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Augsburg

04.07.2014

Machtkampf um die Weltbild-Zukunft

Die Rettung des Augsburger Weltbild-Verlages schien gut zu laufen. Doch es kam zum Streit. Jetzt ist wieder alles offen.

Noch wollen die Verantwortlichen der Münchner Investmentgesellschaft Paragon nicht aufgeben. Nach wie vor sind sie daran interessiert, den Augsburger Weltbild-Konzern wie versprochen zu 51 Prozent zu übernehmen. Den Rest würde Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz als Sachwalter der Gläubiger managen. Doch inzwischen ist eine zunehmende Frustration aufseiten der Investoren auszumachen.

Die Verhandlungen sind offenbar ins Stocken geraten

Die Verhandlungen über einen Vertrag zum Einstieg bei dem Augsburger Medienhaus sind nach Informationen unserer Zeitung ins Stocken geraten. Mancher Beobachter spricht von einer dramatischen Situation, die sogar zu einem Scheitern der Gespräche führen könnte.

Was Betriebsräte und vor allem Mitglieder der Gewerkschaft Verdi erzürnt, ist die Forderung der Paragon-Manager, dass bis zu 250 zusätzliche Arbeitsplätze bei Weltbild wegfallen sollen. Nach dem letzten Stand waren noch rund 1200 Mitarbeiter am Augsburger Stammsitz und etwa 1200 weitere in den Filialen beschäftigt.

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Verdi will den Stellenabbau nicht hinnehmen

Die Gewerkschaft ist, wie es immer wieder hieß, nicht bereit, den Abbau einer dreistelligen Zahl von Stellen hinzunehmen. Andererseits hatte unsere Zeitung noch am 20. Juni berichtet, dass der Weltbild-Betriebsrat Paragon als „alternativlosen“ Investor sehe. Andere Interessenten, so hieß es in einem Papier der Arbeitnehmervertreter, hätten kein Konzept für das Unternehmen als Ganzes oder könnten keine gesicherte Finanzierung vorlegen.

Also alles nur ein Sturm im Wasserglas? Sind die Nerven der Beteiligten überstrapaziert? Daran wollen mit den Vorgängen betraute Personen nicht glauben. Sie sprechen von einem Machtkampf um die Weltbild-Zukunft. Alle Parteien, ob Paragon, Verdi oder Geiwitz, seien an dem zähen Ringen beteiligt. Sie wollten ihre Interessen durchsetzen und so verzögere sich der Abschluss eines Vertrages immer weiter. Der Insolvenzverwalter scheint das zumindest nach außen hin gelassen zu nehmen.

Springt Paragon ab, will Geiwitz Weltbild selbst weiterführen

In einer Pressemitteilung lässt er sich gestern wie folgt zitieren: „Es gehe jetzt weniger darum, maximale Kostenreduktion zu diskutieren, sondern um die Konkretisierung eines gemeinsamen, tragfähigen Zukunftskonzepts für Weltbild.“ Dafür wolle er sich die notwendige Zeit nehmen. Die Äußerungen kann man als Kritik an den Paragon-Forderungen interpretieren. Den Sätzen wohnt vor allem eine Botschaft inne: Geiwitz verspürt keinen Druck. Ein Insider sagt: „Sollte Paragon doch noch abspringen, führt Geiwitz das Unternehmen zunächst selbst weiter.“

Zuletzt hatte sich auch der Eindruck verfestigt, dass der Insolvenzverwalter mit den Verdi-Leuten an einem Strang zieht, während die „Blockadehaltung“ der Gewerkschafter zunehmend an den Nerven der Paragon-Verantwortlichen zehrt. Doch das Spiel geht weiter. Ein Branchenkenner meint: „Der Verhandlungstisch ist verwaist, aber die Türen stehen offen.“

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