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Corona-Pandemie

14.04.2020

IWF erwartet wegen Coronavirus eine globale Rezession

Gita Gopinath, Chefvolkswirtin des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Bild: Liu Jie/XinHua, dpa

Die Welt steht wegen der Corona-Pandemie vor einer epochalen Rezession - Deutschland bleibt nach Ansicht des IWF nicht verschont. Für 2021 gibt es aber Hoffnung.

Wegen der Coronavirus-Pandemie wird die Wirtschaft in diesem Jahr weltweit dramatisch schrumpfen: Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit der schwersten globalen Rezession seit fast hundert Jahren. Die globale Wirtschaftsleistung könnte 2020 um 3 Prozent zurückgehen, jene der Eurozone sogar um 7,5 Prozent, wie der IWF in seiner jüngsten Prognose zur globalen Konjunkturentwicklung erklärte.

Arbeitslosigkeit wird wegen der Corona-Pandemie deutlich ansteigen

Es müsse mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet werden. Im Januar hatte der IWF für 2020 noch ein globales Wachstum von 3,3 Prozent prognostiziert, die 19 Länder der Eurozone sollten um 1,3 Prozent zulegen. "Es ist eine wirklich globale Krise, weil kein Land verschont bleibt", sagte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath vor Journalisten.

Der IWF bezeichnet die Corona-Krise in Anlehnung an die Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre, die sogenannte Große Depression, als "die Große Ausgangssperre" (Englisch: The Great Lockdown). Gopinath erklärte, der prognostizierte Wirtschaftseinbruch werde "die schlimmste Rezession seit der Großen Depression sein und wesentlich schlimmer als die globale Finanzkrise" von 2008 bis 2009.

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IWF erwartet in 170 Ländern schrumpfende Einkommen

Für 170 Länder der Welt rechnet der IWF für dieses Jahr mit schrumpfenden Pro-Kopf-Einkommen. Die Weltwirtschaftsleistung werde wegen der Pandemie daher 2020 und 2021 wohl um rund 9 Billionen US-Dollar (8,2 Billionen Euro) sinken, sagte Gopinath.

Für das kommende Jahr rechnet der IWF mit einer deutlichen Erholung. Die globale Wirtschaft soll dann im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent wachsen, jene der Eurozone um 4,7 Prozent. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Epidemie im zweiten Halbjahr 2020 weitgehend unter Kontrolle gebracht werden kann und sich auch das Wirtschaftsleben wieder normalisiert, wie der IWF erklärte. Die aktuelle IWF-Prognose finden Sie hier (in englischer Sprache).

 

Die Organisation warnte aber, dass die Prognosen mit "extremer Unsicherheit" behaftet seien. Die wirtschaftlichen Folgen hingen von sehr vielen Faktoren ab, darunter der Dauer und Intensität der Pandemie, hieß es. Sollte die Pandemie in der zweiten Jahreshälfte nicht zurückgehen, könnte die globale Wirtschaft dieses Jahr sogar um sechs Prozent einbrechen und auch 2021 noch schrumpfen, sagte Gopinath.

In Deutschland soll die Wirtschaft um sieben Prozent schrumpfen

In Deutschland soll die Wirtschaft dem IFW zufolge 2020 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent schrumpfen, in Spanien um acht Prozent, in Italien sogar um 9,1 Prozent. Für die USA, die größte Volkswirtschaft der Welt, sieht der IWF ein Minus von 5,9 Prozent vor. Seit Mitte März haben dort bereits rund 17 Millionen Menschen Anträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt, was auf einen dramatischen Konjunktureinbruch schließen lässt. In Japan soll de Wirtschaftsleistung dem IWF zufolge um 5,2 Prozent zurückgehen. In China wiederum - wo die Corona-Krise inzwischen unter Kontrolle scheint - soll die Wirtschaft zumindest noch um 1,2 Prozent wachsen.

Der IWF forderte alle Regierungen auf, die Wirtschaft gezielt zu unterstützen, um die Folgen der Krise zu überwinden. Dazu gehörten Kreditprogramme für betroffene Unternehmen genauso wie zusätzliche Mittel des Staates um betroffenen Branchen zu helfen, wie der IWF erklärte. Durch gezielte Hilfen werde der Weg für eine Erholung im kommenden Jahr gelegt, hieß es weiter.

Ärmere Staaten brauchen möglichst günstige Kredite in Corona-Zeiten

Viele ärmere Staaten haben allerdings nicht genügend Spielraum für zusätzliche Ausgaben. Um sich auf den internationalen Kreditmärkten frisches Geld zu besorgen, müssen Entwicklungs- und Schwellenländer inzwischen höhere Finanzierungskosten in Kauf nehmen. Dutzende Staaten haben daher beim IWF bereits Notkredite beantragt, um ihre Gesundheitssysteme zu stärken und sich den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu stellen. IWF und Weltbank fordern inzwischen auch, ärmere Länder bis auf weiteres vom Schuldendienst zu entbinden.

Für die Staaten Afrikas südlich der Sahara rechnet der IWF 2020 mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 1,6 Prozent. Besonders hart soll es dort die größten Volkswirtschaften treffen, Nigeria (minus 3,4 Prozent) und Südafrika (minus 5,8 Prozent). Nigeria hat beim IWF bereits einen Notkredit beantragt. Für Südamerika und die Karibik rechnet der IWF für dieses Jahr mit einem Minus von 5,2 Prozent, für den Nahen Osten und Zentralasien mit 2,8 Prozent.

Die jüngste Wirtschaftsprognose wurde im Rahmen der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank präsentiert. Wegen des Coronavirus findet die Tagung - zu der sonst Minister, Banker und Experten aus aller Welt nach Washington reisen - allerdings nur virtuell statt. (dpa)

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