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Online-Shopping
23.11.2020

Black Friday: So kann jeder Verpackungsabfall vermeiden

Das bleibt vom Weihnachtsgeschäft: Jeder Bürger verursacht im Durchschnitt pro Jahr 107,7 Kilogramm Verpackungsmüll. Doch immer mehr Händler versuchen gegenzusteuern, indem sie Verpackungen wiederverwenden oder Füllmaterial selbst herstellen. „,Black Friday‘ ist immer auch ein schwarzer Tag für die Umwelt.“
Foto: Robert Kneschke, Adobe Stock

Wegen der Corona-Pandemie bestellen immer mehr Kunden Weihnachtsgeschenke im Internet. Mehr Pakete bedeuten auch mehr Müll. Was man dagegen tun kann.

Beim normalen Einkauf im Supermarkt achten immer mehr Leute darauf, Müll zu vermeiden. Die Gurke? Unverpackt. Der Joghurt? Lieber im Mehrwegbecher. Einkaufstasche aus Plastik? Kommt nicht in die Tüte. Doch beim Online-Kauf scheinen andere Maßstäbe zu gelten: Egal wie klein die bestellte Ware ist, der Karton ist garantiert viel zu groß, alles ist in extra Tütchen gepackt und nicht selten zusätzlich in Luftpolster aus Plastik gewickelt – es soll ja schließlich alles sicher ankommen. Aber muss das wirklich sein?

Wenn dieses Jahr neben der weihnachtlichen Vorfreude auch die Angst vor einer Ansteckung in der Luft liegt, meiden nicht nur Shopping-Muffel die Innenstädte. Wer dennoch Weihnachtsgeschenke besorgen oder am „Black Friday“ in dieser Woche schon Schnäppchen ergattern möchte, wählt meist die bequemste Lösung: im Internet bestellen. Eine Art einzukaufen, die nicht erst seit der Corona-Pandemie im Trend liegt: Zwischen 2006 und 2017 hat sich der Versandhandelsumsatz fast verdoppelt – der online erwirtschaftete Anteil hat sich sogar mehr als vervierfacht. Dementsprechend schnell steigt die Anzahl der Sendungen, und damit auch der Verpackungen, die in den meisten Fällen im Müll landen.

Die Gleichung "Online-Einkauf verursacht Verpackungsmüll ist daher umweltschädlich" geht nicht auf

2018 fielen laut dem Umweltbundesamt insgesamt 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an. Private Endverbraucher sind für rund die Hälfte davon verantwortlich.
Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Der Abfall aus dem Versandhandel ist ein Grund – neben den Trends zu kleineren Portionen oder „To-Go“ – warum der Verpackungsmüll in Deutschland immer mehr wird. 2018 fielen laut dem Umweltbundesamt insgesamt 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an. Private Endverbraucher sind für rund die Hälfte davon verantwortlich; im Schnitt verursachte jeder Bürger 107,7 Kilogramm Verpackungsmüll.

Doch es ist nicht nur das massenhafte Verschicken bestellter Waren, die den Müllberg auftürmt. Die vermeintlich einfache Gleichung „Online-Einkauf verursacht Verpackungsmüll und ist daher umweltschädlich“, geht jedenfalls nicht auf. Tatsächlich schneidet laut Sonia Grimminger vom Umweltbundesamt der Online-Handel in der Klimabilanz sogar häufig besser ab als der stationäre Handel, wenn es etwa um den Transport geht: Wenn jeder selbst mit dem Auto zum Einkaufen fährt, ist das schlechter für die Umwelt, als ein Wagen vom Paketdienst, der viele Haushalte beliefert.

Die meisten CO2-Emissionen entstehen allerdings bei der Herstellung von Produkten. Je nach Ware ist anschließend zudem die Nutzungsphase mit weiteren Emissionen durch Energieverbräuche verbunden. Beim stationären Handel muss unter Umweltgesichtspunkten auch der Energieverbrauch der Märkte berücksichtigt werden. Im Online-Handel dagegen fallen eben vor allem die Verpackungen und die Auslieferung ins Gewicht. Was also tun in Hinblick auf die anstehenden „Shoppingfeiertage“?

Bettina Hoffmann (Grüne): "Black Friday ist immer auch ein schwarzer Tag für die Umwelt"

„,Black Friday‘ ist immer auch ein schwarzer Tag für die Umwelt“, sagt Bettina Hoffmann, Sprecherin für Umweltpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. Viele Elektrogeräte würden durch vermeintliche Schnäppchen ersetzt, verstauben ungenutzt zu Hause oder landen auf dem Schrott, kritisiert Hoffmann. Auch im Modebereich werden viele Teile nur einmal oder sogar nie getragen. „Wir müssen uns klarmachen, dass wir mit diesem Überkonsum die Klimakrise anheizen und viele wertvolle Naturschätze zerstören“, sagt die Grünen-Politikerin. Gleichzeitig sieht sie die Verantwortung vor allem bei den Herstellern, den Einzelhändlern und der Politik. Es brauche klare gesetzliche Vorgaben, damit Produkte möglichst sparsam eingepackt werden und Verpackungen mehrfach verwendbar oder komplett recycelbar sind.

Das Verpackungsgesetz will die Kosten fürs Recycling von Verpackungsmüll fairer verteilen.
Foto: Martin Schutt, dpa

Ein erster Schritt dahin ist das Verpackungsgesetz, das 2019 in Kraft getreten ist. Es zieht Hersteller und Vertreiber in finanzielle Verantwortung für den Abfall, den ihr Produkt verursacht und schafft somit Anreiz, Verpackungsmüll zu vermeiden. Dennoch ist es für viele Versandhändler immer noch günstiger auf Verpackungen in Einheitsgrößen zu setzen, anstatt die Paketgröße speziell den Waren anzupassen und damit Material zu sparen.

Es gibt aber auch schon Unternehmen, die umdenken. Erste Versandhändler probieren etwa Mehrwegsysteme mit wiederverwendbaren Versandtaschen aus. Diese bestehen oft aus recyceltem Kunststoff und können von den Verbrauchern mit einem Rücksendeaufkleber wieder bei der Post abgeben werden. Zurück im Retourenbetrieb, werden die Tüten gesammelt, aufbereitet und desinfiziert und können dann weiterverwendet werden. Andere Online-Händler stellen ihr Füllmaterial selbst her, sagt Carolina Schweig, Diplom-Ingenieurin für Papier- und Kunststoffverarbeitung. Dazu eignen sich etwa gebrauchte Kartonagen von Lieferanten oder aus dem Wareneingang, die zu papierbasierten Verpackungspolstern verarbeitet werden können. Das bietet nicht nur ökologische Vorteile, sondern ist letztlich auch für die Händler attraktiv, da kaum noch Fremdmaterial zugekauft werden muss, erklärt die Verpackungsexpertin.

Weniger Verpackungsmüll an Black-Friday: Gebündelt bestellen

Ein Weg den Online-Einkauf nachhaltig zu gestalten, ist daher, sich vorab über die Versandmöglichkeiten zu informieren oder zumindest im Nachhinein dem Händler Rückmeldung beispielsweise zur zu großen Verpackung zu geben. Außerdem macht es Sinn, gebündelt zu bestellen, sodass nicht jedes Produkt einzeln verschickt werden muss. Noch wichtiger ist aber, was und wie viel man kauft. Katharina Istel vom Naturschutzbund sagt, man solle sich vor jedem Kauf fragen, ob man das Produkt tatsächlich brauche. Auch der 20. Pulli aus Bio-Baumwolle habe nichts mehr mit Umweltschutz zu tun.

Wie beim Einkauf im Supermarkt gehe es also darum, Verpackungsmüll zu vermeiden. Denn das Paket aus Karton, ist auch nicht viel besser als die Plastiktüte im Einzelhandel. „Papier hat ein viel zu gutes Image in der Öffentlichkeit“, sagt Naturschutzbund-Sprecherin Istel. Dabei sei die Papierherstellung extrem energieintensiv und es kämen zahlreiche Chemikalien zum Einsatz.

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24.11.2020

"Black Friday" als Konsum-Anreiz zu benutzen reflektiert unsere schwachsinnige Gesellschaft.

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