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Klimawandel
28.02.2020

Brände, Fluten, Epidemien: Münchener Rück verdient mit Risiken Milliarden

So sah das Wohngebiet Marumori in Japan aus, nachdem der Taifun Hagibis darüber hinweggezogen war. Nach Einschätzung der Münchener Rück war es eine der teuersten Naturkatastrophen im vergangenen Jahr.
Foto: kyodo,dpa

Experten des Konzerns glauben nach jetzigem Stand nicht, dass die Folgen des Corona-Virus zu einer Rezession führen.

„Risikoappetit“ scheint ein widersinniger Begriff zu sein. Wer verspürt schon Hunger nach Gefahren, ja möglichen Schadensfällen? Doch unter Bankern und vor allem Versicherern ist das Wort kein Widerspruch in sich, sondern Teil einer gelebten Risikokultur.

So sprechen die Vorstände der Münchener Rück, auch Munich Re genannt, bei der Bilanzvorlage am Freitag in München immer mal wieder über das Ausmaß und vor allem die Ausgestaltung ihres „Risikoappetits“. Dabei müssen die rund 40.000 Mitarbeiter der Konzerns, der als Versicherer der Versicherer für sich eine weltweit führende Rolle in Anspruch nimmt, ihren Risikoappetit sehr gut im Griff haben. Denn das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2019 einen Gewinn von rund 2,7 Milliarden Euro, während es 2018 noch etwa 2,3 Milliarden Euro waren. Vorstandschef Joachim Wenning freut sich, dass er sein ursprüngliches Ertragsziel für das vergangene Jahr um 200 Millionen Euro übertroffen hat. Der Manager erwartet trotz weltweiter Unwetter-, Brand- und Coronarisiken für dieses Jahr einen auf 2,8 Milliarden Euro ansteigenden Gewinn.

Dass die Mitarbeiter der Münchener Rück, zu der auch die Erstversicherungsgruppe Ergo und die Kapitalanlagegesellschaft Meag gehören, ihr Geschäft beherrschen, lässt sich auch an der traditionell erfreulichen, weil nach oben weisenden Entwicklung der Dividende ablesen. Das Zuckerl für die Anteilseigner soll von ohnehin schon süßen 9,25 Euro auf 9,80 Euro je Papier steigen. Dabei ist die Welt der Münchener Rück alles andere als heil, wie sich zuletzt auch an der Entwicklung des Aktienkurses ablesen lässt. Die Börsennotierung des Unternehmens brach von Spitzenwerten, die Mitte Februar bei über 280 Euro lagen, am Freitag auf zeitweise unter 234 Euro ein. Der Konzern kann sich der wegen der Ausbreitung des Corona-Virus immer übleren Laune vieler Börsianer nicht entziehen.

Ein dreistelliger Millionenbetrag für die Olympischen Spiele

Es wächst die Angst, Länder wie Deutschland könnten im Zuge der Epidemie wirtschaftlich enorme Einbußen erleiden. Bei dem Thema hat die Einschätzung der Münchener-Rück-Experten Gewicht. Finanz-Vorstand Christoph Jurecka versucht jedoch Ruhe in die aufgeregten Diskussionen um die Auswirkungen der Krise zu bringen: „Ich rechne nicht damit, dass es zu einer Rezession kommt.“ Für eine solche weltweite massive konjunkturelle Eintrübung gebe es noch keine Anzeichen, sagt er. Doch die Einschläge kommen näher. Messen wie der Autosalon in Genf, auf dem sich in der kommenden Woche die führenden Branchenvertreter treffen wollten, werden abgesagt. Das weckt wiederum Befürchtungen, auch die Olympischen Spiele in Tokio, die ab 24. Juli stattfinden, könnten trotz aller Beteuerungen der Veranstalter nicht stattfinden. Das würde die Münchener Rück hart treffen, ist das Unternehmen doch mit „einem dreistelligen Millionenbetrag“ bei der Veranstaltung mit von der Partie.

Details über das gewaltige Versicherungs-Engagement wollten die Manager des deutschen Konzerns indes nicht nennen. Sie räumten nur allgemein ein, dass bei manchen Veranstaltungen das Pandemie-Risiko versichert sei, bei anderen wäre das nicht der Fall. In München hieß es nur: „Wir können über Deckungsbedingungen unserer Kunden nicht sprechen.“ Die Manager ließen durchblicken, dass es in Zeiten ohne große Epidemien keine allzu große Nachfrage nach entsprechenden Versicherungslösungen gebe. Einstweilen stellen ohnehin die durch Unwetter verursachten Schäden die Spezialisten vor die größten Herausforderungen. Schwere Taifune in Japan verursachten die höchsten Schäden des vergangenen Jahres. Zwei tropische Wirbelstürme mit den Namen „Hagibis“ und „Faxai“ trafen auf den Großraum Tokio. Hagibis hatte es besonders in sich. Stellenweise fielen vielerorts binnen 24 Stunden 40 Prozent des üblichen Jahresniederschlags. Die beiden Zyklone waren die teuersten Naturkatastrophen des Jahres. Ernst Rauch, Chef-Klimawissenschaftler von Munich Re, erkennt langfristige Trends des Klimawandels: „Insbesondere häufen sich Wirbelstürme mit extremen Niederschlägen.“

Während die „Waldbrandsaison“ in Kalifornien 2019 glimpflicher als in den Vorjahren verlief, tobten die Feuer in Australien besonders heftig. Derlei Risiken müssen die Münchener-Rück-Profis einschätzen, um zu entscheiden, was sie wo versichern. Um dem Klimawandel auch als Finanz-Konzern zu begegnen, kündigt Konzernchef Wenning an, die Kapitalanlagen bis 2050 klimaneutral zu stellen. Damit will die Münchener Rück den Zielen des Pariser Klimagipfels entsprechen, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Kapitalanlagen werden also stärker als bisher darauf abgeklopft, dass sie die Umwelt wenig schädigen. Hier setzt sich die Münchener Rück auf Risiko-Diät.

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