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Augsburg

25.10.2020

Synagoge in Augsburg verschärft ihre Sicherheitsmaßnahmen

An der Augsburger Synagoge finden derzeit Baumaßnahmen im Eingangsbereich statt. Die Gemeinde verschärft ihre Sicherheitsvorkehrungen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Nach dem rechtsextremistischen Anschlag auf eine Synagoge in Halle im vergangenen Jahr baut die jüdische Gemeinde in Augsburg jetzt ihre Sicherheitsmaßnahmen aus.

Es ist etwas mehr als ein Jahr her, seit ein Rechtsextremist versuchte, in Halle einen Massenmord in einer Synagoge zu verüben. Der Anschlag hat erneut ein Licht auf die Sicherheitslage der jüdischen Gemeinden in Deutschland geworfen – und in Augsburg hat er dazu geführt, dass die bereits vorhandenen Schutzmaßnahmen verstärkt werden. Besucher des jüdischen Museums, aber auch Gemeindemitglieder müssen sich nun strengen Kontrollen unterwerfen – und noch sind nicht alle Ausbauten ausgeführt.

Die Synagoge in Augsburg befindet sich in der Halderstraße. Die israelitische Kultusgemeinede verschärft die Sicherheitsvorkehrungen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Wer das Zentrum der jüdischen Gemeinde über die Eingangshalle betritt, steht vor einem Metalldetektor. Hier kommt ein Gerät wie am Flughafen zum Einsatz – und wie dort werden auch hier mitgebrachte Taschen und Ähnliches geröntgt. Ein Sicherheitsdienst beaufsichtigt das Prozedere. Projektleiterin Viktoria Kämpf erklärt, was noch unternommen werde: Die historischen Gittertore im selben Bereich werden durch schusssichere Glasscheiben ersetzt, die Bauarbeiten für eine Poller-Schleuse und erhöhte Mauern rund um die Synagoge laufen bereits. Für Museumsbesucher solle es zukünftig an einem der Seiteneingänge ein Drehkreuz geben, an den Gittertoren werde ein Sichtschutz installiert.

Jüdische Gemeinde in Augsburg fühlt sich sicher

Alexander Mazo, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg, erläutert, wieso diese Arbeiten stattfänden. "Zum Jahreswechsel sind Ministerpräsident Markus Söder und das Innenministerium des Freistaats auf uns zugekommen, um ein neues Sicherheitskonzept für die Synagoge auszuarbeiten." In anderen jüdischen Gemeinde gebe es schon lange zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die zuständigen Fachleute würden in Augsburg "großartige" Arbeit leisten.

Die rund 1400 Gemeindemitglieder in Schwaben würden großteils unbehelligt leben können – aber, so sagt Präsident Mazo, seit dem Sommer 2014 seien mehr Drohungen und andere Vorfälle zu beobachten. Damals, so schildert er es, habe es eine Demonstration junger Türken auf dem Rathausplatz gegeben. So fand tatsächlich im Juli 2014 eine Anti-Israel-Demo auf dem Rathausplatz statt, bei der nach Aussagen von Teilnehmern unter anderem eine israelische Flagge angezündet wurde. Ein anderes Problem sind Hakenkreuze, die innerhalb der Synagoge immer wieder in Bänke geritzt oder irgendwo hingeschmiert werden. Dennoch, sagt Mazo, "Augsburg habe ich immer als friedlich erlebt". Dass nun solche Sicherheitsmaßnahmen nötig seien, sei sehr schade.

Lösung für Besucher des Jüdischen Museums in Augsburg wird gesucht

Denn eine Synagoge solle eigentlich ein offener Ort, ein Ort der Begegnung sein. Die Sicherheitsmaßnahmen würden diesen Charakter ein Stück weit nehmen. "Man kann diese Maßnahmen nicht begrüßen, sie tun weh." Aber: Experten von LKA und Innenministerium hätten dringend zu diesen Schritten geraten, der Freistaat trägt auch die Kosten. Projektleiterin Kämpf sagt, bis zum Jahresende wolle man mit den meisten Arbeiten fertig sein, damit man kommendes Jahr planmäßig mit der Generalsanierung der Synagoge beginnen könne.

Bleibt nur noch die Situation in dem Bereich vor der Synagoge. Hier verläuft ein schmaler Fußweg an der Halderstraße. Laut Mazo besuchen etwa 40.000 Menschen Jahr für Jahr das Jüdische Museum und die Synagoge – für Tage mit regem Besucherandrang wird die Stadt zusammen mit der Gemeinde ein Sicherheitskonzept erarbeiten. "Natürlich hoffen wir", sagt Mazo, "dass diese Maßnahmen niemals nötig sind."

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25.10.2020

Es ist schlimm, dass verwirrte und verbrecherische Personen sich Juden als Objekte ihres Hasses aussuchen!

Raimund Kamm

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