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Luftfahrt

16.05.2018

Wie sich Airbus und Boeing das Leben schwer machen

Die Baureihe 737 Max von Boeing ist deutlich kleiner als die Riesenflugzeuge und schafft dennoch Strecken von Europa über den Atlantik - so werden ganz neue Routen möglich, die sich von der Auslastung her mit großen Maschinen nicht lohnen. Foto: Matthew Thompson/Boeing/dpa
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Boeing und Airbus liegen im Clinch: Sie werfen sich gegenseitige unfaire staatliche Subventionierung vor.
Bild: Matthew Thompson, Boeing, dpa

Die beiden Flugzeugbauer werfen sich schon lange gegenseitig vor, massiv von staatlichen Subventionen zu profitieren. Szenen einer bizarren Auseinandersetzung.

yManche Streitereien sind derart alt, dass Beteiligte nicht mehr genau wissen, wann das Fass zum Überlaufen kam, und Heerscharen von Juristen einen auskömmlichen Erwerb fanden. Die Fehde zwischen Boeing und Airbus reicht ewig zurück. Wer den Zeitpunkt vernehmbarer Zornesausbrüche eingrenzen will, landet bei der Jahrtausendwende.

Damals wurde offenbar, dass der einst von den Amerikanern unterschätzte europäische Flugzeugbauer Airbus Boeing ebenbürtig wird, ja abzuheben scheint. So begab es sich Ende 2000, dass ein in Deutschland geschätzter US-Präsident namens Bill Clinton verbal in einer Weise gegenüber Airbus aufrüstete, wie es heute ruppige Normalität unter dem Amtsinhaber Donald Trump ist.

Bill Clinton beschwor einen Handelskrieg, als Airbus die Vormacht des Boeing-Konzerns gefährdete

Als verlässlicher Ober-Boeing-Lobbyist warnte Clinton die EU vor „dem schwersten Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft“. Hintergrund seiner rüden Worte war die Absicht von Airbus, mit dem riesigen, doppelstöckigen Großraumflugzeug A380 die Vormacht der Amerikaner bei den zivilen Riesen-Jets zu brechen, also der Boeing 747 Konkurrenz zu machen.

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Was Clinton so ungehemmt trumphaft werden ließ, war der Umstand, wie die europäischen Airbus-Nationen, also auch Deutschland, das Projekt eines Mega-Jets mit Milliarden kräftig Auftrieb gaben. Dabei verschwieg der US-Präsident wie heute Boeing-Manager aber, dass die Amerikaner ihren Flugzeughersteller von jeher mit Steuervergünstigungen und Quer-Subventionen vom militärischen in den zivilen Bereich nicht minder milliardenschwer verhätscheln.

Das Fass zum Überlaufen hat das Jahr 2003 gebracht, als Airbus erstmals mehr Flugzeuge als Boeing ausliefern konnte. Nun schwoll den Amerikanern endgültig der Kamm, was verständlich ist. Denn die Deutschen bauten nicht nur die gefragteren Autos, sondern auch noch als Teil von Airbus mit den Franzosen zusammen die begehrteren Flugzeuge.

Airbus sei nur dank Staatsgeldern zu einem so großen Unternehmen geworden

Weil oft nicht sein darf, was eben so ist, versuchten Juristen die alte Boeing-Übermacht wiederherzustellen. Airbus sollte als Emporkömmling entlarvt werden, der nur mit Staatsknete den US-Konzern in die Knie zwingen konnte. Da mag es aus europäischer Perspektive eine amüsante Randnotiz sein, dass es der Sohn des deutschen Auswanderers Wilhelm Böing war, der 1916 in den USA den Grundstein für den Riesen Boeing legte.

Weil sich Amerikaner wie Deutsche juristisch nichts schenken, dauerte es 14 Jahre, bis ein Schiedsgericht der Welthandelsorganisation WTO in letzter Instanz finanzielle Förderpraktiken für Airbus als illegal einstufte. Boeing-Chef Dennis A. Muilenburg triumphiert: „Illegale Subventionen werden nicht toleriert.“ Er freut sich, dass die Europäer für unzulässige Beihilfen von gut 22 Milliarden Dollar milliardenschwer abgestraft würden.

Und Airbus-Chef Tom Enders? Der freut sich ebenso über die WTO-Entscheidung. Wie das? Die Begründung des Managers dafür lautet: „Das Ergebnis ist offenkundig. Airbus zahlt die gewährten Darlehen zurück. Boeing hingegen zahlt nichts zurück und liegt weiterhin dem US-Steuerzahler auf der Tasche.“ Dass Enders entspannt wirkt, geht darauf zurück, dass eine zweite WTO-Entscheidung erst in der zweiten Jahreshälfte fällt. Branchenkenner rechnen hier mit einer bösen Subventionsklatsche für Boeing. Damit stünde es 1:1 gegenüber Airbus. Und wann und ob einer der beiden Konzerne eine Strafe zahlen muss, ist noch unklar.

Experten haben genug von dem Dauerkrach der beiden Flugzeugbauer

Deutschlands bekanntester Luftfahrt-Journalist Andreas Spaeth ist des Dauerkrachs der Konzerne überdrüssig: „Das ist wie eine zähe Masse, die durch ein Rohr geschoben wird.“ Es handele sich um Scheingefechte, sicherten doch Amerikaner wie Europäer ihre Luftfahrtindustrie finanziell ab. Unserer Zeitung sagt er noch: „Beide Seiten sollten das Schattenboxen sein lassen.“ Spaeth sowie der bei der Gewerkschaft IG Metall für die Luftfahrt zuständige Vorstand Jürgen Kerner sind sich sicher, das Subventions-Hickhack habe derzeit keine Auswirkungen auf Ticket-preise für Flüge oder die Airbus-Beschäftigten in Deutschland.

Noch können die tausenden Mitarbeiter des Flugzeugbauers – ob in Augsburg oder Donauwörth – den Subventions-Clinch gelassen sehen. Das werde sich rasch ändern, warnen beide Experten, wenn Trump das Thema in einem möglichen Handelskrieg mit der EU aufgreift. Dann würde die zähe Masse flüssiger. Eine Eskalation des Kampfes zwischen Boeing und Airbus könnte die Chinesen amüsieren. Denn Peking unterstützt den Aufbau des Flugzeugbaus mit Unsummen.

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