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Manching

18.12.2019

Sparprogramm bei Airbus: Für Manching könnte es dramatisch werden

Airbus Defence and Space hat in Bayern unter anderem einen Standort in Manching.
Bild: Airbus

Plus Die Airbus-Militärsparte will mit Arbeitnehmervertretern über Einschnitte sprechen. Der Betriebsrat warnt, der Standort Manching könne obsolet werden.

Die Rüstungssparte von Airbus will massiv sparen. Darüber hat die Unternehmensführung am Dienstag den Betriebsrat auf europäischer Ebene informiert. "Wir haben heute den Dialog mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen, um mögliche Schritte zur Verbesserung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit und künftigen Positionierung der Division zu erörtern", heißt es in einem Brief von Airbus Defence and Space-Chef Dirk Hoke an die Mitarbeiter. Ersten Berichten zufolge könnte ein Jobabbau an den bayerischen Standorten drohen. Airbus Defence and Space beschäftigt in Manching bei Ingolstadt rund 5600 Mitarbeiter, ein großer Standort in Bayern liegt auch in Ottobrunn in München.

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Als Grund für das geplante Sparprogramm nennt das Unternehmen zu wenige neue Aufträge: Im dritten Jahr in Folge seien weniger Auftragseingänge als Auslieferungen zu verzeichnen gewesen, schreibt Hoke. Die Gründe dafür seien vielfältig: Ein leichter Rückgang des Telekommunikationsgeschäfts im Raumfahrtmarkt, dazu verzögerte Bestellungen aus den europäischen Heimatländern und verzögerte Exportaufträge bis hin zu den Auswirkungen des Ausfuhrverbots nach Saudi-Arabien. "Dieser mangelnde Auftragseingang zehrt unseren Auftragsbestand nach und nach auf", schreibt er.

Erstaunlich ist dies, da Hoke die langfristigen Chancen als sehr gut bezeichnet: "Unsere langfristigen Aussichten waren noch nie besser", schreibt er. "Die Geschäftsperspektiven unserer zentralen Geschäftsfelder wie Kampf- und Tankflugzeuge, Drohnen, Connected Intelligence und auch Space Systems sind äußerst vielversprechend." Es gebe richtungsweisende Programme wie die Entwicklung eines gemeinsamen Kampfflugzeuges zusammen mit Frankreich – des Future Combat Air Systems, kurz FCAS. Auch eine neue Drohne soll in Europa entwickelt werden. Arbeitstitel: Eurodrone.

Sparprogramm bei Airbus: Für Manching könnte es dramatisch werden

Pretzl: Airbus Defence and Space wartet auf die Bundesregierung

Doch ausgerechnet in diesen Zukunftsfeldern könnte das größte Problem für Airbus Defence and Space stecken, wie Gesamtbetriebsratschef Thomas Pretzl im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert. Die Lage für die Airbus-Sparte und vor allem für Manching, wo der Eurofighter gefertigt wird, stellt sich aus seiner Sicht so dar: Das Unternehmen wartet auf Aufträge der Bundesregierung für die Radar-Nachrüstung bestehender Eurofighter-Maschinen. Ebenfalls in der Warteschleife hängen Aufträge, um die Eurofighter der ersten Generation durch neue Maschinen zu ersetzen. Das größte Problem aber sei, dass bisher keine Entscheidung im Verteidigungsministerium gefallen sei, wie die in die Jahre gekommenen Tornados der Bundeswehr ersetzt werden können.

"Unserer Meinung nach sollten die Tornados durch neue Eurofighter-Maschinen ersetzt werden", sagt Pretzl. Das hätte zwei Vorteile: Zum einen würde es Arbeit an deutschen Standorten sichern. Zum anderen würde man auch eine Brücke schaffen, bis das deutsch-französische Kampfflugzeug FCAS als Nachfolger des Eurofighters entwickelt ist.

Doch die Idee, die Tornados der Bundeswehr durch Eurofighter-Maschinen zu ersetzen, wackelt plötzlich: Im Verteidigungsministerium in Berlin wird nach Schilderung Pretzls derzeit auch diskutiert, das amerikanische Kampfflugzeug F18 statt des Eurofighters als Ersatz für die Tornados zu kaufen. Eine Rolle könnte Insidern zufolge dabei die Übergabe des Ministeramts von Ursula von der Leyen an Annegret Kramp-Karrenbauer spielen.

Für Pretzl ist das Airbus-Sparprogramm ein Zeichen an die Politik

Die Folgen der Entscheidung wären für Pretzl weitreichend. Es würden dann nicht nur Bestellungen für den Eurofighter fehlen, nachdem es bereits die letzten drei Jahre kaum wesentliche neue Aufträge gab. Es geht um mehr: "Wenn wir den US-Hersteller Boeing mit der F18 in die Bundeswehr hereinlassen, dann wird auch das zukünftige Kampfflugzeug FCAS nicht gebaut werden – und dann ist der Standort Manching obsolet", warnt er. "Wir wären dann nur noch eine Wartungsbude." Der Hintergrund: In Manching sind zahlreiche Ingenieure in der Entwicklung beschäftigt. Die Weiterentwicklung des Eurofighters würde am Standort Kompetenzen für künftige Projekte sichern. Nicht zuletzt deshalb ist dort in den vergangenen Jahren stark investiert worden, es sollten sogar Stellen aufgebaut werden. Daneben findet in Manching auch die Wartung von Eurofighter-Maschinen statt.

Für Pretzl ist das Airbus-Sparprogramm ein Zeichen an die Politik: "Es ist Zeit, die richtigen Entscheidungen für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie zu treffen", sagt er. "Keine Regierung in keinem anderen Land der Erde würde ein fremdes Kampfflugzeug kaufen, wenn es ein eigenes hat", kritisiert er und warnt: "Der Standort Manching, ja die Zukunft der gesamten militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland, entscheidet sich an der Frage, ob die Bundeswehr den Eurofighter oder die F18 als Nachfolger für den Tornado kauft."

Was das Sparprogramm betrifft, berichtet Pretzl, dass die Unternehmensführung von Airbus bisher keine Zahlen auf den Tisch gelegt habe. Welche Standorte oder wie viele Jobs betroffen sein könnten, sei in diesem Stadium bisher unklar. In seinem Brief kündigte Airbus Defence and Space-Chef Hoke allerdings "robuste Maßnahmen" an.

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