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Konjunktur

09.07.2020

IHK-Studie: Corona-Krise trifft Großraum Augsburg besonders hart

Der Maschinenbau ist wichtig für den Großraum Augsburg.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Die Arbeitslosenzahl steigt in einem Jahr um 42 Prozent, jeder zweite Unternehmer stuft seine Geschäftslage als schlecht ein. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Es sind nicht nur die Kürzungen beim Flugzeug-Zulieferer Premium Aerotec, bei dem in Augsburg 1000 Stellen gefährdet sind. Die Corona-Krise trifft die ganze Wirtschaft der Stadt und im Umland härter als in Schwaben insgesamt. Das zeigt eine Studie der Industrie- und Handelskammer. Die Arbeitslosenzahlen sind im Großraum Augsburg im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent gestiegen. Und die Unternehmer beurteilen ihre Geschäftsentwicklung schlechter als im schwäbischen Durchschnitt.

Dabei ist der Großraum von besonderem Interesse. Als dritte bayerische Metropole neben München und Nürnberg strahlt Augsburg weit ins Umland aus. Doch es gibt Lichtblicke: „Wir haben im Großraum einen gesunden Mittelstand, einen breiten Branchenmix und damit eine gesunde Basis für den Neustart nach der Corona-Krise“, sagte Lechwerke-Vorstand Markus Litpher, der auch Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Augsburg ist. Zudem boomen in Augsburg-Stadt und Land und dem Kreis Aichach-Friedberg einige Zukunftsbranchen.

46 Prozent der Unternehmer bezeichnen Geschäftslage als schlecht

Bekannte Unternehmen wie Ledvance, Fujitsu und Kuka machten zuletzt mit Werkschließungen oder Job-Abbau von sich reden. Die Corona-Krise hat jetzt auch viele kleinere Betriebe hart getroffen. Ganze 46 Prozent der Unternehmer im Großraum bezeichneten im Frühjahr ihre Geschäftslage als schlecht, in ganz Schwaben sind es 38 Prozent.

Die Lage hat sich dabei in kurzer Zeit verschlechtert: Im Herbst 2019 hatten nur 11 Prozent der Unternehmer im Großraum Augsburg von einer schlechten Geschäftslage berichtet. „Im Vergleich zum Herbst 2019 haben sich die negativen Geschäftsaussichten mehr als verdreifacht – ein extremer Wert, der dem Corona-Lockdown in fast allen Wirtschaftsbereichen geschuldet ist“, sagt IHK-Vizepräsidentin Andrea Pfundmeier, Chefin des Software-Unternehmens Secomba. Besonders hart hat es Gastronomie und Tourismus getroffen Wie aber sehen die Perspektiven aus? Erholt sich die Wirtschaft im Herbst?

Markus Litpher, Vorsitzender der Regionalversammlung: Maß und Mitte bei neuen Maßnahmen gegen das Virus finden

„Maßgeblich dafür wird die Corona-Entwicklung sein“, sagt Litpher. Zu erwarten sei, dass es immer wieder zu lokalen Virus-Ausbrüchen kommen. „Wichtig ist es, dann mit Maß und Mitte vorzugehen und wenn möglich nicht ganze Regionen in einen neuen Lockdown zu schicken“, sagt er. Dies träfe die Wirtschaft hart.

Wo in Zukunft Wachstum im Großraum entstehen kann, verdeutlicht eine Studie des Prognos-Instituts. Demnach ist die Luft- und Raumfahrt mit 3900 Beschäftigten im Großraum fast drei Mal stärker vertreten als im Bundesschnitt. „Die Luftfahrt ist eine Zukunftsindustrie, wir müssen jetzt die Basis schaffen, auf der später eine Erholung aufbauen kann“, mahnt Litpher. Auch der Maschinenbau ist lokal doppelt so stark vertreten als im Bundesschnitt. Er gibt 16.300 Beschäftigten Arbeit.

Wachstumsbranche IT/Telekommunikation im Großraum Augsburg

Massives Wachstum mit einem Beschäftigungsplus von 52 Prozent zwischen 2015 und 2019 haben IT und Telekommunikation erlebt, auch wenn der Sektor mit 5600 Beschäftigten noch klein ist. „Mit dem Digitalisierungsprozess kommen aber spannende Themen auf uns zu“, ist IT-Unternehmerin Pfundmeier optimistisch. Von Uni und Hochschule Augsburg kommen auch viele IT-Absolventen.

Große Bedeutung hat zudem das Gesundheitswesen mit 27.700 Beschäftigten und rund zehn Prozent Wachstum. „Im Umfeld des Uniklinikums Augsburg werden sich auch neue wirtschaftliche Aktivitäten entwickeln“, ist Litpher überzeugt.

Bei aller Krise gibt es also positive Signale: „Wir haben Ideen, gut ausgebildete Mitarbeiter und Unternehmer, die die PS auf die Straße bringen wollen“, ist IT-Unternehmerin Pfundmeier optimistisch.

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