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Schwabmünchen

07.11.2017

Osram stärkt Werk in Schwabmünchen

In Schwabmünchen bei Augsburg ist bisher die Produktion von Draht für traditionelle Glühlampen das Hauptgeschäft.
Bild: Rene Ruprecht, dpa (Archivbild)

Osram investiert kräftig in Zukunftsfelder, ob in Bayern, Malaysia oder China. Die Beschäftigten des früheren Augsburger Konzern-Standorts werden das mit Wehmut sehen.

Der Münchner Licht-Konzern Osram hat sich zwar von seinem Augsburger Werk getrennt, setzt aber voll auf die Fabrik in Schwabmünchen bei Augsburg. Das sagte Osram-Chef Olaf Berlien am Dienstag in München gegenüber unserer Zeitung. „Wir bauen Schwabmünchen zu einem Hightech-Standort aus“, kündigte er an. So werde die Zahl der Beschäftigten dort von zuletzt 330 erhöht. Wie viele zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, verriet der Osram-Boss noch nicht.

Doch so viel ist bekannt: In Schwabmünchen werden bisher Vorprodukte für überwiegend klassische Licht-Lösungen wie etwa Leuchtstoffröhren hergestellt. Solche Produkte laufen aus. Der technologische Wandel in der Branche ist rasant. Er schreitet noch schneller voran, als sich das Experten vor einigen Jahren ausgemalt hatten.

So werden künftig in Schwabmünchen in einem Reinraum Beschichtungen für LED-Chips gefertigt. Solche langlebigen und Energie einsparenden Leuchtdioden haben sich durchgesetzt und werden in den kommenden Jahren den Lichtmarkt immer stärker dominieren. Berlien erwartet einen LED-Boom: Während heute noch von 100 Millionen neuen Autos rund 80 Prozent mit klassischer Beleuchtung wie Halogen-Lampen ausgestattet seien, werde bereits 2025 jedes zweite Neufahrzeug mit LEDs bestückt sein. Osram ist weltweit die Nummer eins in der Autobeleuchtung und will stark vom Trend hin zum autonomen Fahren profitieren. Auch in vielen Smartphones stecken reichlich Osram-Leuchtdioden.

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Das deutsche LED-Zentrum des Konzerns liegt in Regensburg. Dort arbeiten in der Chip-Fertigung rund 2500 Mitarbeiter. Im Februar war bekannt geworden, dass Osram bis zu 1000 neue Stellen für den Standort plant. Auch ein Werk in China werde massiv ausgebaut. Hinzu kommt eine neue Chip-Fabrik in Malaysia, die in wenigen Wochen in Betrieb gehen soll. Osram entwickelt sich also, wie Berlien immer wieder betont, zu einem Hochtechnologie-Anbieter, selbst wenn dem Unternehmen bis heute hartnäckig das Glühlampen-Image anhaftet. Von diesem Hightech-Trend profitiert auch das Werk in Schwabmünchen als zweiter, jedoch deutlich kleinerer Osram-LED-Standort im Freistaat. Heute werden in Schwabmünchen noch Leuchtstoffe, Drähte für Glühwendel und im kleinen Umfang schon Phosphor-Beschichtungen für LEDs hergestellt.

In der Osram-Welt wird Schwabmünchen also zum kleinen Regensburg – eine Entwicklung, die vor Jahren nicht vorauszusehen war.

Früher hatten die Beschäftigten in Augsburg große Träume

Die Pointe an der erstaunlichen Geschichte ist: Genau dem Traum, eben der kleinere Bruder des Regensburger Super-Werks zu werden, hingen Beschäftigte des früheren Augsburger Osram-Standortes lange nach. Doch dort blieb es bei der Produktion von klassischen Produkten wie Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen. Über die Jahre hinweg fielen hunderte Arbeitsplätze weg. Denn neue Produkte blieben trotz innovativer Ideen aus dem Mitarbeiterkreis aus.

Alle Bemühungen, auch von Politikern und Gewerkschaftern, nutzten nichts: Osram verkaufte auch das Augsburger Werk an chinesische Investoren. Heute firmiert die Ex-Osram-Sparte unter dem Namen „Ledvance“. Für die Firma arbeiten in Augsburg noch etwa 650 Frauen und Männer. Manche von ihnen werden es mit Wehmut sehen, dass der Standort in Schwabmünchen eine größere Bedeutung im Osram-Konzern hat. Die Aktiengesellschaft befindet sich wirtschaftlich in guter Verfassung. So lag das operative Ergebnis 2017 bei 695 Millionen Euro, ein Plus von 43 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen deswegen mit 1,10 Euro pro Wertpapier eine um zehn Prozent höhere Dividende erhalten.

Dabei geht der Osram-Chef neue Wege. Berlien brachte ein Gemeinschafts-Unternehmen mit Continental auf den Weg, das mit 1500 Mitarbeitern neue Licht-Konzepte für die Autoindustrie austüfteln soll. Hier versuchen also zwei deutsche Vorzeige-Firmen durch einen Schulterschluss noch stärker vom LED-Trend in der Autoindustrie zu profitieren.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Osram kann auch ohne den Mutterkonzern Siemens

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