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Konzentrationslager: Augsburger Sinti und Roma wollen das Schweigen brechen

Konzentrationslager

Augsburger Sinti und Roma wollen das Schweigen brechen

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    Im KZ Dachau wurden Sinti und Roma ermordet. (Symbolbild)
    Im KZ Dachau wurden Sinti und Roma ermordet. (Symbolbild) Foto: Ronald Maior

    Augsburgs Erinnerungskultur hat eine neue Stimme. Im Jahr 2016 gründete neun Mitglieder den Regionalverband der deutschen Sinti und Roma. Jetzt gingen der Verein und seine Vorsitzende Marcella Reinhard erstmals an die Öffentlichkeit. Zusammen mit Oberbürgermeister Kurt Gribl und dem Vorsitzenden des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma, Romani Rose, erinnerte Reinhard in einem Festakt an die während der Herrschaft der Nationalsozialisten ermordeten 500.000 Sinti und Roma.

    Rund 250 Gäste folgten der Einladung in den Oberen Rathausfletz. Etwa die Hälfte von ihnen gehörte der Minderheit der Sinti und Roma an, unter diesen befanden sich auch Zeitzeugen, die verschiedene Konzentrationslager des Nationalsozialismus überlebt hatten.

    Die Eltern der neun Reinhard-Geschwister kehrten als Kinder aus der KZ-Haft zurück, zahlreiche Tanten und Onkel jedoch wurden ermordet. „Wenn wir Kinder das Wort ‚Lager’ hören, spulten sich im Kopf die Schreckenserlebnisse unserer Eltern ab. Ihre Traumata lebten in uns fort“, erzählt Marcella Reinhard. Romani Rosen erklärt das Besondere der Nachkriegs-Situation für die Sinti: „Wir wuchsen im Schatten der Konzentrationslager auf. Aber anders als bei den jüdischen Opfern und ihren Nachfahren gab es für uns keine Anerkennung, keine Aufarbeitung. Wir lebten auch nach dem Krieg am Rand der Gesellschaft.“

    Diskriminierung von Sinti und Roma

    So wie die Reinhards. Auch Marcella verbrachte ihre ersten sechs Lebensjahre bis 1974 im sogenannten Oberhauser Fischerholz und erinnert sich gut, wie sich regelmäßig das Auge des Gesetzes auf den Wagenpark richtete. „Dass alle glaubten, wir stehlen und klauen Kinder, wussten wir. Die Polizei war dauernd bei uns, ob etwas vorgefallen war oder nicht“, so Reinhard.

    Bis in die 1990er Jahre lebten Jenische, Sinti und Roma sowie andere Gruppen in diesem abgelegenen Quartier. Die „Zigeuner“-Diskriminierungen der Nachkriegszeit werden auch ein Arbeitsfeld des Verbandes sein. „Wir wollen aufklären. Unsere Kinder sollen sich bedenkenlos outen können und auf die immer wieder kehrende Frage, ob sie Türken oder Italiener seien, selbstbewusst antworten: Nein, ich bin Sinto oder Sintezza“, erklärt Marcella Reinhard.

    Marcella Reinhard ist Vorsitzende des Regionalverbands der Sinti und Roma.
    Marcella Reinhard ist Vorsitzende des Regionalverbands der Sinti und Roma. Foto: Stefanie Schoene

    Frederika Brand überlebte mehrere Konzentrationslager

    Erstmals berichtete im Augsburger Rathaus auch eine Zeitzeugin der Sinti von ihren Erlebnissen während der Nazizeit. Frederika Brand wurde 1937 in Österreich geboren und überlebte als Kind verschiedene KZs, zuletzt das Lager in Dachau. Ihre Eltern und fünf Geschwister wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

    Das KZ Dachau

    Dachau war das erste große, dauerhaft angelegte KZ der Nazis und wurde zum Modell für die vielen später errichteten Lager. Als Ausbildungsstätte für die Nazi-Schergen war Dachau eine "Schule der Gewalt".

    Schon am 22. März 1933 - wenige Wochen nach dem Machtantritt Adolf Hitlers - wurden dort politische Gegner des NS-Regimes eingesperrt. Später folgten Kriminelle, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie vor allem Juden.

    Im Dachauer KZ und seinen 140 Außenlagern waren von 1933 bis 1945 mehr als 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert.

    Arbeitsfähige Häftlinge wurden als Arbeitssklaven im Straßenbau oder in Kiesgruben eingesetzt, nach Kriegsbeginn vor allem in der Rüstungsindustrie. Die Lagertür mit der Inschrift "Arbeit macht frei" gilt als zynisches Symbol des Leidensweges der Häftlinge.

    Als das Lager am 29. April 1945 von US-Soldaten befreit wurde, lebten mehr als 30.000 Häftlinge aus 31 Nationen in den Baracken.

    Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums waren mindestens 30.000 von der Lagerverwaltung registrierte Gefangene ums Leben gekommen. Die KZ-Gedenkstätte geht von rund 41.500 Ermordeten aus.

    Seit 1969 wohnt sie in Augsburg. Auf dem Podium nach dieser Zeit befragt, reißen ihre Erinnerungen sie fort. Laut verdammt sie Adolf Hitler, Eva Braun, den KZ-Arzt Mengele. Im Publikum ist es still. „Zigeunerpack? Wir sind nicht faul. Das haben wir alles nicht verdient.“ Anhaltender Applaus unter den Zuhörern.

    Gribl erklärt, in Augsburg dürfe es keinen Raum für Diskriminierungen geben und ermutigt die Mitglieder: „Sprechen Sie über Ihre Erfahrungen. Unrecht muss benannt werden, damit es uns berührt.“

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