Mittwoch, 20. September 2017

08. Januar 2016 14:03 Uhr

Merching

An der Lechstaustufe 23 müssen Segler den Fischen weichen

Der Stromkonzern Eon baut an der Lechstaufstufe 23 mit Millionenaufwand eine Fischtreppe. Die Wassersportvereine werden umgesiedelt. Autofahrer werden im Sommer ausweichen müssen.

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Der Mandichosee ist auch bei Wassersportlern sehr beliebt. (Archiv)
Foto: Richard Remberger

Im Segler- und Surferparadies Mandichosee südlich von Augsburg herrscht normalerweise Winterruhe. Bei erträglichen Temperaturen und gutem Wind wagen sich dort höchstens ein paar Hartgesottene aufs Wasser. Und jetzt ist es noch schwieriger: Der Wasserstand in der Lechstaustufe 23 ist extrem abgesenkt für den Bau einer Fischtreppe.

Die industrielle Stromgewinnung am Lech hat in den letzten 38 Jahren den Fischbestand vor allem in seiner Vielfalt drastisch reduziert. Es fehlt die Durchlässigkeit zwischen den Staustufen: Die Fische können nicht wandern. Diese Wanderung soll wieder ermöglicht werden. Für die Erfüllung dieser Naturschutz-Auflage wird der Stromkonzern Eon über zwei Millionen Euro ausgeben. Autofahrer, die den Lech zwischen Mering und Königsbrunn passieren, können am Flussufer nördlich der Brücke nicht übersehen, dass die Arbeiten begonnen haben.

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Verbindungsstraße zwischen Mering und Königsbrunn wird gleich mitsaniert

Die „Fischaufstiegshilfe“ wird vom Fluss aus hochgezogen und an den Umlaufgraben an der Ostseite der Staustufe angebunden. Dazu muss die Staatsstraße 2380 mit einem größeren Rohr unterquert werden – dies erfolgt in den Sommerferien. Und das Staatliche Bauamt „hängt“ sich zeitlich an das Projekt an und saniert die gesamte Verbindungsstraße. Spurrillen, Fahrbahnschäden und Probleme mit der Entwässerung machen dies nötig. Rund eine Million Euro wird investiert. Die Autofahrer, vor allem die Königsbrunner Pendler zu den Meringer Bahnhöfen, müssen sich auf harte Zeiten einstellen, genauer gesagt auf weite(re) Wege: Denn als Umleitungen stehen nur die Lechbrücken in Hochzoll und Lagerlechfeld zur Verfügung.

 

Wegen der Fischtreppe mussten Wassersportler ein neues Grundstück finden

Als Leiterin des Projekts bei Eon wird sich Uta Mentz bis zum Oktober mit den Naturschutz-Baumaßnahmen beschäftigen. Die Rodungsarbeiten sind abgeschlossen, als nächster Schritt werden Schalungen in Beton gegossen. Insgesamt muss für die Fische eine Höhendifferenz von elf Metern überwunden werden: „Dafür schaffen wir neben der Passierbarkeit eine fischgerechte Umgehung von über zwei Kilometern Länge“, so die Ingenieurin. Durch die sogenannte Wasserrahmenrichtlinie ist Eon nicht nur zu einer Umgehung für die Wassertiere verpflichtet. Ein fischgerechter, ökologischer Bau muss ebenfalls gewährleistet werden. Kraftwerksgruppenleiter Johann Sachmann erklärt: „Bei abgesenktem Wasserstand fügen wir Totholzbündel ein, die als Lebensraum und Laichplatz dienen.“ Diese Pakete aus Schnittmaterial unterschiedlichster Stärke bieten den Fischen einen wichtigen Rückzugsraum. In den Entwässerungsgraben sollen etwa 70 Stück eingesetzt werden. Dieser wird als längster Abschnitt der Fischtreppe naturgerecht aufgewertet. Der im Lech heimische Huchen dient dabei als Orientierung für die Planung. Aber auch sonst liegen inzwischen am Seeufer rundum solche Bündel.

Wo früher Container mit Anbauten den Seglern und Wassersportlern einen angenehmen Aufenthalt ermöglichten, ist deshalb jetzt nur noch eine ebene Fläche. Der Seebesitzer hat im August die stillschweigende Duldung der Vereine und Schulen auf dem Areal direkt am Deich auslaufen lassen. Die Fischtreppe macht es nötig, dass der Umlaufgraben ertüchtigt werden muss – und da sind die Bauten im Wege. Auf Anregung von Merchings Bürgermeister Martin Walch wurde aber eine Lösung gefunden: Ein spitz zulaufendes Grundstück nur wenige Meter weiter östlich dient als neue Pachtfläche und Heimstätte für die Wassersportler aus Merching und Königsbrunn. Auch hier wurde schon fleißig gewerkelt. Der erste Hebauf wurde schon gefeiert.

Die Fischtreppe am Mandichosee darf nie trocken werden

Gut hundert Meter südlich von Kiosk und Wasserwachtstation – beide bleiben unverändert – trifft der Spaziergänger am Seeufer derzeit auf einen Bauzaun, der ihm die weitere Passage aus Sicherheitsgründen verbietet. Hier hat die Baufirma ihren zweiten Schwerpunkt: Es muss ein Durchlass im Deich geschaffen werden, der auch bei wechselnden Wasserständen funktioniert. Denn der Mandichosee ist als Ausgleichsspeicher mit Schwellbetrieb konzipiert. Damit kann Strom erzeugt werden zu Zeiten, in denen dieser finanziell am meisten einbringt. Die Fischtreppe darf aber trotzdem nie trocken werden.

Angst vor einem hochmodernen „Betonklotz“, der das Landschaftsbild zerstört, muss man aber nicht haben. Zwar sind die Wege aufgrund der Baumaßnahmen vorübergehend nur eingeschränkt nutzbar. Die Wanderpfade werden sich danach aber attraktiver zeigen – als Gewinn für Mensch und Natur.

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