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Biathlon-Weltcup 2020

17.01.2020

Biathlon-Damen verfehlen Staffel-Podest - Hinz wird zur tragischen Figur

Am liebsten wäre sie wohl in irgendeinem Loch unter dem Schnee der Chiemgau Arena verschwunden: Vanessa Hinz vergab mit fünf Schießfehlern eine mögliche Podestplatzierung der deutschen Frauen-Staffel.
Bild: Rauchensteiner

Der Oberbayerin Vanessa Hinz versagen am Schießstand die Nerven. Statt des greifbaren Sieges bleibt der deutschen Biathlon-Staffel nur Rang vier.

Was für eine emotionale Achterbahnfahrt für Vanessa Hinz in Ruhpolding. Zum Auftakt des Weltcups in der Chiemgau Arena war die Biathletin im Sprint als beste Deutsche auf Platz acht gelaufen. Und das auf ihrer Heimstrecke, mit der sie stets gehadert hatte. Der Ruhpolding-Fluch schien besiegt. Doch in der Frauen-Staffel am Freitag über 4 x 6 Kilometer wurde sie zur tragischen Figur. Die Skijägerin aus Haag übernahm auf Rang vier von Franziska Preuß und setzte sich nach einem fehlerfreien Liegend-Schießen sogar zwischenzeitlich an die Spitze. Doch im Stehen versagten Hinz die Nerven. Nach fünf Fehlschüssen und drei Nachladern musste sie zwei Mal in die Strafrunde. Statt des greifbaren Sieges musste sich die deutsche Staffel mit Karolin Horchler, Preuß, Hinz und Denise Herrmann zum dritten Mal in vier Saisonrennen mit dem vierten Platz begnügen. „Sie ist von himmelhoch jauchzend zu, na ja, ich will nicht sagen, zu Tode betrübt gewechselt. Da kann man nur mitfühlen“, suchte Herrmann nach tröstenden Worten für Hinz.

Elf Sekunden fehlen der deutschen Biathlon-Staffel auf den dritten Platz

Den Deutschen fehlten elf Sekunden auf die Schweizerinnen, die hinter Frankreich Dritte wurden. Die überragenden Norwegerinnen feierten vor 16.500 Zuschauern den vierten Weltcup-Sieg im vierten Rennen und reisen als haushohe Favoriten zur Weltmeisterschaft Mitte Februar nach Antholz.

Die einst erfolgsverwöhnten deutschen Skijägerinnen suchen dagegen den Weg aus der Krise. 2017 feierte das deutsche Quartett mit Hinz, Maren Hammerschmidt, Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier in Hochfilzen mit WM-Gold den letzten großen Erfolg. „Es ist offensichtlich, dass wir im Damenbereich hart arbeiten müssen“, sagt der neue Sportliche Leiter Bernd Eisenbichler. Unter dem 2018 abgetretenen Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig wurden offenbar Fehler gemacht und sind Entwicklungen verschlafen worden, räumt Eisenbichler ein: „Wenn ein Hoch wie mit Laura Dahlmeier da ist, dann wird einiges übertüncht." Auch das persönliche Gespräch zählte offenbar nicht zu Hönigs Stärken, was aus einem Lob von Denise Herrmann herauszuhören ist. Die Kommunikation zwischen Trainer und Athlet sei nun auf einem ganz anderen Level, lobte die Oberwiesenthalerin das neue Trainer-Duo Kristian Mehringer und Florian Steirer.

Biathlon-Damen verfehlen Staffel-Podest - Hinz wird zur tragischen Figur

Wird der Biathlon-Nachwuchs nicht gut genug gefördert?

Doch mit Reden allein ist es nicht getan, das ist Mehringer bewusst. Der 38-Jährige vom SC Ruhpolding, der als Athlet nie in der Weltspitze mitmischte, will sich sowohl bei der führenden Biathlon-Nation Norwegen wie auch bei anderen Sportarten wie den Radprofis etwas abschauen. Neue Schwerpunkte, neue Reize müssen her. Außerdem muss mehr Nachwuchs rekrutiert werden. Im Vergleich zu früher ist die Personaldecke dünner geworden, beschrieb der dreifache Olympiasieger Michael Greis im Interview mit unserer Redaktion die Misere der deutschen Frauen. Der Biathlon konkurriert mit einem riesigen Sport- und Freizeit-Angebot für die Jugend. Die Stars von früher wie Kati Wilhelm, Magdalena Neuner oder Dahlmeier sollen künftig als Zugpferde dienen. Eisenbichler kann sich Entwicklungs-Camps vorstellen, „um die Leidenschaft für den Sport zu entfachen“. Der Coach bittet um Geduld, bis neue Trainingsmethoden greifen. „Das dauert sicher vier bis sechs Jahre. Wir wollen mit den etablierten Läuferinnen etwas umstellen und die Jungen einbauen“, sagt Mehringer. Eine Sieg-Läuferin fehlt im Moment. Preuß gilt als Nummer eins in Deutschland, ist jedoch anfällig für Krankheiten. Herrmann als ehemalige Langläuferin präsentiert sich schwankend am Schießstand. Horchler wie auch Hinz zeigen keine konstanten Leistungen. Eineinhalb Jahre lang hat sich der Hönig-Nachfolger Kristian Mehringer die Frauen angeschaut. Sein Fazit: „So kann es nicht weitergehen.“

Hier bekommen Sie die Infos zum Biathlon-Weltcup 2019/20

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