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Augsburg

26.03.2020

Kuka-Chef Mohnen will Jobs in der Corona-Krise sichern

Kuka-Chef Peter Mohnen will trotz der Corona-Krise keine Stellen streichen.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Plus Konzernchef Peter Mohnen versucht, an den 3500 Stellen in Augsburg festzuhalten. Kuka hat bisher noch keine Kurzarbeit in der Corona-Krise beantragt.

Normalerweise sprechen Konzernchefs in Bilanzpressekonferenzen nicht über ihre Familien. Aber was ist heute schon normal. Peter Mohnen, Vorstandsvorsitzender der Kuka AG, sagt am Donnerstag, noch ehe er auf die wieder besseren Geschäftszahlen eingeht: „Ich habe Kinder im schulpflichtigen Alter. Ich weiß, was die Corona-Krise für Familien bedeutet.“ Dann folgt seine Anerkennung für die Leistung der Mitarbeiter. Mohnen, der sonst mit öffentlichen Gefühlsbekundungen eher geizt, schwärmt vom „Kuka-Spirit“ und lobt das besonnene Verhalten der Beschäftigten: „Ich bin stolz, dass die Menschen bei uns zusammenhalten.“ Kuka ist es gelungen, auch in Augsburg die Produktion bisher aufrechtzuerhalten.

Kuka-Mitarbeiter in der Produktion arbeiten mit größerem Abstand

Mitarbeiter in der Roboter-Produktion können in der nun gebotenen deutlich größeren Distanz zu Kollegen weiterarbeiten. Dabei wurden Schichten entzerrt und entsprechende Zeitpuffer eingebaut. Geschäftsleitung und Betriebsrat haben flexible Lösungen gefunden, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen. Kuka-Betriebsratsvorsitzender Armin Kolb sagt unserer Redaktion: „Alle ziehen im Moment an einem Strang.“ Hier schließt er Mohnen ein und attestiert dem Konzernlenker, „zu einem Krisenmanager herangereift zu sein, der soziale Verantwortung übernimmt und immer ein offenes Ohr für die Belange der Beschäftigten hat“. Kolb ist des übermäßigen Lobes für Manager unverdächtig. Er hatte in der Vergangenheit die Unternehmensspitze auch kritisiert, schließlich ging es um den Abbau hunderter Stellen.

 

Einst arbeiteten für Kuka in Augsburg rund 4000 Frauen und Männer, heute sind es noch etwa 3500. Allein durch ein von Mohnen aufgesetztes Effizienzprogramm wurden am schwäbischen Stammsitz 350 Arbeitsplätze bis Ende 2019 gestrichen. Doch nun hat sich der Kuka-Chef zum Ziel gesetzt, während der Corona-Krise die Arbeitsplätze zu erhalten. Mohnen ist also willens, nach Ende des Ausnahmezustands in Augsburg wieder mit 3500 Beschäftigten durchzustarten. Der Manager stellt deshalb klar: „Es sind keine weiteren Job-Maßnahmen geplant.“ Dabei hat Kuka noch nicht Kurzarbeit beantragt. Mohnen räumt ein, dass über das Thema Gespräche geführt würden. Bislang ist die Roboter-Produktion des Augsburger Standortes zu rund 70 Prozent ausgelastet, während das in den chinesischen Werken schon wieder zu etwa 90 Prozent der Fall ist. Der Manager hofft sogar, dass Kuka-Kunden, die jetzt die Produktion runterfahren, für die Zeit nach Corona den Automatisierungsgrad in ihren Fabriken erhöhen. Davon würde Kuka natürlich profitieren. Das Unternehmen hat harte Zeiten hinter sich und bekam früh die weit vor Corona einsetzende Krise der Autoindustrie zu spüren. Mohnen ist indes überzeugt: „Wir sind wieder in der Spur. Wir sind auf einem guten Weg bei Kuka.“

Kuka-Gewinn stieg 2019 im Vergleich zum Vorjahr

Die Geschäftszahlen für das Jahr 2019 belegen das. Aus der Bilanz lässt sich herauslesen, dass sich die Sparmaßnahmen langsam finanziell auszahlen. So stieg der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 34,3 in 2018 auf 47,8 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Nach Steuern verblieb damit ein Überschuss von 17,8 Millionen Euro, während es 2018 noch 16,6 Millionen Euro waren. Kuka ist es trotz eines Umsatzrückgangs von 3,24 auf 3,19 Milliarden Euro gelungen, ein besseres Ergebnis zu erzielen. Gerade in Phasen eines allgemeinen wirtschaftlichen Niedergangs ist eine weitere Kenngröße besonders aussagekräftig, schließlich gibt sie einen Anhaltspunkt, wie finanziell handlungsfähig ein Unternehmen ist. Der magische Wert heißt „Free Cashflow“, auf Deutsch „Freier Kapitalfluss“. Hier gelang es Kuka erstmals seit 2015, mit 20,7 Millionen Euro wieder im positiven Bereich zu landen. Im vergangenen Jahr konnte also der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit abzüglich Investitionen gegenüber 2018 um mehr als 200 Millionen Euro aufpoliert werden. Kuka befindet sich in einer besseren finanziellen Lage. Das wird nach Informationen unserer Redaktion von den chinesischen Midea-Investoren anerkannt. Seitens des Anteilseigners hatte es ja Kritik an Mohnens Vorgänger Till Reuter gegeben, was zu dessen Ablösung geführt hat.

Kuka hat sich durch das Sparen auch den Freiraum für ein kräftiges Investitionsprogramm verschafft. Das Unternehmen will in den kommenden drei Jahren rund 500 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung pumpen. Für Mohnen „ein historischer Betrag“. Der Roboterbauer soll dadurch neue Märkte erobern und stärker in den Bereichen „Software“ und „Digitalisierung“ punkten. „Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, den Hebel für die Zukunft richtig zu stellen“, versichert Mohnen. Dazu gehört für den Manager eben besonders, „die Mannschaft an Bord zu halten“.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Nach der Corona-Krise werden Kuka-Roboter gefragt sein

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