Normalerweise, erzählte Marcel Schäfer, der Sport-Geschäftsführer von RB Leipzig, nach dem 2:1 (0:1)-Sieg seiner Mannschaft gegen den FC Augsburg, sitze er immer ruhig auf der Tribüne und beobachte bis zum Schluss relativ gelassen das Spiel tief unten im Kessel des Leipziger Stadions. „Doch diesmal bin auch ich in der 90. Minute mehrmals aufgesprungen“, gab der 41-Jährige in der Mixedzone zu. Einmal, weil sich der FCA in der Nachspielzeit (90.+2) durch ein Eigentor von Arthur Chaves selbst auf die Verliererstraße schoss. Wenige Sekunden später, weil FCA-Torhüter Finn Dahmen in der letzten Aktion nach einem Eckball das RB-Tor mit seinem Kopfball nur um Zentimeter verfehlte. Dann war Schluss in einem für alle rund 41.000 Zuschauer mehr als unterhaltsamen Duell.
FCA bringt RB Leipzig immer wieder in Verlegenheit
Natürlich sprach Ex-Bundesligaprofi Schäfer (VfL Wolfsburg) dann von einer mangelhaften Defensivleistung seiner Mannschaft, die „so nicht geht“. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der FCA mit seiner ausgefeilten Kontertaktik den Champions-League-Aspiranten immer wieder in Verlegenheit brachte. „Ich habe selten so ein gutes Spiel einer Augsburger Mannschaft in Leipzig wie heute gesehen, mit so vielen Chancen“, konnte FCA-Trainer Manuel Baum nach dem Schlusspfiff lange nicht glauben, dass er und sein Team mit leeren Händen die Rückreise antreten mussten. Auch FCA-Sportdirektor Benjamin Weber war bedient. „Ich spüre eine sehr große Enttäuschung. Es war ein unverdienter Sieg für Leipzig. Wir waren die bessere Mannschaft, auch wenn die individuelle Qualität anders aussieht.“ Doch die machte am Ende den Unterschied.
Dabei hätte der FCA schon nach 20 Minuten 1:0 in Führung gehen müssen, doch Kapitän Keven Schlotterbeck scheiterte mit einem Handelfmeter am belgischen RB-Torhüter Maarten Vandevoort. Natürlich hatte RB auch seine Chancen, doch der FCA verteidigte gegen die Leipziger Eliteoffensive mit Yan Diomande, Junior Lukeba, Romulo oder Brajan Gruda geschickt. Und dann gab es ja noch Torhüter Dahmen, der am Ende sieben Paraden zeigen musste. In der 39. Minute traf der FCA dann nach einem sehenswerten Konter, an dessen Ende Robin Fellhauer zum 1:0-Halbzeitstand verwandelte.
Nach dem Wechsel war es ein offener Schlagabtausch, den die Leipziger so nicht erwartet hätten. Leipzig drückte, der FCA konterte. Unterschiedliche Ansätze, mit in etwa gleich vielen Torchancen.. Die hochwertigeren hatte sogar der FCA. Doch die Gäste versäumten es, den zweiten Treffer nachzulegen. „Wir müssen einfach mit dem 2:0 den Deckel drauf machen“, analysierte Weber.
Maarten Vandervoort und Finn Dahmen
Aber RB-Torhüter Vandevoort spielte sich, wie Dahmen auch, in einen Torverhinderer-Rausch. So kam RB dann in der 76. Minute durch eine Einzelleistung des 19-jährigen Sturmtalents Yan Diomande doch noch zum 1:1. Es ging aber weiter hin und her. Rodrigo Ribeiro setzte nach einem Konter den Ball an den Pfosten (83.), Dahmen schien unüberwindbar. Und als sich alle mit einem verdienten 1:1 irgendwie arrangiert hatten, auch Marcel Schäfer, brach diese verrückte Nachspielzeit mit Adrenalinschüben an, die man selbst bei den von Red Bull üppig inszenierten Extremsportarten selten verspürt.
Manuel Baum war dann lange richtig aufgewühlt. „Es ist ärgerlich, weil es nicht an der Qualität des Gegners lag, sondern eher an unserem Verhalten“, sagte er. Daraus konnte man schon, wenn man genau hinhörte, ein neues Selbstverständnis beim FCA ableiten. Präsentierte sich der FCA unter dem charismatischen, aber doch blauäugigen Trainer Sandro Wagner einfach oft naiv, was in der 0:6-Niederlage gegen RB in Augsburg gipfelte, spielt der FCA jetzt richtig erwachsen.
Zweites Auswärtsspiel in Folge. Diesmal beim Borussia Dortmund
Und mit einem Team, das gegen Leverkusen und gegen Bayern gewonnen hat, jetzt bei den RB-Verantwortlichen für erhöhten Blutdruck sorgte, muss man sich nicht kleiner machen, als nötig. Deshalb ist FCA-Trainer Manuel Baum vor der zweiten Auswärtsreifeprüfung in Folge am Samstag beim Zweiten Borussia Dortmund nicht bange. „Es ist schön zu sehen, dass wir auch gegen eine Top-Fünf-Mannschaft mit der Leistung mithalten können. Trotzdem ist es wichtig, dass man sich belohnt. Das ist unser Ziel für das Dortmund-Spiel.“
Auch Benjamin Weber gibt sich selbstbewusst. „Wir können jeden schlagen. Das haben wir in München bewiesen. Das haben wir heute bewiesen, auch wenn das Ergebnis nicht stimmt. Wir müssen einfach mit dem 2:0 den Deckel drauf machen. Jetzt haben wir die nächste Prüfung in Dortmund.“
FCA darf weiter vom internationalen Geschäft träumen
Wo das hinführen wird? Selbst die als seriös geltende Süddeutsche Zeitung traut dem FCA einiges zu. Man dürfe durchaus weiter vom internationalen Geschäft träumen, war dort zu lesen. „Das Märchen ist trotz dieser Niederlage nicht auserzählt.“
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