Mittwoch, 24. September 2014

26. Januar 2014 07:02 Uhr

Pöttmes/Augsburg

Millionenbetrug nach Weigl-Insolvenz?

Die Staatsanwaltschaft hat den Gründer des früheren Automobilzulieferers Weigl aus Pöttmes wegen Bankrotts und Betrugs angeklagt. Es gibt fünf weitere Beschuldigte.

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In dieser Halle in Pöttmes produzierte früher der Automobilzulieferer Weigl. Die Halle wurde zunächst zwangsversteigert und ist inzwischen an einen Aichacher Unternehmer verkauft.
Foto: Archivfoto: Erich Echter

Es geht um zweistellige Millionensummen, undurchsichtige Geschäfte und die zerplatzten Träume eines Autoverrückten aus Klingsmoos (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen). Was mit einem kleinen Automobilzuliefererbetrieb in Pöttmes begann und später zu einer in Ostdeutschland und international tätigen Firmengruppe mit Kunden wie BMW, Audi, DaimlerChrysler und MAN heranwuchs, könnte Firmengründer Franz-Josef Weigl nun für längere Zeit hinter Gitter bringen. Am Freitag hat die Staatsanwaltschaft Augsburg Anklage gegen ihn und fünf weitere Beschuldigte erhoben – darunter Familienmitglieder von Weigl und sein Geschäftspartner Rudi Eitelhuber aus Pöttmes.

Weigl wird Millionenbetrug vorgeworfen

Weigl soll im Zuge der Insolvenz seiner Unternehmen, die insgesamt zeitweise 1200 Mitarbeiter und einen Rekordjahresumsatz von 150 Millionen Euro hatten, um Millionensummen betrogen haben. Konkret geht es um drei Fälle des Bankrotts in Höhe von 36 Millionen Euro, neun Fälle des Subventionsbetrugs von 2,8 Millionen und gemeinschaftlichen Betrug um 500000 Euro – allesamt in besonders schwerem Fall. Zudem soll Weigl einen Konkursantrag zu spät gestellt und Steuern hinterzogen haben. Zu deren Höhe äußerte sich Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai am Freitag mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht.

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Auch Sohn und Ex-Frau angeklagt

Mit dem 55-jährigen Weigl sind seine Ex-Ehefrau, sein Sohn, sein langjähriger Geschäftspartner und Freund Rudi Eitelhuber aus Pöttmes sowie zwei Rechtsanwälte aus Hamburg angeklagt. Ihnen allen wirft die Staatsanwaltschaft – wenn auch in unterschiedlich starker Beteiligung – Beihilfe zum Bankrott und Schuldnerbegünstigung vor.

Weigl, sein Sohn, seine Ex-Ehefrau und Rudi Eitelhuber waren am 16. Juli vergangenen Jahres verhaftet worden (wir berichteten exklusiv). Im Zuge einer bundesweiten Razzia in 36 Objekten durchsuchten Ermittler die Privat- und Büroräume Eitelhubers im Viertelschlösschen am Pöttmeser Marktplatz. Ebenso Häuser in Augsburg, Hamburg und Berlin – alles Städte mit Bezug zu Weigl, seinen Firmen und Anwälten.

Seit Mitte der 90er Jahre Verlagerung in den Osten

2009 hatte seine Firma ihre Stammproduktion am Galgenfeld in Pöttmes endgültig eingestellt. Schon 2004 hatte er die Verlagerung des Standorts nach Ostdeutschland angekündigt. Als Grund nannte er die hohe Förderung dort. Vorausgegangen war ein heftiger Streit zwischen Firmenleitung sowie Betriebsrat und IG Metall. IG-Metall-Bevollmächtigter Johann Horn bezeichnete Weigl damals als „Investitionshüpfer, der überall schaut, wo er Geld abzocken kann“. Seit Mitte der 90er Jahre hatte Weigl seine Werke in Ostdeutschland aufgebaut.

Einige der Gesellschaften gingen später insolvent, andere Teile der Firmengruppe wurden von weiteren Unternehmen übernommen. Ab 2009 kümmerte sich Rudi Eitelhuber nach früheren Angaben als Weigls Geschäftspartner um die finanzielle Sanierung von dessen Firmen. Mittlerweile sind beide laut eigenen Aussagen zerstritten.

Ermittler bissen sich an Firmengeflecht die Zähne aus

An dem komplexen Firmengeflecht, das Weigl überwiegend in Berlin und Sachsen geschaffen hatte, bissen sich die Ermittler lange die Zähne aus. Über zwei Jahre brauchten sie, um den Ungereimtheiten auf den Grund zu gehen, die 2011 bei einer routinemäßigen Durchsicht von Insolvenz-Akten aufgekommen waren. Wie verworren die Geschäftsstrukturen sind, zeigt der Umfang der Anklageschrift: 50 Seiten ist sie lang.

Sollte die Anklage zugelassen werden, könnte es in wenigen Monaten zum Prozess an der Wirtschaftskammer des Landgerichts Augsburg kommen. Weigl droht eine Haftstrafe. Er und sein Sohn sitzen seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft – in getrennten Gefängnissen, um Absprachen zu verhindern. Weigls Ex-Ehefrau und Eitelhuber kamen in den Monaten nach ihrer Festnahme im Juli wieder auf freien Fuß.

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