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Drei Erkenntnisse aus dem Topspiel: Hummels ist ein Ex-Hoffnungsträger

Analyse Von Florian Eisele
05.12.2021

Gegen den FC Bayern steht der Dortmunder Abwehrchef bei allen Gegentoren im Fokus – und zeigt, warum ihn der Rekordmeister ziehen ließ.

Leon Goretzka formulierte es nach dem Spielende treffend: Es sei um nichts weniger als um "die Vormachtstellung in Deutschland" beim Spiel zwischen BVB und FCB gegangen. Am Ende stand, wie meistens in den vergangenen Jahren, ein Sieg der Münchner zu Buche. Das mag einer mindestens diskutablen Elfmeterentscheidung zu verdanken sein – Felix Zwayer gab einen fragwürdigen Strafstoß für die Bayern, verwehrte dem BVB aber einen Elfer derselben Kategorie – liegt aber nicht nur daran. Letztlich gibt es folgende drei Erkenntnisse:

1. Heißblütige Dortmunder gegen coole Bayern

Dass BVB-Trainer Marco Rose nach dem Elfmeterpfiff für die Bayern die Fassung verlor und mit Gelb-Rot auf die Tribüne musste, ist menschlich nachvollziehbar. Es ist aber auch sinnbildlich für das Nervenkostüm der jungen Dortmunder Mannschaft, der in vielen Situationen einfach noch die Coolness fehlt, die die Münchner auszeichnet. Wie abgezockt hingegen die Bayern sind, war nach dem frühen Rückstand zu sehen: Nach fünf Minuten lag der BVB vorne und wurde von 15.000 Fans, die Krach für 50.000 veranstalteten, nach vorne gepeitscht. Und die Bayern? Ließen sich davon nicht aus der Ruhe bringen und machten stattdessen mit der ersten Großchance den Ausgleich. Auch die Provokationen der Zuschauer ließ Robert Lewandowski an sich abperlen: Einige Dortmunder riefen, sobald der Ex-Borusse am Ball war, "Messi, Messi" um den Polen an die verlorene Wahl des Ballon D´Or zu erinnern. Lewandowski antwortete auf seine Art. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

2. Haaland oder Lewandowski?

Vorteil Lewandowski! Beide Stürmer zeigten in diesem Spiel nicht nur wegen ihrer Tore, welche unglaublichen Qualitäten sie haben. Und doch spricht neben der größeren Erfahrung und der größeren Nervenstärke ein anderer Faktor noch für Lewandowski: Der Pole ist faktisch nie verletzt, wirkt immer topfit. Haaland hingegen fiel bereits in weiten Teilen der vergangenen Saison aus und kam gerade erst nach einer Verletzung wieder in die BVB-Startelf. Sein Trainer Marco Rose hatte schon angekündigt, dass es nicht für 90 Minuten reichen würde. Nach 82 Minuten war der Arbeitstag für den entkräfteten Norweger vorbei. Damit konnte er in der hektischen Schlussphase mit zehn Minuten Nachspielzeit nicht mehr helfen. Mag sein, dass ein fitter Haaland eine Naturgewalt ist – was hilft er seinem Team, wenn er ständig verletzt oder nur bei 80 Prozent ist?

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3. Hummels ist ein Ex-Hoffnungsträger

Bei allen drei Gegentreffern stand der Abwehrchef der Dortmunder im Fokus. Die diskussionswürdigste Szene war natürlich der von ihm verursachte Handelfmeter. Ob man diesen geben muss? Fraglich. Hummels sieht den Ball nicht, als er ihn an die Hand bekommt. Das wiederum spricht gegen einen Pfiff, definiert der DFB ein strafbares Handspiel doch damit, dass ein Spieler dafür "mit einer absichtlichen Bewegung die Hand oder den Arm zum Ball führt" oder "durch seine Körperhaltung die Intention verfolgt, den Ball aufzuhalten". Beides war so nicht zu sehen.

Überzeugte nicht: Dortmunds Mats Hummels.
Foto: Bernd Thissen, dpa

Dennoch zeigte Hummels in diesem Spiel, warum der FC Bayern im Sommer 2019 bereit war, seinen Abwehrspieler an den direkten Konkurrenten BVB abzugeben: Dem 32-Jährigen passieren einfach zu viele Leichtsinnsfehler. Sinnbildlich der Fehler vor dem Bayern-Ausgleich: Hummels spielte, als seine Mannschaft in der kollektiven Vorwärtsbewegung war, den Ball auf Höhe der Mittellinie zu seinem Freund Thomas Müller. Der schnappte sich den Ball, ließ Hummels in einem Laufduell (ohnehin dessen Schwachstelle) alt aussehen und legte den Ball zu Lewandowski ab. Dass Hummels beim zweiten Gegentor angeschossen wurde, ist Pech – passt aber auch dazu.

Als Hummels zum BVB kam, war er ein Hoffnungsträger. Einer, der dem jugendlichen Leichtsinn in der Dortmunder Hintermannschaft die Ernsthaftigkeit eines Weltmeisters entgegenstehen sollte, Winner-Mentalität inklusive. Im Dezember 2021 ist aus Hummels nicht nur ein Ex-Nationalspieler und ein Ex-Hoffnungsträger geworden. Zu oft patzt er in den großen Spielen. Bei der Europameisterschaft unterlief ihm das Eigentor gegen Frankreich, in der Champions League war er beim 0:4 gegen Ajax kein Faktor, an dem sich die restliche BVB-Mannschaft aufrichten hätte können. Das Spiel gegen den FC Bayern lieferte nun den Beleg dafür, warum Bundestrainer Hansi Flick seit Dienstantritt auf die Dienste von Hummels verzichtet.

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