Mittwoch, 13. Dezember 2017

07. Dezember 2017 00:04 Uhr

Denksport

„Gehirn wird wie ein Muskel trainiert“

Beim TSV Haunstetten duellierten sich die besten Schachspieler Deutschlands. Ein Gespräch mit Organisator Klaus Michael Bleyer über Vorurteile und das Spielniveau

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Sie haben mit Ihrer Abteilung die deutsche Meisterschaft im Blitzschach ausgerichtet. Zufrieden mit dem Verlauf?

Es ist alles so gelaufen, wie wir uns das gewünscht haben. Schade war lediglich, dass zwei Spieler kurzfristig abgesagt haben. Letztlich haben statt 32 nur 26 Spieler teilgenommen.

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Wie würden Sie das sportliche Niveau ders Turniers einordnen?

Die Qualität war meiner Meinung nach herausragend, das war einer deutschen Meisterschaft absolut würdig. So ein starkes Turnier mit Großmeistern und Internationalen Meistern hatten wir seit 25 Jahren nicht mehr in Augsburg. Gewonnen hat mit Andreas Heimann einer der Favoriten.

Woran machen Sie fest, dass das Niveau so hoch war?

Im Schach werden die Spieler nach Elo-Zahlen eingestuft, vergleichbar mit der Rangliste im Tennis. Entsprechend lässt sich das Turnier einstufen. Wenn nur Spieler teilnehmen, die eine Elo-Zahl von über 2100 haben, spricht man von einem „hochkarätigen“ Turnier. Sieger Andreas Heimann hatte eine Elo-Zahl von 2649, der Weltmeister hat eine 2800. Die Spitzenspieler liegen nicht so weit auseinander.

Wie lief es für die lokalen Teilnehmer?

Armin Wolf ist mit der zweitschlechtesten Elo-Zahl auf Platz 22 gekommen, also schnitt er besser ab als erwartet. Boris Grimberg wurde Zehnter, das ist durchaus respektabel. Anhand der Elo-Zahl 2341 hätte er besser sein können. Er war enttäuscht, weil er einige Partien nicht hätte verlieren müssen. Dem trauert er etwas nach.

Sie wollten Werbung für Ihren Sport machen. Ist Ihnen das gelungen?

Absolut. Hochkarätige Veranstaltungen sind ein Magnet, sie sind Gesprächsthema in der Szene und darüber hinaus. Auch nicht Schachinteressierte steigen so vielleicht in die Materie ein. Ich kann keinen Vergleich ziehen, da wir zuvor noch nie eine deutsche Meisterschaft organisiert haben. Wir haben jedenfalls vom Bundesturnierdirektor Ralph Alt und Spielern Lob bekommen für die gute Organisation.

Manch einer behauptet, Schach sei kein Sport. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

Schach ist durchaus eine Sportart, die den ganzen Körper fordert. Bei einem Blitzturnier macht der Spieler tausende Züge und Berechnungen. Nicht jede Sportart findet in der Bewegung statt, manche sind statisch oder setzten sich mit Maschinen auseinander. Schach ist eine Sportart, die den Kopf fordert und hilft, sich fit zu halten. Es gibt Studien, dass Menschen, die Schach spielen, signifikant weniger an Altersdemenz leiden als Menschen, die nicht Schach spielen. Das Gehirn wird wie ein Muskel trainiert. Jedes Training ist meiner Meinung nach eine sportliche Betätigung.

Vor dem Turnier haben Sie bei den Ein- und Ausgaben eine „schwarze Null“ angestrebt. Ging der Plan auf?

Das ist noch nicht ganz abschätzbar. Ich denke aber ja. Wir hatten für die Spieler Hotelzimmer gebucht, konnten aber nicht alle Zimmer kurzfristig stornieren.

Sie kandidieren im Januar aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Schachabteilungsleiter. In wieweit war die deutsche Meisterschaft für Sie ein krönender Abschluss?

Für mich war es ein bewegender Moment, das Geschehen mitzuverfolgen. Am Anfang stand ein kleiner Gedanke, am Ende dieses Turnier mit hochkarätigem Schach. Das war wirklich toll. Interview: Johannes Graf

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