1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Deshalb haben die Chinesen Kuka gekauft

Kuka

20.01.2017

Deshalb haben die Chinesen Kuka gekauft

Drei Manager wollen den Augsburger Roboterbauer Kuka noch erfolgreicher und größer machen: Kuka-Chef Till Reuter (v.l.), Midea-Boss Paul Fang und sein Vize Andy Gu.
Bild: Ulrich Wagner

Erstmals geben die beiden Midea-Chefs Paul Fang und Andy Gu mit Kuka-Chef Till Reuter ein Interview. Was nach der Übernahme auf die 3500 Beschäftigten in Augsburg zukommt.

Zum Interview tragen die beiden chinesischen Chefs des Haushaltsgeräte-Konzerns Midea wie Kuka-Boss Till Reuter eine orange Krawatte. Orange ist die Farbe des Unternehmens. Paul Fang und sein Vize Andy Gu sprechen in der Augsburger Zentrale des Roboterbauers über die abgeschlossene Übernahme der bayerischen Firma. Die Midea-Manager leiten einen börsennotierten Konzern mit weltweit rund 110.000 Mitarbeitern.

Sie halten jetzt rund 95 Prozent der Kuka-Aktien und haben dafür den stolzen Preis von mehr als 4,5 Milliarden Euro gezahlt. Wie sind Sie in Augsburg aufgenommen worden?

Fang: Sehr gut. Wir fühlen uns wohl in Augsburg. Es ist eine sehr schöne Stadt. Wir hatten hier ein leckeres, typisch bayerisches Abendessen und Oberbürgermeister Kurt Gribl hat uns im Rathaus empfangen. Er zeigte uns den wunderschönen Goldenen Saal. Und wir haben zu den Mitarbeitern hier am Standort gesprochen. Die Beschäftigten nahmen uns sehr freundlich auf.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wer steckt hinter Midea? Wird das Unternehmen wie andere chinesische Konzerne staatlich beeinflusst?

Fang: Midea ist ein in China börsennotiertes, privates Unternehmen. Rund 20 Prozent unserer Aktien befinden sich sogar im Besitz ausländischer Investoren. Wir sind also nicht staatlich beeinflusst. Die chinesische Wirtschaft ist kein monolithischer Block, sondern ein vielfältig strukturiertes Gebilde. Unsere Firma, die etwa Klimaanlagen, Waschmaschinen oder Kühlschränke herstellt, ist auf allen Weltmärkten präsent. Wir verfügen außerhalb Chinas über Produktionsstätten in Vietnam, Weißrussland, Ägypten, Brasilien, Argentinien und Indien.

Kuka steht für Hochtechnologie. Wie sieht es hier bei Midea aus? Kühlschränke und Waschmaschinen sind ja nicht unbedingt High-Tech.

Fang: Aber wir haben auch mehr als 20 Leute, die im amerikanischen Silicon Valley sitzen und sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen. Wir arbeiten intensiv daran, Haushaltsgeräte „smart“ zu machen – stellen Sie sich beispielsweise vor, Ihr Kühlschrank sendet Ihnen eine Nachricht auf dem Weg nach Hause, dass kein Bier mehr für das Abendessen da ist. Und Sie können es sofort kaufen.

Das Geheimnis von Midea

Wer hat Midea so groß gemacht?

Fang: Es war unser Gründer Xiangjian He, der 1968 mit einer Produktion für Flaschenverschlüsse im Süden Chinas den Grundstein für den sagenhaften Aufstieg gelegt hat. Er stammt aus einer Bauernfamilie und machte Midea zu einer der erfolgreichsten privaten chinesischen Firmen. Bis heute hält seine Familie knapp 35 Prozent an Midea. Auf der berühmten Forbes-Liste der 500 weltweit größten Konzerne rangierten wir zuletzt auf Platz 402. Und die drei großen US-Ratingagenturen Standard & Poor’s, Fitch und Moody’s bewerten uns mit Top-Bonitätsnoten.

Dennoch: Warum haben sie als Haushaltsgeräte-Konzern ausgerechnet einen Roboterbauer gekauft?

Gu: Der chinesische Markt für Haushaltsgeräte ist stark gesättigt. Wir sehen hier für die Zukunft nicht so große Wachstumschancen. Deshalb wollen wir uns mit Kuka ein neues Standbein mit enormen Wachstumschancen aufbauen.

Warum wächst der chinesische Robotermarkt so rasant?

Gu: Weil es einen enormen Nachholbedarf an Automatisierungslösungen gibt. Die Arbeitskosten sind in China massiv gestiegen, vom Jahr 2000 bis heute um unglaubliche 700 Prozent. So wird zunehmend automatisiert. Und hier kommt Kuka ins Spiel. Wir sind davon überzeugt, dass wir dem bayerischen Unternehmen dank unserer Beziehungen helfen, auf dem chinesischen Roboter-Markt noch mehr als bisher Fuß zu fassen.

Reuter: An Kuka hat Midea vor allem fasziniert, dass Kuka für deutsche Hochtechnologie steht, exzellente Facharbeiter und Ingenieure hat sowie über ein gutes Management verfügt. Daneben sehen die Midea-Verantwortlichen ein großes Potenzial in unserer Firma, das es zu heben gilt. Schließlich ist China weltweit der größte Markt für Automatisierung.

Aber noch einmal: Kühlschränke und Roboter - das passt doch nicht zusammen? Wo bleiben da die berühmten Synergien?

Reuter: Kuka-Roboter sind nun eine starke Sparte innerhalb der Midea-Familie. Unser Ziel ist es, dass die Marke Kuka mit dem starken Partner Midea im Rücken die Nummer eins auf dem chinesischen Roboter- und Automatisierungsmarkt wird.

Wie kann das gelingen?

Reuter: Indem wir mehr kleine Roboter verkaufen, also zunehmend auch in Branchen außerhalb der Autoindustrie vordringen. Natürlich wollen wir mit der Hilfe von Midea gerade im Logistikbereich, wo in China noch viel manuell gearbeitet wird, unsere Automatisierungslösungen durchsetzen. Wir sind auch bislang schon auf dem chinesischen Markt gut unterwegs. Dank Midea geht es jetzt aber deutlich schneller voran. Midea und Kuka haben zwar eine andere „DNA“, aber wir ergänzen uns.

Kuka-Roboter in Krankenhäusern

Wie soll das konkret aussehen?

Reuter: Wir wollen unsere Roboter etwa in die Krankenhäuser bringen.

Gu: Das wollen wir mit Kuka vorantreiben. Wie Deutschland ist China ein stark alterndes Land. Und die menschliche Arbeitskraft in China wird weniger und noch teurer. Deshalb wollen wir die Entwicklung von Pflegerobotern vorantreiben, die etwa in Krankenhäusern, Altenheimen, aber auch in den Haushalten gebrechlichen Menschen zum Beispiel beim Aufstehen helfen.

Reuter: Hier kann uns Midea helfen und so entstehen Synergien. Denn wir verstehen etwas vom Industriegeschäft. Midea kennt als Haushaltsgerätehersteller die Bedürfnisse der Konsumenten. Das ergänzt sich prima. So verhelfen wir dem Roboter zum Siegeszug im Privatleben. Hier können sich ältere Bürger dank eines Pflegeroboters selbst versorgen und sind nicht auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen. Wenn wir diesen Markt erobern, nützt das Beschäftigten in Augsburg und China.

Das klingt nach enormen Wachstumschancen für die Robotik.

Fang: Wir glauben, dass die Robotik eine ähnliche Entwicklung wie das Computergeschäft nehmen könnte. Hier gab es ja am Anfang auch große Apparate für Geschäftskunden. Schließlich wurden die Computer immer kleiner und zogen in die Haushalte, ja als Smartphone in die Jackentasche ein.

Bei allen Wachstumschancen haben Sie mit 115 Euro pro Aktie einen zu hohen Preis für Kuka bezahlt. Experten sprechen von einem fairen Preis von 70 bis 80 Euro. Haben Sie zu viel Geld?

Gu: Uns wurde schon einmal bei einem von uns in China übernommenen Unternehmen gesagt, wir hätten einen zu hohen Preis gezahlt. Im Rückblick war das eine der besten Investments, die wir je gemacht haben. Und Kuka ist eine sehr gute Firma, dafür haben wir gerne einen sehr guten Preis gezahlt.

Reuter: Wir können aus Kuka noch viel mehr machen. Wir sollten nicht ängstlich in die Zukunft schauen, sondern die Zukunft gestalten.

Trotzdem haben manche Beschäftigte in Augsburg Angst. Arbeiten schon Midea-Spezialisten für Kuka in der Stadt?

Fang: Noch nicht. Das wird erst geschehen, wenn wir gemeinsame Projekte aufsetzen. Und es steht auch noch nicht fest, welche und wie viele Midea-Vertreter in den Kuka-Aufsichtsrat einziehen.

Wie sicher sind denn die rund 3500 Kuka-Arbeitsplätze in Augsburg?

Gu: Wir hätten nicht so viel Geld in die Firma investiert, wenn wir negativ in die Zukunft schauen würden. Wir sind als langfristige Investoren gekommen, die Arbeitsplätze in Augsburg heute und morgen sichern wollen. Auch wollen wir den Sitz von Kuka in Augsburg belassen. Kuka bleibt ein deutsches Unternehmen. Wir wollen mit Kuka eine ebenso positive Geschichte schreiben, wie das deutsche Konzerne wie Volkswagen, BMW und Daimler in China mit ihren dortigen Investments geschrieben haben. Wir wollen ein vorbildhaftes Beispiel für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit sein.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

20.01.2017

Diese Chinesen dürfen in Deutschland alles kaufen und unsere Arbeitsplätze zerstören. Kein

Deutscher darf eine Firma in China kaufen. Die Chinesen sind nicht so blöd wie wir die Deutschen.

Die Geschäftsmanger von der Kuka gehören eingesperrt,den sie verichten Arbeitsplätze in

Deutschland. Wenn wir in Deutschland unser Tafelsilber an die Chinesen für ein Butterbrot verkaufen

so ist das ein Wirtschaftsverbrechen,und der kleine mann zahlt die Zeche dafür. Diese Geldgierige

Geschäftsleitung von Kuka glaubt doch nicht in Wrklichkeit ,das die Chinesen eine Intresse haben in

Augsburg Arbeitsplätze zu schaffen die wollen nur unser Pläne wie man selber Roboter herstellen

kann. Wenn wir so weiter machen was den Verkauf unserer Firmen anbelangt.dann werden wir bald

Bittsteller bei den Chinesen werden. Deutschland wird sich bald als Industrieination sich

verabschieden können Danke

Permalink
21.01.2017

In den 80er Jahren glaubte man dass die Japaner alle Unternehmen aufkaufen .... aber auch mit nur 10 Tage Urlaub/Jahr, und über 50 Stundenwoche, nicht geschafft .... jetzt halten sich die Senioren der Aufgehende Sonne, mit Gelddrucken über Wasser.

.

Jetzt kommt die 2. Welle (edit/ Nub 7.2) ... schau ma mal.

(Aber die Chinesen sind besser, dank Einparteiensystem, für Bayern wäre es auch besser nur die CSU ..... )

Jedenfalls ist Deutschland als Produktionsstandort viel zu teuer, bei den Chinesen hat das Unternehmen KUKA & andere Produktionsunternhemen eine Zukunft.

.

Übrigen´s ohne Chinesen könnte wir uns nichts leisten, die Chinesische Wanderarbeiter erwirtschaften unsere Kaufkraft, somit den Lokalen Wohlstand, nicht nur bei Elektronik, ...... Knoblauch,Apfelsaft,Honig,Tomaten in der Dose ..... alles "Made in China"

.

Ist doch schön, wenn in 100 Jahren von Historiker festgestellt wird, dass die Wurzeln des Unternehmen damlas in Augsburg waren.

(Wie bei Mozart ) ;-) ..... und .... Patent/e für den Diesel-Motor & Co.

.

Die Augsburger-Textilindustrie, hat es schon hinter sich ....

Die EX- Bürger der DDR, haben da schnellstens, noch mehr Erfahrung sammeln dürfen.

.

Jetzt setzt auch noch Indien an ... und die Chinsen lagern dort die Massenproduktion aus,

den in Zukunft nur noch "High-Tech" Made in China.

.

Wir brauchen die Chinesen, damit wir für unsere Lumpigen €uro´s, einen Gegenwert bekommen .... ?

Permalink
20.01.2017

Ab 2023 kommt die Wahrheit auf den Tisch !

Permalink
20.01.2017

.....so wirds sein. Man gibt, natürlich, für einige Jhre ein Beschäftigungsgarantie und dann wird das "Tafelsilber" nach China verlegt und der "Schrott" wird abgestoßen, sprich abgewickelt.

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Passanten mit Einkaufstüten in einer Fußgängerzone. Foto: Henning Kaiser
Arbeitsmarkt

Experten: Tarifabschlüsse könnten Konjunktur Schwung bringen

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen