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FC Bayern
26.10.2021

Ist das schon das letzte Spiel von Lucas Hernandez?

Lucas Hernandez hat sich in seinem dritten Jahr in München einen Stammplatz erarbeitet. Den allerdings könnte er nun schon bald verlieren, falls er eine sechsmonatige Haftstrafe in Spanien antreten muss.
Foto: Tom Weller, dpa

Vor dem Spiel gegen Gladbach müssen sich die Münchner mit allerhand fachfremden Themen beschäftigen. Bei Lucas Hernandez immerhin steht nun eine Entscheidung an.

Die alte Metzger-Frage beantworten sie in München seit Jahrzehnten mit: Ja. "Darf’s auch ein bisschen mehr sein?" Mehr Titel, mehr Spektakel, mehr Aufregung abseits des Platzes. In den 90er Jahren hatte sich der FC Bayern mit Leichtigkeit den Beinamen „FC Hollywood“ erarbeitet, wofür hauptsächlich die Charaktermimen Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus verantwortlich waren.

Drei Dekaden später liefern die Münchner immer noch Unterhaltung im Elitesegment. "Das Spiel in Leverkusen oder in Lissabon in der 2. Halbzeit. Oder auch am Samstag in den ersten 20 Minuten – da habe ich gedacht, ich bin in Hollywood", erfreut sich Ehrenpräsident Uli Hoeneß an den Darbietungen auf dem Rasen. Hoeneß tat seine Begeisterung auf dem roten Teppich kund. In einem Münchner Kino wurde mit Brimborium und Trara die Premiere einer Dokumentation über die vergangene Saison des Dauermeisters gefeiert.

Julian Nagelsmann fehlt auch noch in Mönchengladbach

Die Filmemacher haben sich den Münchnern aber nicht nur genähert, weil dort ausgezeichnete Fußballer ihrer Arbeit nachgehen. Die Bayern strahlen weit über das Feld hinaus. Am Mittwoch beispielsweise treten sie in der zweiten Pokalrunde bei Borussia Mönchengladbach an. Ein Duell, das Trainer Julian Nagelsmann als "die schwerste Aufgabe" bezeichnet, die es so früh in der Saison geben kann (20.45 Uhr, ARD). Und doch interessiert die Partie nur am Rande in der Presserunde, zu der der Trainer am Dienstag virtuell dazugeschaltet ist. Das liegt zum einen an Nagelsmann selbst, der sich immer noch in häuslicher Isolation befindet, nachdem auch ein Corona-Test am Montag noch keine befreiende Wirkung hatte. Ihm gehe es zwar immer besser, das Virus erlaubt es ihm aber nicht, sein Team vor Ort zu betreuen, sodass ihn auch in Mönchengladbach Co-Trainer Dino Toppmöller vertreten wird.

Noch mehr Raum nehmen zum anderen aber zwei Personalien ein, die nur bedingt etwas mit dem Geschehen auf dem Platz zu tun haben. Lucas Hernandez muss möglicherweise am Donnerstag für ein halbes Jahr in einer Strafvollzugsanstalt in Spanien einrücken. Häusliche Gewalt, Umgehung der Kontaktsperre: Der Fall ist bekannt – nur das Ende noch nicht. Der Franzose hofft weiterhin, mit einer letzten Ermahnung davonzukommen. "Ich finde das lächerlich. Das ist doch gaga", ordnet der in Justizfragen bewanderte Hoeneß den Fall ein. Nagelsmann geht davon aus, dass Hernandez am Mittwoch spielen kann und auch am Samstag gegen Union Berlin "zur Verfügung steht".

Für Lucas Hernandez gibt es keine Alternative gleicher Klasse

Worauf seine Hoffnung basiert, konnte er nicht erläutern, es handle sich schließlich um eine Privatsache des Verteidigers. Die allerdings könnte bald auch das Spiel der Bayern beeinflussen. Schließlich hatte sich der 25-Jährige zuletzt einen Stammplatz im Münchner Ensemble erarbeitet und gilt als Eckpfeiler in der Ausrichtung Nagelsmanns. Eine weitere linksfüßige Absicherung für den stürmischen Alphonso Davies gibt der Kader nicht her. Sich der möglichen Strafe zu entziehen und einfach nicht nach Spanien zu reisen würde Hernandez wohl nichts bringen. Es gebe "ein internationales Rechtshilferecht, das – grundsätzlich – auch Hilfe zur Vollstreckung ausländischer Urteile ermöglicht: konkret eine Auslieferung", sagt der Lehrstuhlinhaber des Instituts für Strafrechtswissenschaft an der Universität Augsburg, Professor Michael Kubiciel. Doch selbst, wenn die Spanier keinen Auslieferungshaftbefehl erwirken könnten, stelle sich die Frage, "wie es für Hernandez und natürlich auch für seine Sponsoren und seinen Arbeitgeber aussähe, wenn er ein rechtskräftiges Strafurteil missachtet und es auf eine Verhaftung in Spanien oder eine Auslieferung durch Deutschland ankommen ließe", so Kubiciel.

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Joshua Kimmich wiederum muss sich um derartige Fragen keine Sorgen machen, auch wenn die Diskussionen der vergangenen Tage etwas anderes haben vermuten lassen. Hoeneß hatte einen von Medien ausgelösten „Tsunami“ beobachtet, nachdem der Mittelfeldspieler erklärt hatte, warum er sich bislang noch nicht gegen Corona hat impfen lassen. „Das ist ein Stück weit der Preis, den man zahlen muss, wenn man in der Öffentlichkeit steht“, fasste es Nagelsmann zusammen. Es führen keine Einbahnstraßen nach Hollywood.

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