Mittwoch, 30. Juli 2014

19. März 2014 12:21 Uhr

Augsburg

Werbeaktion für Mieten bringt Stadt mächtig Ärger ein

Mit einer Zeitungsanzeige will das Wirtschaftsreferat Münchner für einen Umzug nach Augsburg begeistern. Mieterschützer kritisieren die Aktion der Stadt Augsburg.

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Jetzt wissen es also auch die Münchner: Veronika verbringt ihren Feierabend am liebsten auf ihrer Dachterrasse. Und zwar in Augsburg. „Denn diesen Blick über die Dächer der Stadt kann sie sich hier leisten.“ Mit dieser Botschaft, einem dunkelhaarigen Model und der Aussicht auf ein „Wohnungsmarktwunder“ am Lech warb die Stadt Augsburg in München in einer Beilage der Abendzeitung für ihre günstigen Mieten: 35 Prozent niedriger als in der Landeshauptstadt sollen sie sein, hieß es darin.

Man wollte damit „für den Standort werben und Aufmerksamkeit auf Augsburg als attraktiven Lebens- und vor allem Arbeitsort ziehen“, erklärte die Stadt gestern auf Anfrage. Doch inzwischen gibt es mächtig Ärger wegen dieser Marketingaktion. Thomas Weiand vom Mieterverein ist „schockiert“, wie er sagt: „Mit dem Wohnungsmarktwunder Augsburg aktiv zu werben, ist blanker Hohn für die Mieter hier in der Stadt.“ Schließlich seien am Lech die Mieten in den vergangenen Jahren massiv gestiegen: laut Weiand um etwa 15 Prozent. Ein noch stärkerer Zuzug, den die Stadt mit ihrer Aktion befeuere, könnte die Preise weiter nach oben treiben. „Hier wird ganz klar den Vermietern zugearbeitet. Ich habe Zweifel, ob das Aufgabe einer Stadtregierung ist.“

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Eine einmalige Aktion

Zehn Seiten umfasst die Beilage, in der unter anderem Oberbürgermeister Kurt Gribl und Wirtschaftsreferentin Eva Weber zu Wort kommen. Auch das Theater, die Messe und verschiedene Unternehmen präsentieren sich. Nach Auskunft der Stadt habe man lediglich für besagte Anzeige eine „niedrige vierstellige Summe“ zahlen müssen, der Rest des Hefts sei kostenlos gewesen. Die Werbebroschüre, die im Mai erschienen ist, sei eine einmalige Aktion gewesen, betont Pressesprecher Ulrich Müllegger.

Für den SPD-Fraktionschef Stefan Kiefer ist das fast schon zweitrangig: „Dass die Stadt sich keinerlei Gedanken darüber macht, wie sich solche Werbeplakate auf den hiesigen Mietmarkt auswirken, ist ein absolutes Armutszeugnis für die fehlende Abstimmung und Sozialkompetenz innerhalb dieser Stadtregierung.“ Grünen-Vorsitzender Matthias Strobel hatte bereits vergangene Woche auf die seiner Meinung nach deplatzierte Kampagne hingewiesen. Wirtschaftsreferentin Eva Weber, unter deren Regie die Annonce offenbar geschaltet wurde, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Eigentlich will die Stadt derzeit Mietsteigerungen im großen Stil rechtlich unterbinden. Mit einem entsprechenden Antrag an den Freistaat, den OB Gribl per Dringlichkeitsentscheidung veranlasst hat, soll festgeschrieben werden, dass Immobilienbesitzer die Mieten innerhalb von drei Jahren nur um maximal 15 Prozent statt wie bisher um 20 Prozent anheben dürfen.

Dass Gribls Stadtregierung kurz zuvor mit einer Werbeanzeige den Markt weiter befeuert, ist für Mieterschützer Weiend ein „klarer Widerspruch“. Und selbst bei der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus & Grund in Augsburg ist man irritiert: „Warum setzt man die Kappungsgrenze herunter und versucht gleichzeitig an anderer Stelle, die Mieten nach oben zu treiben?“, fragt sich Geschäftsführerin Gabriele Seidenspinner. „Die Stadt widerspricht sich da selbst.“ SPD-Mann Kiefer sieht sogar rechtliche Probleme, die beantragte Kappungsgrenze jetzt überhaupt noch durchzusetzen. Denn rechtlich dürfe die Obergrenze für Mieterhöhungen nur gesenkt werden, wenn die Mietsituation in einer Kommune angespannt ist. „Das stellt diese Kampagne der Stadt Augsburg aber völlig anders dar.“

„Der Zuzug ist für Augsburg wichtig“

Es gibt aber auch Unterstützer für die Aktion: Matthias Maresch zum Beispiel. Er ist Geschäftsführer der tfm Wohnbau, die Immobilien unter anderem im Reese- und Sheridan-Park vertreibt. Dass Augsburg Münchner Mieter gewinnen will, bewertet er positiv. Und das nicht nur, weil es sein Geschäft befeuert, wie er betont: „Der Zuzug ist für Augsburg wichtig. Wenn die Stadt wächst, ist das für alle von Nutzen.“

Bei der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus & Grund hält sich die Begeisterung dagegen in Grenzen. „Augsburg hat so etwas eigentlich nicht nötig“, findet Geschäftsführerin Seidenspinner. Ihr Verband vertritt Häusle- und Wohnungsbesitzer, private Vermieter also, die von einem Zustrom aus München durchaus profitieren könnten. „Mit Sicherheit kurbelt es den Markt an“, sagt Seidenspinner. Doch das betreffe vor allem Immobilienkäufe.

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