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Coronavirus

27.03.2020

Nur der FCA darf trainieren

Hinter Absperrungen und in mehreren Gruppen trainieren während der Corona-Krise die Bundesligaprofis des FC Augsburg.
Bild: Ulrich Wagner

Alle Augsburger Sportanlagen sind dicht. Doch offiziell hat der Bundesligist gar keine

Das Leben in den Sportvereinen steht still, nur der FC Augsburg trainiert und kann sich über Regeln hinwegsetzen – dieser Eindruck herrscht aktuell bei einigen Verantwortlichen in Sportklubs, aber auch bei Lesern unserer Zeitung. Einer schrieb in diesem Zusammenhang von der „größten Unverschämtheit in der Corona-Zeit“. Genießt der FCA tatsächlich einen Sonderstatus?

Gesperrt sind wegen des Coronavirus’ alle Sportanlagen. Rein rechtlich finden die Einheiten der FCA-Profis aber nicht auf einer solchen statt, sondern auf einem „Betriebsplatz“. Diese Einstufung nahm die Stadt vor. Auf eine Anfrage unserer Redaktion, wie es dazu kommt und ob auch andere Vereine ihre Anlagen als „Betriebsplätze“ deklarieren können, reagierte das zuständige Ordnungsreferat bisher nicht.

Bundesligisten bewegen sich rechtlich wohl auf dünnem Eis. Die Beschränkungen, nach denen größere Zusammenkünfte von Personen deutschlandweit untersagt sind, haben laut Sportjurist Martin Gutzeit „weitreichende Konsequenzen für den deutschen Fußball“. Das sagte er dem WDR. Nur zwingende, berufliche Gründe rechtfertigen Ausnahmen. Aus Sicht von Gutzeit liegen die bei Bundesliga-Mannschaften nicht vor. Andere Augsburger Vereine und Einzelsportler sind derzeit kaum sportlich aktiv – oder zumindest anders als gewohnt.

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Leichtathlet Aleksandar Askovic von der LG Augsburg kann lediglich seine Runden um den Kuhsee drehen, aber nicht im Rosenaustadion, wo die Bedingungen besser wären. Der 22-jährige Sprinter, der sich zeitweise Hoffnungen auf Olympia in Tokio gemacht hatte, will seinem Betreuer zufolge einen Antrag beim Ordnungsreferat stellen, um dies zu ändern. Es sei schwer verständlich, dass er die Laufbahn nicht einmal allein nutzen kann. Betroffen ist auch die 17-jährige Augsburgerin Luisa Treml, die für die noch nicht abgesagte U20-WM in Nairobi trainiert.

Für die Handball-Frauen vom TSV Haunstetten ist die Spielzeit beendet, ihre Drittliga-Saison abgesagt. „Training wäre trotzdem notwendig, aber wir müssen jetzt damit leben“, sagt Abteilungsleiter Herbert Vornehm. Die Anlage des Vereins gilt als Betriebsplatz. Vornehm meint: „Ich sehe nicht, dass wir ab April wieder in die Halle können.“ Verständnis dafür, dass der FCA trainieren darf, hat er nicht: „Das ist nicht richtig. Was wollen die machen mit 1,5 Metern Abstand?“

Die Drittliga-Volleyballerinnen von der DJK Hochzoll können ebenfalls kein Training machen. „Unsere Sportstätte ist gesperrt“, sagt Teammanagerin Sonja Meinhardt. Da die Spielzeit im Volleyball aber nicht zu Ende gespielt wird, sei die Situation zu verschmerzen. Ab Mai soll die Mannschaft mit Einheiten im Beachvolleyball wieder fit werden. „Ob das geht, ist natürlich fraglich“, sagt Meinhardt.

Im Kanusport ist für Hobbyathleten Pause angesagt. Anders sieht es bei den Leistungssportlern aus. Sie haben sich bis zur Olympia-Verschiebung auf das Großereignis vorbereitet – auch im Eiskanal. Aus Augsburg betrifft das Sideris Tasiadis, Hannes Aigner und Ricarda Funk. „Dabei wurden alle Vorgaben umgesetzt. Es hat nur Einzeltraining stattgefunden“, betont der Sportdirektor des Deutschen Kanu-Verbands, Jens Kahl. Bis Ostern haben die Sportler nun frei.

Wie lange die Augsburger Sportanlagen gesperrt bleiben, ist offen. Einzig die Verantwortlichen im Fußball versuchen, die Spielzeit zu beenden. Der Bayerische Fußball-Verband plant dies ab 19. April. Der FCA startet nicht vor Anfang Mai wieder in den Bundesliga-Spielbetrieb – darf aber bis dahin fleißig trainieren.

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