Samstag, 19. August 2017

20. August 2016 06:00 Uhr

Günzburg

Dienste nicht besetzt: Notarztfahrzeug muss oft in der Garage bleiben

Immer häufiger misslingt es, den Mediziner-Dienstplan in Günzburg zu füllen. Die Kassenärztliche Vereinigung beschwichtigt – und will nun doch eine Lösung finden.

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Die Notarztdienste in Günzburg können oft nicht besetzt werden. Das Einsatzfahrzeug (links) muss dann in der Garage bleiben, das Rote Kreuz aber trotzdem einen Mitarbeiter dafür vorhalten.
Foto: Bernhard Weizenegger

Die Lücken im Dienstplan für den Günzburger Notarzt (wir berichteten mehrfach) werden immer größer. Wie unsere Zeitung erfahren hat, sind im August mehrere Schichten bereits unbesetzt geblieben, für einige kommende gibt es bislang ebenfalls keinen Arzt, der zur Verfügung steht. Alexander Faith, Rettungsdienstleiter beim Kreisverband des Roten Kreuzes, bestätigt das. Demnach war am 4. August die Schicht von 19 Uhr am Abend bis 7 Uhr am nächsten Morgen vakant, am 12. und 17. August fand sich sogar für jeweils 24 Stunden kein Notarzt. Und am vergangenen Donnerstag klaffte eine Lücke zwischen 16 und 19 Uhr. Für mehrere Tage hintereinander im restlichen August ist unklar, ob der Dienst noch besetzt werden kann. Oft schicke die Kassenärztliche Vereinigung (KV) aber jemanden so spontan wie sie melde, dass sich niemand gefunden habe.

Die KV will von größeren Problemen allerdings nichts wissen. In einer Anfrage hatte unsere Zeitung gefragt, woran es liegt, dass wieder so viele Schichten vakant sind. Die Antwort: „Ihre Kritik, dass angeblich ,wieder so viele Schichten‘ nicht besetzt werden können, weisen wir zurück. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Wir haben in Bayern eine Besetzungsquote von über 99 Prozent im Notarztdienst.“ In der Übersicht der bisherigen freien August-Dienste klafft dann eine Lücke zwischen den Zahlen der KV und denen des Roten Kreuzes. So erklärt die Kassenärztliche Vereinigung, bisher seien einmal 1,25, einmal 21, zweimal zwölf und einmal drei Stunden abgemeldet worden – der Stand könne sich aber noch ändern. Bislang seien neun Dienste nicht besetzt.

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Von 22 Lücken hätten bislang fünf besetzt werden können. „Lücken werden oft einen Tag vorher besetzt oder es wird auch eine Besetzung rückwirkend gemeldet, Informationen dazu werden sofort nach Erhalt des Dienstplans verschickt, also etwa zwei Wochen vorher.“ In einer unserer Zeitung vorliegenden Mail der KV wird am Nachmittag mitgeteilt, dass am folgenden Tag eine Schicht von 7 bis 7 Uhr und am übernächsten von 7 bis 19 Uhr „trotz intensiver Suche“ leider nicht besetzt werden konnte und die Dienste daher vorsorglich abgemeldet werden.

Der Landrat hat den Abgeordneten eingeschaltet

Angesichts der momentanen Situation hat Landrat Hubert Hafner als Vorsitzender des Rettungsdienst-Zweckverbands die KV nun aufgefordert, Verhandlungen über eine Kooperation mit der Kreisklinik Günzburg aufzunehmen, erklärt Zweckverbands-Geschäftsführerin Julia Lindner auf Anfrage – seit es eine solche mit dem Krankenhaus Krumbach gibt, funktioniert die Besetzung in diesem Bereich. Auch über den Bundestagsabgeordneten Georg Nüßlein solle Druck aufgebaut werden, da alle Warnungen über die Probleme ignoriert worden seien. Es seien auch schon Ausnahmegenehmigungen erteilt worden, damit Ärzte selbst als Notarzt fahren können. An anderen umliegenden Standorten gebe es keine solchen Schwierigkeiten.

Nüßlein sagt, auf seinen Druck hin werde es im September ein Gespräch zwischen KV und Klinik geben. Er habe der Kassenärztlichen Vereinigung grundsätzlich gedroht, in den nächsten Koalitionsverhandlungen über eine neue Struktur für sie nachzudenken, denn auf Bundesebene habe sie die Selbstverwaltung mit Selbstbedienung verwechselt. „Es gibt nichts Schlimmeres als die KV, zumindest im Bund“, sagt der CSU-Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Auf regionaler Ebene sei es noch etwas besser. Die Bedarfsplanung der KV habe schon lange nichts mehr mit der Realität zu tun. Daher müsse sich endlich etwas ändern. Geschehe das nicht, werde er dafür sorgen, dass die Konsequenzen gezogen werden.

Die Klinik hilft beim Stopfen der Lücken

Die KV erklärt jedoch, dass sie mit allen Mitteln versuche, Dienste zu besetzen und dafür zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen für Ärzte stimmig sind. „Wenn Dienste nicht besetzt werden können, dann zum Teil wegen der Urlaubszeit und einem generellen Nachwuchsproblem. Hinzu kommt: Ein Großteil der Notärzte am Standort Günzburg kommt inzwischen von außerhalb. Ein Notarzt, der viele Dienste übernommen hatte, hat den Dienst mittlerweile eingestellt.“ Die Alarmierung benachbarter Standorte stelle nur eine Notlösung dar – „die Versorgungssicherheit der Bevölkerung ist aus unserer Sicht jedoch gewährleistet, da im Notfall auf verschiedene Rettungsmittel zurückgegriffen werden kann.“ Es würden dadurch an den anderen Standorten auch keine neuen Lücken geschaffen: „Zwar ist der Anfahrtsweg länger als von Günzburg aus; eine Erstversorgung kann aber gegebenenfalls durch den Rettungsdienst gewährleistet werden. Es ist optional auch der Rückgriff auf Zweitnotärzte möglich oder es kann eine Alarmierung des Hubschraubers stattfinden.“

Fakt ist, dass die Probleme der KV lange bekannt sind, aber erst jetzt ein Gespräch mit dem Krankenhaus geführt wird – das gerade auch versucht, die Lücken zu stopfen. Das gelinge angesichts der eigenen Personallage und der späten Information über die derzeitige Lage aber nur ansatzweise, wie Klinikvorstand Dr. Volker Rehbein sagt. Er geht zwar davon aus, dass es im September bei dem Gespräch eine Einigung geben wird, doch schon in Krumbach dauerte es ein halbes Jahr, um den Vertrag mit Leben zu füllen. Erst einmal wird es also wohl weiter Lücken geben.

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Ein Artikel von
Christian Kirstges

Günzburger Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten


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