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Wetter
29.03.2017

Frühlingsgefühle? Wie der Frühling unsere Stimmung verändert

Der Frühling lässt grüßen: Liegen, Sonnenbrille auf und einfach nur genießen.
Foto:  Roland Weihrauch (dpa)

Raus ins Freie, die Sonne genießen, Freunde treffen: Viele von uns sind zurzeit so aktiv wie selten. Sind die Frühlingsgefühle am Werk? Zwei Experten klären auf.

Lauer Wind, blauer Himmel und Sonnenschein: Der Frühling zeigt sich diese Tage von seiner besten Seite. Und es wird noch besser. Am Freitag sollen die Temperaturen in der Region sogar auf bis zu 22 Grad klettern. Das treibt die Menschen ins Freie. So viele luftige Kleider und fröhliche Gesichter wie in den vergangenen Tagen gab es in den Innenstädten von Augsburg und Neu-Ulm, Donauwörth und Füssen dieses Jahr noch nicht. Steckt hinter der neu erwachenden Lebensfreude der Menschen das warme Wetter?

Licht macht glücklich

„Höhere Temperaturen sind nicht Auslöser für bessere Stimmung“, sagt Helmut Schatz, Hormonforscher von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Entscheidend sei etwas anderes. „Durch die zunehmende Lichteinwirkung über das Auge in der Zirbeldrüse im Gehirn wird das Schlafhormon Melatonin reduziert“, erklärt der 79-jährige Bochumer. Zugleich steige der Spiegel der Glückshormone Dopamin und Serotonin an. Dadurch fühle man sich aktiver und wacher, erläutert der Forscher. Sind Frühlingsgefühle also nur die Folge hormoneller Wechselspiele?

Nein, sagt Schatz. Auch psychologische Faktoren regten Frühlingsgefühle an. Zum Beispiel spielten das Gefühl, vor einem Neubeginn zu stehen, und der Geruch eine große Rolle. „Wir riechen, dass der Frühling wieder kommt, wenn wir den erdigen Duft eines frischen Bodens in der Nase haben“, schildert er. Die Stimmung werde dadurch gleich besser.

Menschen reagierten unterschiedlich auf den Frühling, sagt Psychologin Julia Scharnhorst. „Bei den meisten verbessert sich tatsächlich die Stimmung. Sie sind munterer und energiegeladener, andere dagegen kommen auch mit wenig Sonnenlicht gut zurecht und mögen es im Kühlen.“ Besonders starke Frühlingsgefühle kämen bei Menschen auf, die im Winter nicht mehr aus dem Haus gehen wollten und bedrückt bis regelrecht depressiv seien. „Sie genießen es umso mehr, wenn die Tage länger und Nächte kürzer werden“, sagt die 56-Jährige. Wer dagegen auch im Winter oft im Freien gewesen sei und viel Tageslicht aufgesaugt habe, der spüre weniger starke Stimmungsschwankungen.

Sommerzeit zeigt ihre gute Seite

Das aktuelle Hochdruckgebiet schenkt Deutschland nicht nur viel Sonnenschein, es legte sich auch just zu dem Zeitpunkt über Europa, als dort die Uhren umgestellt wurden. Seit Sonntag wird es eine Stunde später dunkel. Heute beispielsweise geht die Sonne in der Region erst um etwa 19.45 Uhr unter. Und bis Juni werden die Tage Minute um Minute länger. Viele Menschen nutzten das aus, sagt Scharnhorst. „Sie genießen ihren Feierabend mehr, gehen nach der Arbeit noch einmal raus und treffen sich mit anderen. Da steigt die Stimmung.“

Ohnehin eigne sich die Frühlingszeit herausragend, um neue Kontakte zu knüpfen. „Wer mehr unterwegs ist, lernt mehr Leute kennen“, sagt Scharnhorst „Im Winter tun wir uns schwerer, andere Menschen einzuschätzen. Mützen, Schals und dicke Jacken erschweren uns den Blick für Mimik, Gestik und Körperhaltung unseres Gegenübers.“ Ganz anders sei das im Frühling, wenn die Kleidung leichter und luftiger werde. „Das erleichtert uns den Umgang mit anderen Menschen wesentlich“, erläutert Scharnhorst. Doch hilft das auch der Liebe?

Dating-Plattformen verzeichnen in der Frühjahrszeit deutlich mehr Registrierungen als im Winter. Auch im direkten Umgang nähmen sexuelle Reize zu, sagt Scharnhorst. „Durch das Tragen von leichteren und knapperen Kleidern sehen wir mehr von uns Menschen. Dadurch nehmen wir auch stärker erotische Signale wahr“, erklärt die Gesundheitspsychologin.

Wozu sind die Frühlingsgefühle also gut? Scharnhorst rät: „Am besten ist es, rauszugehen und sehr aktiv zu sein. Das hilft sowohl der Gesundheit als auch der Psyche.“

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