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Klimaschutz
05.07.2022

Beton ohne Zement: Der Baustoff der Zukunft?

Beton ohne Zement – davon würde das Klima profitieren, weil bei der Produktion deutliche weniger CO2 ausgestoßen wird.
Foto: next.beton

Zement ist ein altes Bindemittel, aber seine Herstellung ist klimaschädlich. Pro Jahr fallen dafür Milliarden Tonnen von Kohlenstoffdioxid an. Ein neues Produkt könnte helfen.

Zement ist ein uraltes und bewährtes Bindemittel. Trotzdem ist sein Einsatz problematisch. Denn bei seiner Herstellung entsteht viel klimaschädliches Kohlenstoffdioxid: Pro Jahr werden mindestens drei Milliarden Tonnen – das entspricht sechs bis acht Prozent des jährlichen Gesamtausstoßes – davon in die Luft gepumpt. Die Zementindustrie zählt zu den Hauptverursachern von Treibhausgasen.

Auf der Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft (IFAT) in München wurde zuletzt ein Beton vorgestellt, der zu hundert Prozent ohne Zement auskommen und diesen, bei gleicher Festigkeit, sogar noch übertreffen soll, wie es heißt. Der Name: next.beton. Produziert von den drei Beton-Spezialisten Berding Beton aus Niedersachsen, Finger Baustoffe aus Hessen und der Röser Unternehmensgruppe mit Sitz in Baden-Württemberg. next.beton spart pro Kubikmeter 250 Kilogramm CO2 ein. Und das sei – den Unternehmensangaben zufolge – nicht der einzige Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Zement.

CO2-Ersparnis für Abfallsystem aus neuem Beton: bis zu 70 Prozent

Denn die Kanalsysteme, für die next.beton vorgesehen ist, weisen den weiteren Angaben zufolge zudem eine maximale chemische Beständigkeit auf, sodass keine zusätzlichen Beschichtungen nötig sind. Denn der Beton der Zukunft enthält keinen Kalk, der sich bei Kontakt mit Säure auflösen kann. Heißt: Der Baustoff soll gegen chemische Angriffe – und gegen Hitze und Brand – beständig sein. Besonders geeignet soll er für Schmutzwassersysteme sein, auch für die Industrie. Die C02-Ersparnis für diese Systeme: bis zu 70 Prozent.

Möglich macht diesen widerstandsfähigen zementfreien Beton das sogenannte „Geopolymer EFC“, das – nach Unternehmensangaben – aus der „chemischen Aktivierung“ von zwei Industrieabfällen entsteht. Zum Beispiel Hochofenschlacke und Flugasche.

Massenproduktion von Röser, Berding und Finger soll noch dieses Jahr beginnen

Die Geschichte dahinter geht so: Erste Publikationen zum Thema Geopolymere erschienen bereits in den 70ern. Erstmals wurden sie in Osteuropa und Russland industriell eingesetzt, dann in den 90ern in größerem Umfang im Tief- und Straßenbau von dem amerikanischen Zementhersteller Lone Star Industries. 2004 entwickelte das australische Unternehmen Wagners das „Wagners EFC“ (Earth Friendly Concrete) und erzielte damit den Durchbruch. Beim Bau des Flughafens Brisbane West Wellcamp konnten den weiteren Angaben zufolge somit etwa rund 8.800 Tonnen CO2 eingespart werden. Und Wagners erregten internationale Aufmerksamkeit.

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Günter Röser und seine Söhne setzten sich dann 2020 zum Ziel in Kooperation mit Berding und Finger, ein klimafreundliches Betonkanalsystem zu entwickeln. Im November 2021 wurden Produktionsdaten und Musterstücke beim Deutschen Institut für Bautechnik eingereicht. Die Zulassung wird noch für dieses Jahr erwartet.

Im Laufe dieses Jahres soll next.beton dann in die Massenfertigung gehen.

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