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Airbus Defence & Space

11.02.2020

Kampfflugzeug FCAS: Schub für Airbus-Standort Manching

So sieht ein Modell des zukünftigen europäischen Kampfjets aus, das im Rahmen der 53. Internationalen Pariser Luftfahrtausstellung auf dem Flughafen Le Bourget enthüllt wurde.
Bild: Benoit Tessier, dpa

Deutschland und Frankreich entwickeln ein Kampfflugzeug. Nun hat der Bundestag dafür Geld bewilligt. Eine gute Nachricht für den Airbus-Standort Manching.

2040 soll der Super-Flieger einsatzfähig sein. Bis das neue europäische Kampfflugzeug FCAS tatsächlich abheben kann, wird es allerdings wohl noch den ein oder anderen Abstimmungsbedarf geben. Am Mittwoch aber wurde eine wichtige Hürde in Berlin genommen. Der Deutsche Bundestag hat die zweite Stufe des viele Milliarden schweren deutsch-französischen Großprojekts genehmigt.

Betroffen von der Entscheidung ist auch der Airbus-Defence-&-Space- Standort in Manching bei Ingolstadt. Das Volumen für die nun freigegebenen Forschungs- und Technologieaktivitäten beträgt rund 155 Millionen Euro. Der deutsche Anteil beläuft sich auf 77,5 Millionen Euro. Der französische Flugzeugbauer Dassault wird das Vorhaben gemeinsam mit Airbus federführend umsetzen. Verteilungskämpfe hatten das Projekt zuletzt allerdings verzögert.

Welche Auswirkungen hat die „FCAS Demo Phase 1A“ auf den Standort Manching, wo bisher unter anderem der Eurofighter endmontiert wird? Das Werk ist Unternehmensangaben zufolge bei Airbus Defence & Space bereits heute das „europäische Zentrum für die militärische Kampfflugzeug- und Drohnenentwicklung“. Dort gibt es derzeit schon ein FCAS-Team. Zunächst sollen dort für die nun anlaufende Demophase rund 100 zusätzliche Stellen entstehen.

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Rund um Airbus Defence & Space könnten mehrere tausend Arbeitsplätze entstehen

In den folgenden Jahren könnte sich diese Zahl aber „signifikant“ erhöhen, wie es heißt. Auch die Zuliefer-Industrie und in der Folge zum Beispiel IT-Dienstleister würden profitieren. Im positivsten aller Szenarien könnten in den nächsten zehn Jahren durch FCAS insgesamt mehrere tausend Stellen entstehen. Manching werde als Zentrum für militärischen Flugzeugbau gestärkt, heißt es, und soll zu einem „Hightech-Standort mit zahlreichen neuen Technologiekompetenzen“ weiterentwickelt werden. Laut Airbus verfügt FCAS über das Potenzial, „das größte und wichtigste verteidigungspolitische Projekt in Europa zu werden“.

Wenn der Jet in der Luft ist, kann man sich das so vorstellen: Zu sehen ist ein bemanntes Mehrzweckkampfflugzeug, das von einen Drohnenschwarm begleitet wird, sogenannten „remote carriers“. Sogar Satelliten kann FCAS steuern. Wichtigstes Element des gesamten Systems ist eine „Air Combat Cloud“, die mit Künstlicher Intelligenz sehr viele Daten sehr schnell verarbeiten kann. Ein künftiger Missionskommandeur bekommt dabei alle Informationen in Echtzeit zur Verfügung gestellt. Auch diese Technologie soll in Manching entwickelt und getestet werden.

FCAS: Ambitioniertestes Verteidigungsprojekt Europas

Dirk Hoke, Chef von Airbus Defence & Space, sagte am Mittwoch: „Mit der heutigen Entscheidung im Bundestag starten wir in die nächste wichtige Phase für das Future Combat Air System. Während der nächste 18 Monate werden Industrie und Regierungen zusammen die nötigen Technologien entwickeln, um bereits in 2026 Demonstratoren des Gesamtsystems testen zu können.“ Gelegt werde nun der „Grundstein für das ambitionierteste Verteidigungsprojekt Europas“, so Hoke.

Auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus Defence & Space, Thomas Pretzl begrüßte im Gespräch mit unserer Redaktion den „Startschuss“. Die Entscheidung sei „enorm wichtig“ für Manching. Das Tauziehen um Technologie und Arbeitsplätze zwischen Deutschland und Frankreich würde bei dem Projekt zwar weitergehen. „Für uns aber ist sehr bedeutsam, dass die Parlamentarier nun entschieden haben, dass deutsche Steuergelder an deutschen Standorten zur Technologieförderung eingesetzt werden.“

CSU-Abgeordneter Reinhard Brand: „Riesenschritt für Manching“

Der mit dem Projekt vertraute Ingolstädter Bundestagsabgeordnete Reinhard Brandl (CSU), Mitglied im Verteidigungs- und Haushaltsausschuss, wertete die Entscheidung so: „Das ist ein Riesenschritt für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Manching. Es geht bei diesem Auftrag um die Entwicklung eines komplett neuen Systems, das im besten Fall dort in den nächsten 40 Jahren Beschäftigung sichert.“

Gute Nachrichten also, die Airbus Defence & Space in schwierigen Zeiten erreichen. Denn erst im Dezember war bekannt geworden, dass die Rüstungssparte von Airbus massiv sparen will. „Wir haben heute den Dialog mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen, um mögliche Schritte zur Verbesserung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit und künftigen Positionierung der Division zu erörtern“, hatte es in einem Brief von Hoke an die Mitarbeiter geheißen.

Als Grund für das geplante Sparprogramm hatte Airbus zu wenige neue Aufträge genannt: Im dritten Jahr infolge seien weniger Auftragseingänge als Auslieferungen zu verzeichnen gewesen, schrieb Hoke. Die Gründe dafür seien vielfältig: ein leichter Rückgang des Telekommunikationsgeschäfts im Raumfahrtmarkt, dazu verzögerte Bestellungen aus den europäischen Heimatländern und verzögerte Exportaufträge bis hin zu den Auswirkungen des Ausfuhrverbots nach Saudi-Arabien. „Dieser mangelnde Auftragseingang zehrt unseren Auftragsbestand nach und nach auf“, hieß es in dem Brief weiter. Und das, obwohl die langfristigen Chancen laut Hoke sehr gut seien. Unter anderem wegen FCAS.

Am Airbus-Standort Manching arbeiten derzeit rund 5500 Angestellte

Am Airbus-Standort Manching arbeiten derzeit rund 5500 Angestellte. Wie sie blickt auch Betriebsratschef Pretzl mit Spannung auf die Jahresbilanz-PK des Airbus-Konzerns am Donnerstag in Toulouse. Denn Pretzl erhofft sich von dort neue Informationen zum Sparkurs. Ein Unternehmenssprecher von Airbus wollte sich auf Anfrage zunächst nicht zum Sparplan äußern.

Darüber hinaus blickt man von Manching aus aber weiter zum Bundestag. Offen ist nämlich auch noch eine nächste wichtige Entscheidung. Ersetzt werden sollen künftig 80 Bundeswehr-Tornados. Wie, ist derzeit noch offen. Würden Eurofighter geordert, wären das wieder gute Nachrichten aus Berlin.

Lesen Sie auch:  Medien: Airbus gesteht bei Eurofighter-Deal Bestechung

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