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Fischach

28.02.2020

Neue Bäckerei: Auf den Berchesbäck folgt der Staudenbeck

Richard Schneider, bekannt als der Staudenbeck, belebt neu das einstige Traditionsgeschäft an der Fischacher Hauptstraße. Er, seine Lebensgefährtin Conny Weber rechts und Verkäuferin Verena Kraemer präsentieren dort frische Backwaren aller Art.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Plus Vor einem Jahr schloss die Bäckerei Zott in Fischach. Mit Richard Schneider ist nun ein Nachfolger da. Ein besonderes Brot gibt es dort aber nicht mehr.

Seit April vergangenen Jahres stand in Fischach in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz die ehemalige Bäckerei Zott leer. Das Traditionsunternehmen schloss nach dem Tod des Seniorchefs Gerhard Zott seine Pforten. Jahrzehntelang hatte er den alteingesessenen Handwerksbetrieb geführt. Zuletzt hatte ihn sein Sohn Harald in vierter Generation bis zur Geschäftsaufgabe inne. Seit der Gründung im Jahr 1914 stand der Firmenname für frische Backwaren aller Art.

Seit Februar gibt es einen Nachfolger für den Berchesbäck

Dort wurde von Anfang an auch das Berches, das geflochtene Schabbat-Weißbrot, hergestellt. Das Festtagsbrot ging auf die lange jüdische Tradition in Fischach zurück. Bis zur Machtübernahme Hitlers im Jahr 1933 lebten in der heutigen Marktgemeinde mehr als 120 Juden. Danach flohen sie oder wurden von den Nationalsozialisten deportiert.

Seit Februar gibt es nun für die ehemalige Bäckerei Zott , die im Volksmund in Anlehnung an das jüdische Traditionsbrot auch Berchesbäck genannt wurde, einen Nachfolger. Richard Schneider , der als Staudenbeck firmiert, hat dort eine neue Filiale eröffnet. Er stammt aus Langenneufnach. Dort befinden sich sein Hauptgeschäft und die Produktionsstätte seiner Backwaren. Zudem ist er Pächter des Dorfladens in Mittelneufnach und betreibt das Bäckerei-Café in Kirchheim.

Neue Bäckerei: Auf den Berchesbäck folgt der Staudenbeck
Seit der Gründung der Bäckerei im Jahr 1914 wird hier der „Berches“ gebacken, ein jüdisches Brot, das nach alter Tradition hergestellt und täglich angeboten wird
Bild: Marcus Merk

Doch die Herstellung von Berches hat er eingestellt. Nicht, weil die Produktion aufwendig ist. Grund ist vielmehr die geringe Nachfrage. „Mein Vorgänger hat mir mitgeteilt, dass Berches in Fischach nicht mehr der Renner sei“, meinte Schneider. „Sollte allerdings tatsächlich eine große Nachfrage nach dem Festtagsbrot vorhanden sein, dann nehme ich es selbstverständlich in mein Angebot auf“, versichert er.

Weder Fertigmehl noch Fertigstoffe oder Teiglinge

Apropos Angebot. In der neuen Filiale bekommen die Kunden das komplette Standardsortiment an hochwertigen Backwaren. Richard Schneider verwendet nach eigenen Worten weder Fertigmehl noch Fertigstoffe oder Teiglinge. Der 62-Jährige setzt vielmehr auf reinen Natursauerteig. Auch die Quark- und Marmeladefüllungen – beispielsweise bei den Krapfen – werden von ihm und seinem Team selbst hergestellt. Er wolle sich mit Qualität und nicht mit Quantität abheben, betont er.

Renner in seiner Angebotspalette seien Quarktaschen und Nusshörnchen sowie sein Fränkli-Brötchen. Mehr als 30 Produkte weist sein Sortiment auf. Ergänzt wird das Angebot durch eine Reihe von regionalen Produkten wie Honig, Staudensäfte, Backerbsen und Nudeln sowie Presseerzeugnissen. Reine Konditorartikel wie Torten, Gebäck und Pralinen gibt es bei ihm allerdings nicht. Dafür fertigt er auf Nachfrage aber belegte Partysemmeln und -brezen für Betriebsfeste, Geburtstage oder Firmenjubiläen.

Das Bäckerhandwerk ist Schneiders Leben

In der Produktion sind neben ihm sechs Mitarbeiter beschäftigt. Mehr als zehn Menschen sind im Verkauf tätig. Zwei Fahrer bringen die Waren frühmorgens zu den Filialen. Für Richard Schneider beginnt die alltägliche Arbeit in der Produktionsstätte in Langenneufnach um 1.30 Uhr nachts. Zudem bildet er derzeit zwei Lehrlinge aus.

Das Bäckerhandwerk ist Schneiders Leben. „Man muss dafür geboren sein und eine innere Überzeugung mitbringen“, sagt er. Irgendwie sei sein Beruf ihm auch in die Wiege gelegt worden. Bereits sein Großvater war Bäckermeister. Er selbst übe seinen Beruf ohne Unterbrechung seit dem 15. Lebensjahr aus. „Mit 25 Jahren habe ich meine Meisterprüfung absolviert“, erzählt Schneider , der in Vöhringen im Landkreis Neu-Ulm das Licht der Welt erblickte. Seit Juli 1985 sei er selbstständig tätig. „In die Stauden bin ich ausschließlich beruflich gekommen“, informiert er.

Seine neue Filiale in Fischach soll nicht nur Bäckerei sein. Er sieht sie vielmehr als einen Ort der Begegnung und Genießertreff. Unterstützung erhält Schneider von Bürgermeister Peter Ziegelmeier. Das Gemeindeoberhaupt zeigt sich erfreut darüber, dass in dem Traditionsgeschäft wieder Backwaren verkauft werden. Und auch die Fischacher Bürger haben offenbar lange auf die Wiedereröffnung gewartet. „Ich bin sehr froh, dass gerade der Staudenbeck hier eröffnet hat“, meint eine Kundin. Konkurrenz belebe das Geschäft, ergänzt ihr Ehemann. Zudem sei er von den Größen und dem Geschmack der Backwaren vollauf überzeugt.

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