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Das ehemalige Fuggerschloss in Mickhausen beherbergte von 1944 bis 1967 zunächst ein Ausweichkrankenhaus und anschließend ein Altenpflegeheim der Stadt Augsburg.

Foto: Repro: Walter Kleber

Ende 1967 verließen die Schwestern vom Orden des heiligen Karl Borromäus zusammen mit ihren Patienten das Mickhauser Schloss. Das Foto entstand bei einer Nikolausfeier

Mickhausen
27.12.2017

Schlossgeschichte: Krankenhaus und Altenheim

Von Walter Kleber

Vor 50 Jahren ging in Mickhausen eine Ära zu Ende. Es war ein bemerkenswertes Kapitel der Ortsgeschichte

Über zwei Jahrzehnte lang, von 1944 bis 1967, diente das ehemalige Fuggerschloss in Mickhausen zunächst als Ausweichkrankenhaus und anschließend als Altenpflegeheim der Stadt Augsburg. Vor 50 Jahren wurde das Pflegeheim dann aufgelöst. Mit einem Festakt im Herbst 1967 endete ein bedeutendes Kapitel der Orts- und Nachkriegsgeschichte der Staudengemeinde.

So hat es begonnen: In der Endphase des Zweiten Weltkriegs richten die Städtischen Krankenanstalten von Augsburg im Mickhauser Schloss ein Ausweichkrankenhaus ein, da sich die Lage in der Stadt immer mehr zuspitzt. Schon ab August 1943 werden nach und nach medizinisches Gerät, Betten und Wäsche nach Mickhausen transportiert und hier eingelagert. Ab dem Februar 1944 sind Maurermeister Andreas Burkhard aus Waldberg und der Mickhauser Schreinermeister Martin Baur damit beschäftigt, die Räume im Schloss für den Krankenhausbetrieb vorzubereiten.

In der Woche vom 22. bis 27. Mai 1944 werden die ersten dreißig Patienten aus der Fuggerstadt in die Staudengemeinde verlegt, größtenteils alte, schwerst kranke Leute zwischen siebzig und neunzig Jahren. Aussicht auf Genesung besteht bei den wenigsten Kranken, zwei Drittel von ihnen sind schwere Pflegefälle. Acht Barmherzige Vinzentinerinnen und ein Pfleger versehen anfangs den Dienst bei den Kranken.

Noch im selben Jahr 1944 wird die Renovierung der Schlosskapelle in Angriff genommen. Für die Kosten kommen die Barmherzigen Schwestern auf. Unterdessen steigt die Zahl der Patienten ständig. Auf zwei Frauen- und einer Männerstation werden in Spitzenzeiten bis zu 117 Insassen medizinisch betreut. Nach und nach wird aus dem vormaligen Krankenhaus ein Altenpflegeheim. Am 1. April 1949 lösen zehn Schwestern vom Orden des heiligen Karl Borromäus mit ihrer Oberin Mutter Eleonora die Vinzentinerinnen ab. Den Schwestern steht ein Personalstamm von etwa 18 Personen zur Seite, unter ihnen ein Krankenpfleger und zwei Hausmeister.

Beim Abschieds-Festakt am 17. Oktober 1967 erinnerte der damalige Bürgermeister Ottmar Schmidberger daran, dass sich die Schwestern nicht nur rührend um ihre Patienten kümmerten, sondern auch jederzeit für kleinere medizinische Belange der Dorfbewohner ein offenes Ohr hatten. Der Weg ins Schloss zu den allzeit hilfsbereiten Schwestern bei den verschiedensten kleinen Unfällen und Beschwerden sei für viele Bürger beinahe selbstverständlich geworden.

Genauso vertraut sind in all den Jahren die alten Leute selbst den Mickhausern geworden. Sie hatten einen festen Platz im Dorfbild, wie sie – je nach Schwere der Krankheit – ihre täglichen Spaziergänge unternahmen oder kleine Einkäufe erledigten.

Augsburgs späterer Oberbürgermeister Hans Breuer erwähnte in seiner damaligen Laudatio auch die im Altenheim zuletzt tätigen Hausgeistlichen, die Pfarrer Max Schmid und Johann Schrenk sowie den Hausarzt Dr. Karl Million aus Fischach.

In den Wochen nach der offiziellen Verabschiedung wird das Altenpflegeheim „abgewickelt“. Die von Mickhausen abgezogenen Borromäerinnen kamen in verschiedenen Ordenshäusern und Pflegestationen unter, wo sie ebenso dringend benötigt wurden. Die Patienten konnten sofort in den für sie vorbereiteten Häusern, so im Hospital-Stift St. Margaret, in der Antonspfründe und anderswo, eine neue Bleibe beziehen. Auch ein Teil der Angestellten folgte den bisherigen Pflegebefohlenen, während sich andere um einen neuen Arbeitsplatz umschauen mussten.

Nach dem Auszug des Altenheims wurden die Räume im Schloss unterschiedlich genutzt: In den historischen Mauern waren nach und nach einige Schulklassen, der erste Kindergarten der Gemeinde und der Musikverein untergebracht. Während den Renovierungsarbeiten an der Mickhauser Pfarrkirche Mitte der 1970er-Jahre wurden im Schloss sogar die Gottesdienste der Pfarrgemeinde abgehalten. 1977 verkaufte Albert Graf von Rechberg-Rothenlöwen das Wasserschloss an einen Immobilienmakler.

Im August 2016 schließlich erwarb es die Hermann Messerschmidt Kulturerbe-Stiftung, die dem fast 500 Jahre alten Wahrzeichen der Staudengemeinde in den kommenden Jahren mit einer aufwendigen Generalsanierung wieder zu seinem alten Glanz verhelfen will.

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