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Erbstreit

13.10.2020

Die Tengelmann-Dynastie: Ein Familienclan zerbricht

Drei Brüder, eine komplizierte Geschichte: Im Sommer 2009 zeigten sich Karl-Erivan, Georg und Christian Haub (von links) noch harmonisch. Heute ist der Clan zerstritten.
Bild: Roland Weihrauch, dpa

Nach dem Tod des Patriarchen sollen die Söhne das Tengelmann-Imperium führen. Doch ein Schicksalsschlag ändert alles. Es geht um alte Wunden, Macht und Geld.

Als der 85-jährige Milliardär Erivan Haub im März 2018 auf seiner Ranch im US-Bundesstaat Wyoming stirbt, hinterlässt er ein bestelltes Feld. Die Verantwortung für das Tengelmann-Imperium hatte er längst an die Söhne übergeben. Die diamantene Hochzeit mit seiner Frau Helga wurde zum letzten Höhepunkt eines erfüllten Lebens. Die Haubs gehören zu den reichsten Dynastien Deutschlands. Nun soll die nächste Generation diese Erfolgsgeschichte fortschreiben. Doch das Schicksal hat andere Pläne.

Der neue Tengelmann-Chef verschwindet spurlos in den Bergen

Wenige Tage nach dem Tod des Patriarchen bricht das neue Familienoberhaupt Karl-Erivan, genannt "Charly", zu einer Tour in den Schweizer Bergen auf. Der damals 58-jährige Manager, der gemeinsam mit seinem jüngeren Brüder Christian die Geschäfte führt, ist ein sportlicher Mann, der Skirennen fährt und Marathon läuft. Eine Videokamera auf der Bergstation Klein Matterhorn nimmt die letzten Bilder von Karl-Erivan Haub auf, danach verliert sich seine Spur in Schnee und Eis – bis heute.

Nach tagelanger Suche stirbt die Hoffnung seiner Frau und der beiden Kinder, ihn lebend zu finden. Auf einer Trauerfeier im Sommer 2018 nimmt die Familie doppelt Abschied – vom alten Patriachen und seinem verschollenen Sohn. Doch bis heute kann sich Karl-Erivans Frau Katrin nur schwer damit abfinden, dass ihr Mann wohl nicht mehr zurückkehren wird. Und hier beginnt sich die Familiengeschichte mit der des Familienimperiums zu vermischen.

Tengelmann-Imperium: Seine Brüder wollen Haub für tot erklären lassen

Nach dem Verschwinden seines Bruders übernimmt Christian Haub allein die Führung der Tengelmann-Gruppe, der unter anderem die Mehrheit am Baumarktriesen Obi und am Textil-Discounter Kik gehört. Auch am Online-Versandhändler Zalando und an der Lebensmittel-Kette Netto ist der Konzern beteiligt. Der neue Chef ist – wie seine beiden Brüder – in den Vereinigten Staaten geboren und lebt dort mit seiner Familie. Er kümmert sich bislang um das US-Geschäft.

Nun kehrt er nach Deutschland zurück und zieht zunächst in eine Dienstwohnung in der Tengelmann-Zentrale in Mühlheim an der Ruhr. Von dort aus krempelt er die Firmengruppe um. Doch den Schatten seines älteren Bruders wird er nicht los. Noch nicht. Denn nun wollen Christian und Georg, der dritte Bruder, der einst als schwarzes Schaf galt und keine aktive Rolle im Unternehmen spielte, Karl-Erivan offiziell für tot erklären lassen. Ein entsprechender Antrag liegt beim Kölner Amtsgericht. Ziel sei es, klare und stabile Verhältnisse im Gesellschafterkreis sowie Sicherheit für die Unternehmensgruppe und ihre 90.000 Mitarbeiter zu erhalten, teilt ein Konzernsprecher mit. Mit ihrer Schwägerin haben die beiden Brüder diesen Schritt offenbar nicht abgesprochen. Dabei geht es nicht nur um verletzte Gefühle oder Fragen der Pietät, sondern vor allem um die neue Machtverteilung in der mehr als 150 Jahre alten Tengelmann-Welt – und um viel Geld.

Der einst mächtigste Zweig der Tengelmann-Familie ist abgemeldet

Sollte ihr Mann für tot erklärt werden, kommen auf Katrin Haub hunderte Millionen Erbschaftssteuer zu. Um diese Summe zu finanzieren, müsste sie wohl Anteile am Konzern verkaufen oder sich von den anderen beiden Familienstämmen komplett auszahlen lassen. Doch daran denkt die mutmaßliche Witwe gar nicht. Schon ihrer Kinder wegen. Schließlich hatte Karl-Erivan Haub keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Zwillinge Viktoria und Erivan eines Tages in führender Position im Unternehmen sehen wollte. Nun scheint der einst mächtigste Zweig des Familienclans zu verkümmern. Die drei Haub-Stämme kommunizieren inzwischen im Wesentlichen über Anwälte und die Medien miteinander. Alte Wunden, die aus dem Konkurrenzverhältnis der drei Brüder stammen, werden aufgerissen.

Erivan Haub hat Tengelmann einst von einem Onkel geerbt und einen Milliardenkonzern daraus gemacht. Zweieinhalb Jahre nach seinem Tod droht aus dem vermeintlich bestellten Feld, das er seinen drei Söhnen hinterließ, verbrannte Erde zu werden.

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