Der größte Kundenmagnet mit Wirkung weit über das Land hinaus ist der Gersthofer Hery-Park im Westen der Stadt nahe dem Bahnhof. Doch das Gelände ist in die Jahre gekommen. Künftig soll es viel mehr Grünflächen dort geben. Trotzdem sollen die Fachmärkte bleiben und im Jahr 2041 sogar bis zu 1700 Menschen dort wohnen. Das sehen jedenfalls die Pläne des neuen Investors vor, die bisher nur nicht öffentlich beraten wurden. Am Mittwochabend wurde das erste Konzept von Christian Evers, dem Chef eines Hamburger Stadtplanungsbüros, vorgestellt.
Trotz seiner Attraktivität dank der großen Fachmärkte wie Babywelt oder Spiel und Freizeit sowie Bauhaus "gestaltet sich der Park nicht als zukunftstauglich", erklärte Stadtbaumeister Markus Naß einleitend. Er verwies auf Leerstände, die es bereits gibt, unter anderem im Gebäude des ehemaligen Penny-Markts. "Um noch viele Jahre erfolgreich zu sein, arbeitet der Investor des Hery-Parks – die Kintyre Project & Construction GmbH – gemeinsam mit der Stadt an einer zukunftsfähigen Lösung für dieses Areal", so Naß.
30 Prozent Grünflächen statt 98 Prozent Versiegelung
Das heute zu 98 Prozent versiegelte Gebiet soll deutlich mehr Grünflächen erhalten. "Die unversiegelten Flächen wachsen von heute zwei Prozent der Gesamtfläche auf 30 Prozent im Jahr 2041." Das betrifft nicht zuletzt auch den Parkplatz. Statt heute 51 Prozent der Gesamtfläche sind es künftig noch 18 Prozent. "Dennoch bekommen wir eine Vervielfachung der Nutzung", betonte Christian Evers: Die Fachmarktflächen wüchsen von heute 50.000 auf 54.000 Quadratmeter. Das entspreche in etwa einem Fünftel der Flächen. Für Büro- und Dienstleistungsbetriebe sollen bis zu 80.000 Quadratmeter entstehen.
Ebenso viel Raum nehme dann das Wohnen ein – was jeweils einem Drittel der Gesamtfläche entspricht, so Evers. Die 80.000 Quadratmeter entsprechen circa 700 bis 1000 Wohneinheiten. Statt des heute großen ebenen Parkplatzes sollen auf 26.000 Quadratmetern Mobility-Hubs und Parkgaragen entstehen. Für sonstiges Gewerbe und soziale oder gemeinschaftliche Nutzungen sind jeweils 13.000 Quadratmeter eingeplant.
Gersthofens gute Verkehrsanbindung als Standortvorteil
Zum Wohnen bietet sich das Areal wegen seiner Lage geradezu an, so der Planer. Die Anbindung über B17/B2 und die A8 sei sehr gut. Außerdem gebe es einen Bahnhof mit exzellenten Verbindungen direkt vor der Haustür. "Deswegen könnten dort Wohnungen auch für Menschen attraktiv sein, die auf ein eigenes Auto verzichten möchten", so Evers. Das Hery-Park-Gebiet werde so zu einem "Ort des Ankommens". Die Wohnkomplexe werden immer um einen grünen Mittelpunkt gruppiert. Um die Wohnungen und Büros unterzubringen, wachsen die neuen Bauten mit jeweils vier bis sechs Geschossen deutlich in die Höhe. "Eventuell sind einige wenige achtgeschossige Häuser als Akzentuierung denkbar", sagte Christian Evers.
Gebaut werden soll in verschiedenen Phasen. Diese hängen von der Laufzeit der bestehenden Pachtverträge ab. Wo der Pachtvertrag zuerst ablaufe, werde zuerst gebaut. Der Fachmarkt mit dem nächsten Ablaufzeitpunkt solle dann in einen Neubau umziehen, danach wird dieser Bereich erneuert und so weiter. Wichtig sei: Die Fachmärkte sollen auf dem Hery-Areal bleiben, wenn sie das möchten, gegebenenfalls am Ende halt an einer anderen Stelle des Areals. Mit den Ankermietern im Hery-Park habe man sich deswegen bereits in Verbindung gesetzt. "Das war uns vonseiten der Stadt ebenfalls sehr wichtig", fügte Bürgermeister Michael Wörle hinzu.
Losgehen soll das Ganze nach dem Willen des Investors mit Phase 1 im Jahr 2026. Weitere Phasen folgen dann in den Jahren 2028, 2029, 2031, 2034, 2039 und schließlich 2041. Entstehen werden demzufolge jeweils zwischen 300 und 50 Wohneinheiten, die jeweils zwischen 600 und 100 neue Einwohner bringen werden.
Gersthofer Stadtrat will in Klausur über die Pläne reden
"Was am Schluss bei den Planungen rauskommen wird, ist allerdings bei diesem Konzept noch nicht zu sehen", verwies Michael Wörle auf das frühe Planungsstadium. Es werde noch viel zu besprechen und zu planen sein. "Mir fehlt das Wort sozialer oder bezahlbarer Wohnraum", sagte Peter Schönfelder (SPD/Grüne). "Da werden wir noch einen weiten Weg haben." Hans-Jürgen Fendt (W.I.R.) forderte eine Klausurberatung zu diesem Vorhaben. "Dort entsteht nach diesen Plänen ein kleines Ballungszentrum, größer als die westlichen Stadtteile." Die Verwaltung müsse daher Vor- und Nachteile für die Stadt herausarbeiten. "Warum soll hier Wohnen hin – weshalb macht man keinen Erlebnis-Gewerbepark?", fragte wiederum Herbert Lenz (FW). Er fürchtete, dass das Wohngebiet dort "eine sehr anonyme Geschichte" wird, mit Bewohnern, die sich nicht für die Gemeinschaft in der Kleinstadt Gersthofen interessieren. Stefan Buck (CSU) hatte Bedenken, weil durch die zusätzlichen Wohnungen weiterer Verkehr verursacht würde.
Einig waren sich die Stadträte darin, dass es eine Klausur geben soll. "Wenn das kommt, wird es revolutionär für Gersthofen sein", sagte Stadtbaumeister Markus Naß. "Denn Vergleichbares gibt es hier bisher nicht."