat echt Spaß gemacht. Ich habe auch echt viel gelernt als Trainer, auch im Transfergeschehen immer wieder mitgenommen zu werden. Ich bin froh, dass wir die Truppe, die ohnehin schon cool war, mit guten Jungs ergänzen konnten. Mit Ismael Gharbi jemanden, der einfach ein großes Potenzial hat, der ein junger Spieler ist, der uns nicht von Anfang an die Sterne vom Himmel spielen kann – weil das wäre zu viel erwartet. Wir müssen ihm Zeit geben. Er muss sich entwickeln. Und mit Fabian Rieder haben wir jemanden, der zwischenmenschlich hervorragend hierher passt in die Mannschaft und den Verein und sportlich schon nachgewiesen hat, was er kann. Schon cool, dass er jetzt bei uns ist. Auch eine Auszeichnung für den FCA – weil ich weiß, dass da viele Bundesligisten dran waren, auch aus dem Ausland. Da sind wir sehr froh, dass er sich für uns entschieden hat.“
... über die Gründe der Ausleihe von Steve Mounié:
„Im besten Fall ist es immer eine Situation, die für alle Beteiligten positiv ist. Taktieren kann ich nicht so gut. Ich kann die Sachen nur so einschätzen und erklären, wie sie sind. Und ich habe Steve am Anfang der Saison gesagt, dass es schwer wird, so wie ich Fußball spielen möchte in der Bundesliga, was die Spielzeit angeht dieses Jahr. Und habe ihm ganz klar und offen die Situation dargestellt. Er hat sich dann bedankt für die Offenheit, das hat er so noch nicht erlebt. Und von dem her war das von Anfang bis Ende eine ganz klare gute Kommunikation. Er hat große Ziele auch mit der Nationalmannschaft. Deshalb braucht er Spielzeit. Und von dem her, glaube ich, ist das eine sehr gute Situation gewesen für alle.“
... darüber, was man sich bei den Basketballern abschauen könnte, die gerade bei der EM spielen:
„Ich bin großer Fan der Basketballjungs. (...) Ich ziehe sehr viel in den Fußball mit Informationen aus dem Basketball, was man machen kann. Individualisierung, Mindset, da sind die Jungs schon auf höchstem Level. Auch mit klarer Kommunikation. In den Auszeiten geigen sie sich die Meinung, keiner ist beleidigt, keiner ist böse. Das sind coole Jungs, muss ich echt sagen. Die Wagner-Brüder habe ich kennengelernt, Schröder ist top top top. Die Bayernjungs kenne ich ein bisschen. Also es macht echt Spaß ihnen zuzuschauen und ich drücke ihnen jetzt die Daumen. Ich bin ja nicht allein, sondern 83 Millionen drücken jetzt die Daumen.“
... über Robin Fellhauers schnelle Rückkehr:
„Erstmal muss man sagen, dass Felle für jeden Fußballtrainer ein Traum ist. Er ist für den FCA ein Riesengewinn auf allen Ebenen. Aber ich sage mal so: Diese ganzen Untersuchungen, die haben eine Struktur und müssen gewissen Abläufen Folge leisten. Da kann er noch so motiviert sein, da durfte er auch gar nicht einen Schritt schneller sein. (...) Ich finde es auch gut von der DFL mittlerweile, dass sie diese medizinischen Schritte einhält. Ich hatte auch mal eine schwere Gehirnerschütterung und ich hatte auch wochenlang Kopfschmerzen und bin nach zwei, drei Tagen wieder ins Training eingestiegen. Im Nachgang war es einfach viel zu schnell. Von dem her ist es gut, dass wir da auch gebremst werden medizinisch. Und sehr wichtig auch für die Jungs, da nachhaltig auch keinen Schaden davonzutragen.“
... darüber, ob es ärgerlich ist, wenn sich Spieler bei der Nationalelf verletzen:
„Verletzungen sind bei uns im Sport immer mal wieder da. Wir müssen versuchen, so wenige Verletzungen wie möglich in der Saison zuzulassen. Aber das passiert leider einfach in unserem Sport. (...) Das ist einfach Teil des Geschäfts.“
... über die Experten-Kritik nach seiner Aussage zur Qualität im Vergleich zum FC Bayern:
„Erstmal haben Sie mich da gut gelockt. Gut gemacht. Grundsätzlich kennen sie mich auch schon ein bisschen, ich bin emotional im Spiel und nach dem Spiel. Ich glaube, dass ich vielleicht zwei Stunden später einen Tick anders geantwortet hätte. Aber ich habe die Frage schon so wahrgenommen, dass wir auf allen Positionen qualitativ Nachteile haben und deswegen eine Niederlage gegen Bayern in Ordnung ist. Und das kann ich halt für mich nicht akzeptieren. Da tue ich mich einfach schwer, hätte ich wahrscheinlich auch nicht schlafen können. Ich meinte nicht nur die Spieler, sondern einfach gesamtheitlich – für den Greenkeeper bis zum Physiotherapeuten möchte ich da in die Bresche springen. Das war für mich ein Verteidigungsmechanismus – klar, in dem Wissen, dass man – wenn man mich nicht so gut kennt – da was negatives reininterpretieren kann. Aber klar weiß ich, dass Bayern uns in finanziellen Dingen und vielen Dingen meilenweit voraus ist. Aber ja, habe ich einen auf den Deckel bekommen vom Mario (Basler) und vom Lothar (Matthäus), das ist in Ordnung. Das waren früher meine Kindheitsidole, werde ich jetzt sicherlich nicht kritisieren.“
... darüber, ab wann er in der Saison auf die Tabelle schaut:
„Ich bin jetzt kein Trainer, der sagt: Ich schaue nicht auf die Tabelle. Ich schaue schon jeden Tag auf die Tabelle. Aber die macht jetzt nichts mit mir, gerade in so einem Prozess, in dem wir jetzt sind. Wir haben uns im Verein gesagt, dass wir uns dieses Jahr tabellarisch unabhängig entwickeln wollen, neue Strukturen aufbauen. Das ist wirklich viel Arbeit in allen Bereichen. Da können wir uns tabellarisch nicht festmachen an dem oder dem Punkt. Es ist ein Jahr, in dem es um Entwicklung geht. Ich will ihnen nicht irgendeinen Quatsch erzählen, dass ich nicht auf die Tabelle schaue, das wäre gelogen. Aber das ist für uns nicht allesentscheidend.“
... darüber, ob Gharbi oder Rieder schon in der Startelf stehen könnten:
„Ismael braucht erstmal noch ein paar Tage. Bundesliga ist nochmal ein anderes Brett als die Schweizer Liga und die Portugiesische Liga. Fabian Rieder hat in der französischen Liga schon gespielt, hat Länderspiele schon gespielt. Er ist voll im Saft, er hat Bock. Wir müssen schauen, ob wir jetzt schon einen Platz finden, aber er könnte auf jeden Fall starten.“
... über Jakics Tor in der Nationalmannschaft:
„Ja, ich habe es probiert und gefragt, ob er bei uns auch rechter Außenverteidiger spielen kann. Da hat er gesagt: ‚Auf keinen Fall.‘ Von dem her, habe ich die Idee schnell verworfen. Und das Tor habe ich mitbekommen, weil mir 18.000 Kroaten geschrieben haben, ob ich das Tor gesehen habe. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Kroaten in meinem Telefonbuch habe. Freut mich für ihn riesig, weil wir auch so ein persönliches Ziel ausgemacht haben, dass er auch eine gewichtigere Rolle in der Nationalmannschaft haben wird, wenn er hier eine Führungspersönlichkeit ist und jede Woche ans Limit geht. Und es freut mich, dass es schon nach ein paar Wochen aufgegangen ist. Er ist für uns ein sehr sehr wichtiger Spieler.“
... darüber, wer ihm beim FCA „die Meinung geigen“ darf:
„Keiner. Doch natürlich. Also jeder tatsächlich. Machen auch echt viele. (Lacht) Benni Weber und Michael Ströll sind meine Chefs – der Austausch ist einfach richtig gut. Benni Weber hat ja auch massiv Erfahrungen in Trainerteams und ist jetzt Sportdirektor. Er weiß, was intern abgeht und was der Markt hergibt. Das ist eine fantastische Mischung. Und Michael kennt den Verein in und auswendig, kennt die Medienwelt in und auswendig, er hat sehr viel Erfahrung auch in Mitarbeiterführung und hat sehr viel Gespür für mich. Und er weiß genau, wann er mir mal etwas sagen kann. Das ist echt top.“
... darüber, wie er auf Fabian Rieder aufmerksam geworden ist:
„Ich habe ja einen gewissen Spielstil, den ich gerne sehen möchte, den ich pflege. Da ist erstmal die Person sehr wichtig, dass die eine gute Haltung hat, dass sie Bock hat auf Arbeiten erstmal allgemein. Und der hat Bock auch auf die ‚blöde‘ Arbeit als Offensivspieler, also gegen den Ball zu arbeiten. Dann ist er einfach gesegnet mit sehr viel Talent. Und ich glaube die Mischung ist einfach top.“
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