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Corona-Einschränkungen
13.01.2021

Söder will Firmen das Homeoffice schmackhaft machen

Ministerpräsident Markus Söder bekräftigte beim Homeoffice-Gipfel der Staatsregierung, dass der Freistaat seinen Beschäftigten bei dem Thema so weit als möglich entgegenkomme.
Foto: Matthias Balk, dpa

Der bayerische Homeoffice-Gipfel endet mit einer Selbstverpflichtung, eine gesetzliche Regelung soll es nicht geben. Nun wird im Bundestag diskutiert.

Bayern geht wieder voran. Diese Botschaft war Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach dem Homeoffice-Gipfel in der Staatskanzlei dann doch wichtig. Seit einigen Tagen wird in Deutschland intensiv darüber diskutiert, ob man Arbeitgeber, die sich weigern, ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen, nicht stärker in die Pflicht nehmen müsste. Denn trotz hoher Infektionszahlen, neuer Virusmutationen und weitgehender Einschränkungen in vielen Lebensbereichen arbeiten derzeit angeblich weniger Menschen von zu Hause als noch im Frühjahr.

Gewerkschaften, Arbeitgeber und Staatsregierung haben sich nun beim eilig einberufenen Spitzentreffen darauf geeinigt, mehr Homeoffice anzubieten, aber dafür weiterhin auf eine gesetzliche Regelung zu verzichten. Damit das klappt, sollen steuerliche Anreize für Unternehmen geschaffen werden, die mehr Beschäftigte ins Homeoffice entlassen. Söder denkt dabei an großzügige Abschreibemöglichkeiten. Für den größten Arbeitgeber in Bayern, den Freistaat selbst, soll ein Anspruch auf Homeoffice für Beschäftigte festgeschrieben werden.

Wer beim Freistaat arbeitet, kann auf Antrag ins Homeoffice wechseln

„50 Prozent der Arbeitsplätze beim Staat sind grundsätzlich homeofficefähig“, sagte Söder. Wer einen davon hat, kann künftig auf Antrag ins Homeoffice wechseln. In der Wirtschaft eignen sich laut Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) 40 Prozent der Arbeitsplätze dafür. Trotz großer Anstrengungen sei bei der Umsetzung noch „Luft nach oben“, sagte Aiwanger.

Aus der Wirtschaft sieht man die Gipfelergebnisse als Bestätigung. Audi-Chef Markus Duesmann sagte unserer Redaktion: „Wir haben umfangreiche Schutzmaßnahmen sowohl in der Produktion als auch auf dem Werksgelände in Ingolstadt und Neckarsulm etabliert, die sich bewähren. Zusätzlich nutzen viele Audianerinnen und Audianer die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.“

Auch die Gewerkschaften können mit der Lösung gut leben. Der DGB Bayern und der Verband der Bayerischen Wirtschaft veröffentlichten sogar eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie betonen, dass die Erfahrungen aus den derzeitigen Notmaßnahmen später ausgewertet und dann auf Unternehmensebene die Weichen für die zukünftige Arbeitsgestaltung gestellt werden müssten.

Homeoffice und mobiles Arbeiten sind zwei Dinge

Für Familien biete Homeoffice auch Chancen, etwa durch gewonnene Zeit bei sonst langen Arbeitswegen, sagte Arbeitsministerin Carolina Trautner. Sie betonte aber auch: „Der Arbeitsschutz macht im Homeoffice keine Pause.“ Das dürfte die Begeisterung fürs Homeoffice bei vielen Firmen bisher gebremst haben.

 

Denn wie der Augsburger Arbeitsrechtler Peter Härtl von der Kanzlei Seitz Weckbach Fackler & Partner erläutert, wird gesetzlich üblicherweise unterschieden zwischen Homeoffice-Tätigkeit, bei der die Arbeitnehmer immer von zu Hause arbeiten, und mobilem Arbeiten, bei der die Arbeitnehmer mit ihrem Laptop quasi von überall aus arbeiten können. Für beides gelten aber unterschiedliche Anforderungen, etwa in Bezug auf Datensicherheit oder Arbeitsschutz. Er rate Arbeitgebern beim Thema Homeoffice daher immer, einvernehmliche Lösungen zu suchen und die Rahmenbedingungen in einer Betriebsvereinbarung festzuschreiben.

Für die Opposition ist das Thema damit noch nicht erledigt. Auf Antrag der Grünen soll der Bundestag am Donnerstag über das Thema diskutieren. Die Bundesregierung setzt dagegen weiter auf Freiwilligkeit. Das machte eine Sprecherin in Berlin deutlich. (mit sts)

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