Mittwoch, 25. Mai 2016

27. April 2014 08:06 Uhr

Erste Hilfe

Als Helfer beim Motorradunfall: Helm ausziehen oder anlassen?

Vor allem bei Motorradunfällen sind viele Menschen unsicher, wie sie sich als Helfer verhalten sollen. Die häufigste Frage lautet: Motorradhelm ausziehen oder anlassen? Von Daniela Deeg

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Erst vor Kurzem kam es bei Nördlingen wieder zu einem schweren Motorradunfall.
Foto: Dieter Mack

Ein verletzter Motorradfahrer liegt verletzt auf der Straße und rührt sich nicht - dieses Szenario ist für Autofahrer ein Albtraum. Denn viele Menschen sind unsicher, wie man einen verunglückten Motorradfahrer richtig versorgt. Muss der Helm abgenommen werden oder lasse ich ihn lieber auf dem Kopf des Gestürzten? Verbunden mit dieser Frage ist die Angst, dem Motorradfahrer noch schlimmere Verletzungen zuzufügen, indem man sich falsch verhält.

Diese Angst sei aber meist unbegründet, sagt Thomas Haugg. Er muss es wissen. Haugg ist Mitglied der Motorradstreife vom Bayerischen Roten Kreuz in der Region um Augsburg. Die Einsatzkräfte der Motorradstreife sind auf der A8 und der B17 häufig die Ersten bei einem Unfall. "Wenn man als Helfer ankommt, hat man so einen Adrenalienschub, dass man automatisch und gut hilft", ist Haugg überzeugt.

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Was mache ich, wenn ich als Ersthelfer zu einem Motorradunfall komme?

Die erste Handlung des Helfers ist immer zu überprüfen, ob der Verletzte bei Bewusstsein ist. Ansprechen und Anfassen ist die Merkformel. Körperkontakt sei wichtig, denn der Helm kann Geräusche dämpfen.

Wann muss ich den Helm abnehmen?

"Wenn der Motorradfahrer bewusstlos ist, muss der Helm immer runter", sagt Haugg. Denn ein Sturz auf den Kopf kann Erbrechen hervorrufen. Um zu verhindern, dass der Verletzte daran erstickt, muss man ihn in die stabile Seitenlage bringen. Dafür muss der Helm herunter. Ebenso wenn er nicht mehr atmet, dann muss ihn der Helfer reanimieren. Dabei gilt immer "Überleben sichern", sagt Haugg. Das Überleben hat die oberste Priorität. Die Gefahr, dass man einem Verletzen eine Querschnittslähmung zufügt, sei relativ gering, so der Motorradsanitäter. "Wir sagen: Entweder hat er schon einen Querschnitt oder nicht". Wenn es zu dieser schlimmen Verletzungen gekommen ist, dann meist schon vorher. Ist der Motorradfahrer bei Bewusstsein, kann er den Helm möglicherweise selbst absetzen.

Wie nehme ich den Helm ab?

Um den Helm abzunehmen, sucht man sich möglichst immer einen zweiten Helfer, empfiehlt Rettungsassistent Haugg. Denn während der eine den Helm vorsichtig vom Kopf zieht, muss der andere den Nacken des Verunglückten stützen. Dafür setzt sich einer hinter den Kopf und der andere neben den Motorradfahrer. Ist der Helm dann herunter, übernimmt der Hintere den Kopf und der Vordere bringt den Verletzten in die stabile Seitenlage oder reanimiert.

Nach welcher Reihenfolge versorge ich den Motorradfahrer?

Logisch vorgehen nach der Devise: Überleben sichern. Atmet er nicht, versorge ich nicht zuerst eine blutende Wunde. "Kommt mir aber bei jeder Druckmassage ein Schwall Blut aus dem Hals entgegen gespritzt, muss ich zuerst diese Wunde versorgen", erklärt Haugg.

Welche sind die häufigsten Verletzungen bei Motorradunfällen?

Das kommt laut Haugg darauf an, wo der Motorradfahrer stürzt, wie schnell er fährt, welche Kleidung er trägt und wie sportlich er ist. Gute Kleidung sei essenziell. Sie kann schlimme Verletzungen verhindern. "70 Prozent der Unfälle passieren innerorts bei 30 bis 50 Stundenkilometer". Doch wenn man dann nur eine kurze Hose trägt, können die Verletzungen trotzdem übel sein. Körperliche Fitness ist für einen Motorradfahrer auch wichtig und kann über den Grad der Versehrtheit entscheiden. Denn umso mehr Muskeln er hat, umso besser kann er sich bei einem Sturz abfangen. Am meisten gefährdet sind laut dem Experten Abschürfungen, Verletzungen an den Beinen, Armen, Handgelenken und an den Schultern.

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