Freitag, 20. Oktober 2017

21. Juni 2017 00:31 Uhr

Theater

Bilanz einer Ära

Mit welchen Gefühlen das Leitungsteam um Juliane Votteler auf zehn Jahre zurückblickt.

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"Die Weber von Augsburg", "Die Entführung aus dem Serail", "Mahagonny", "Im Dickicht der Städte", "Gärtnerin aus Liebe" – wer durch die Spielzeithefte des Theaters Augsburg aus den vergangenen zehn Jahren blättert, stößt auf fast 300 Inszenierungen, die mal mehr, mal weniger Gesprächsstoff lieferten. "Die Intendantin Juliane Votteler hat dem Theater und der Stadt ihren Stempel aufgedrückt", findet Klaus Vogelgsang, zweiter Vorsitzender der Freunde des Theaters. Bei diesem Unterstützerkreis der Augsburger Bühne waren am Montagabend Juliane Votteler und ihre Spartenleiter Georg Heckel (Oper), Robert Conn (Ballett) und Maria Viktoria Linke (Schauspiel) zu Gast. Alle nehmen sie nun Abschied von Augsburg und ließen die vergangenen zehn Jahre in persönlichen Schlaglichtern Revue passieren.

Überrascht sei sie gewesen, erzählt Juliane Votteler, welcher Widerstand ihr zunächst in der Stadt entgegenschlug. "Ich musste mich erst an die Intensität und Vehemenz gewöhnen, in der einem die Menschen hier entgegentreten", sagt sie. Nach einem halben Jahr sei dann aber "diese großartige Neugier und Leidenschaft" zu spüren gewesen, die die Intendantin bis heute beim Augsburger Publikum spürt. Dies ist auch für Ballettchef Robert Conn ein bleibender Eindruck der vergangenen zehn Jahre. "Deshalb wurde mein Konzept, eine bunte Mischung von Choreografen und Tanzstilen zu zeigen, so gut angenommen." Für Schauspielchefin Maria Viktoria Linke ist diese Offenheit des Publikums ein "großer Luxus" für Theatermacher.

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Spezielle Aspekte der Augsburger Geschichte im Spielplan sichtbar zu machen, sei eines ihrer Ziele gewesen, stellt Juliane Votteler dar. Deshalb nennt sie bei der Frage nach den Stücken, die ihr wichtig waren, neben dem Operngroßprojekt "Intolleranza" aus dem Jahr 2013 vor allem "Die Weber von Augsburg", ein Stationenschauspiel über den Untergang der Textilindustrie in Augsburg mit Premiere im Oktober 2009 auf dem Dierig-Werksgelände. "Die Erfahrungen und die Begegnungen, die ich bei diesem Rechercheprojekt gemacht habe, haben mich sehr berührt und beflügelt", sagt Votteler. Für Georg Heckel, der seit drei Jahren am Theater Opernchef ist, sind "Jenufa", "Die Csardasfürstin" und "Die Gärtnerin aus Liebe" die prägenden Inszenierungen, weil sie die Bandbreite des Opern-Repertoires am Haus zeigen. Schauspielchefin Maria Viktoria Linke, ebenfalls seit drei Jahren am Theater, legt sich auf "Platonow" in der Inszenierung von Christian Weise fest: "Weil hier fast das ganze Ensemble auf der Bühne gestanden ist und die Inszenierung bis in die Details eine sehr hohe Qualität hatte." Für Robert Conn war der Ballettabend "Forsythe, Galili, Volpi" einer der Höhepunkte seiner zehnjährigen Arbeit in Augsburg. Das Stück "Herman Schwerman" des berühmten Choreografen William Forsythe wurde bis dahin weltweit nur von vier Spitzencompagnien getanzt. "Wir waren die fünfte."

"Die waren immer meine ganz große Liebe, weil die Kinder noch so unverstellt reagieren", schwärmt Juliane Votteler und erinnert sich an einen der köstlichsten Momente, die sie bei einer Vorstellung erlebt hat. In "Emil und die Detektive" sang der Titelheld mit Inbrunst, wie lieb er seine Mama habe. "Da hat so ein Knirps in der fünften Reihe die Hände vor die Augen geschlagen und deutlich vernehmlich gesagt: ,Mein Gott, wie peinlich!‘", erzählt sie und muss noch immer lachen.

"Ich habe es mir nicht vorgestellt, wie beherrschend dieses Thema wurde und mit welchen Anfechtungen die Diskussion geführt wurde", nennt Georg Heckel die für ihn überraschendste Erfahrung seiner Augsburger Zeit. "Beglückend" sei es deshalb gewesen, ergänzt Juliane Votteler, weil es viele Unterstützer gab, die sich nicht irremachen ließen in ihrer Überzeugung, wie wichtig das Theater für die Stadtgesellschaft ist.

Erfolgreich habe sie begonnen, erinnert sich die Intendantin, weil sowohl das Ballett "Der Nussknacker" als auch die Oper "Tosca" gelungene Aufführungen waren und das Publikum nach Schließung des Großen Hauses die Schwabenhalle als Aufführungsort gut angenommen habe. "Aber dann wurden wir mittendrin ausgebremst, weil die Martini-Halle nicht für die ganze Spielzeit zur Verfügung stand", stellt sie dar. Auch Robert Conn schildert, wie belastend es gewesen sei, fertig geplante Produktionen wieder neu angehen zu müssen. Maria Viktoria Linke hat durch die besonderen Herausforderungen in dieser letzten Spielzeit aber auch "die Leidenschaft vieler Mitarbeiter kennengelernt, gerade unter diesen Bedingungen gutes Theater zu machen" und denkt dabei vor allem an ihre Inszenierung von "Der jüngste Tag" im Martini-Park. "Es war eine Ersatzspielstätte, aber am Ende konnte man es sich gar nicht mehr an einem anderen Ort vorstellen."

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Ein Artikel von
Birgit Müller-Bardorff

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