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Friedberg
24.05.2016

Unternehmer Hans Haibel: Der sanfte Patriarch wird 85

„Alles ist eine Frage der Bildung“: Für Hans Haibel liegt darin der Schlüssel für den Erfolg von Wirtschaft und Gesellschaft.
Foto: Michael Hochgemuth

Hans Haibel knüpfte schon erfolgreich Netzwerke, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Politiker, Künstler, Wissenschaftler: Alle waren sie zu Gast in seinem Haus in Friedberg.

Manchmal klappt es nicht auf Anhieb. Dann empfiehlt es sich, Rat zu suchen, zuzuhören, eine andere Methode zu wählen und gemeinsam etwas Neues zu wagen. Das hat Hans Haibel schon als junger Ingenieur erfahren. Und es ist wie die Quintessenz seines Lebens, wenn er sagt: „Man muss davon ausgehen, dass andere Leute auch gescheit sind.“ Am Freitag wird er 85 Jahre alt und kann dank dieser Grundüberzeugung auf ein langes, erfolgreiches Wirken als Unternehmer und Politiker zurückblicken.

Haibel, Jahrgang 1931, ist wie viele Männer seiner Generation von den Erfahrungen des Krieges und des Wiederaufbaus geprägt. Der gebürtige Augsburger erlebte die Zerstörung seiner Heimatstadt, den Neubeginn und das Zusammenwachsen Europas durch Politiker wie Adenauer und de Gaulle. „Man muss anständig miteinander umgehen und sich respektieren“ – das ist die Lehre, die Haibel für sein eigenes Leben daraus gezogen hat.

Menschen zusammenzubringen, diese Fähigkeit hat ihm bei vielen schwierigen Vorhaben geholfen. Heute würde man ihn wohl als erfolgreichen Netzwerker bezeichnen, auch wenn es diesen Begriff damals noch gar nicht gab. Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Theologen und viele andere waren Gäste im Haibel’schen Haus in der Friedberger Altstadt. So vielseitig wie seine Gesprächspartner sind auch seine Interessen: Musik und Malerei, Geschichte, Reisen in die europäischen Städte, der große Garten mit Rosenbeeten, Azaleen und Rhododendren – all das begeistert Hans Haibel und seine Ehefrau Inge. Und in seiner kleinen Schreinerwerkstatt restauriert und fertigt er Möbelstücke nach historischen Vorlagen.

1979 wurde Haibel zum IHK-Präsidenten gewählt

Nach dem Besuch der Oberrealschule studierte Haibel Maschinenbau in Augsburg und heuerte als Konstrukteur bei der MAN an. 1955 holte ihn dann sein – damals noch zukünftiger – Schwiegervater zu den Marquardtwerken nach Friedberg. Die Firma hatte in den 20er Jahren mit der Produktion von Kolbenringen für die Motorenherstellung begonnen. Doch Haibel sah bald, dass ein Familienbetrieb mit 300 Mitarbeitern nicht die Kapazitäten hatte, um Entwicklung und Produktion in dem Maß voranzutreiben, wie es die wachsende Automobilindustrie verlangte.

Ein Partner musste also her, den Hans Haibel in der Goetze AG aus Burscheid fand. Von 1964 bis zu seiner Pensionierung 1994 war Haibel Geschäftsführer des Friedberger Werkes, kümmerte sich außerdem um die Tochterfirmen in Frankreich, der Türkei und in den USA sowie um den Lizenznehmer in Japan. Neben den Reisen rund um den Globus war er aber auch in und für die Heimat aktiv.

Früh engagierte er sich bei der Industrie- und Handelskammer, zu deren Präsident er 1979 gewählt wurde. Ein reiner Dienstleister für die Mitgliedsbetriebe zu sein, das war Haibel zu wenig. Für ihn war Bildung schon damals das Thema Nummer eins in Deutschland. „Alles ist eine Frage der Bildung. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir noch viel stärker bilden“, sagt Haibel: „Manche Defizite können wir in unseren Lehrwerkstätten nicht kompensieren.“

Haibel: "Ohne soziale Arbeit kann man als Unternehmer nicht gut leben"

In den Fähigkeiten der Mitarbeiter sieht er noch heute das wichtigste Alleinstellungsmerkmal der Wirtschaft in Bayerisch-Schwaben. So warb er in Krisenzeiten bei seinen Kollegen dafür, das Personal nicht auszustellen und dafür lieber auf die Rendite zu verzichten. Ebenfalls in seine Amtszeit fiel die Gründung des Management Centrums Schloss Lautrach. Das ehemalige Jagdschloss der Benediktinerabtei Kempten soll Führungskräften als geistiges Zentrum der Persönlichkeitsbildung und Orientierung in einer unübersichtlichen Welt dienen.

Zielstrebigkeit und die Fähigkeit zum Dialog verschafften Hans Haibel über das Unternehmerlager hinaus Gehör. Seit 1992 gehörte er dem bayerischen Senat an, in der Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen von der Industrie bis zu den Religionsgemeinschaften als zweite Kammer fungierten. Dass dieses Gremium später per Volksentscheid abgeschafft wurde, hält Haibel noch immer für einen Fehler – „nicht meinetwegen“, wie er betont. Sondern weil der Senat eine Institution gewesen sei, die versucht habe, das Parteidenken aufzulösen. „Wir haben in die Gesetzgebung viele gute Ideen der SPD und von anderen eingebaut. Das wurde immer akzeptiert“, erinnert sich Haibel, der von 1996 erster Vizepräsident des Senats war.

Ein Jahr zuvor hatte er sich bereits von der Spitze der Industrie- und Handelskammer zurückgezogen. Auch wenn er kraft seines Titels als IHK-Ehrenpräsident die Möglichkeit hätte, hält er sich mit Ratschlägen an die Nachfolger zurück. Nur eines legt er ihnen aber ans Herz: „Ohne soziale Arbeit kann man als Unternehmer nicht gut leben.“

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