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Augsburg

26.02.2021

Vom Abriss bedrohte Augsburger Villa: Ex-Eigentümer meldet sich zu Wort

Unbekannte haben ein Protestplakat an der alten Villa in der Hochfeldstraße aufgehängt. Das Haus soll abgerissen werden und einem Neubau weichen.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Die Vorbesitzer wollten mit dem Verkauf des historischen Gebäudes in der Hochfeldstraße eine Sanierung ermöglichen. Das habe der jetzige Eigentümer ihnen auch versprochen.

Hans Trautner ist enttäuscht. Seine Familie hat über mehrere Generationen hinweg in der alten Villa an der Hochfeldstraße 15 in Augsburg gelebt. Nie hätte er gedacht, dass der jetzige Besitzer das Gebäude nun abreißen lassen will. Anwohner im Bismarckviertel kämpfen derzeit für den Erhalt der Villa. Trautner meldet sich auf Nachfrage unserer Redaktion zu Wort, um einiges klarzustellen, was bisher zu dem Streitfall gesagt wurde.

Der Immobilienunternehmer Maximilian Wolf hatte das Gebäude vor rund einem Jahr erworben. Nun hat er einen Antrag bei der Stadt gestellt, den Altbau abzureißen und einen deutlich größeren Neubau mit zehn Wohnungen und Tiefgarage zu errichten. Wolf sagte, ursprünglich habe er die Villa sanieren wollen. Doch dann habe man größere Schäden festgestellt. Er begründete seine Abrisspläne nicht nur mit einer maroden Bausubstanz, sondern auch mit finanziellen Aspekten. Er habe die Villa für mehrere Millionen Euro gekauft und trage nun das wirtschaftliche Risiko.

Die Erben des Gebäudes in Augsburg wünschten sich den Erhalt

Trautner sieht die Sache anders. Und er erklärt auch, warum: Danach ist mit der Villa, die ursprünglich von einem Vetter des berühmten Erfinders Rudolf Diesel um 1902 erbaut wurde, eine lange Familientradition verbunden. Trautners Großvater hatte das Gebäude erworben. Im Krieg war es schwer beschädigt und wieder aufgebaut worden. Danach lebte Trautners Vater Hermann mit seiner Familie in dem Gebäude, in dem er lange auch eine Arztpraxis hatte. Nach dem Tod von Dr. Hermann Trautner stand die Villa einige Zeit leer.

Dann entschieden sich seine inzwischen erwachsenen Kinder schweren Herzens zum Verkauf des Hauses. "Der finanzielle Aufwand, es wieder herzurichten, wäre für uns zu groß gewesen", sagt Hans Trautner. Die Erben wünschten sich aber den Erhalt und die Sanierung der historischen Villa. Beim Verkauf vor etwa einem Jahr habe man deshalb auf den höchstmöglichen Preis am Immobilienmarkt bewusst verzichtet. Es habe mehrere Interessenten gegeben, sagt Trautner. "Herr Wolf hat das Haus deshalb bekommen, weil er es erhalten wollte und uns versprochen hat, daraus ein Schmuckstück zu machen."

Am Wochenende gab es in dem leer stehenden Haus wegen eines Rohrbruchs einen Wasserschaden.
Foto: Peter Fastl

Vonseiten der Familie betont man, die Villa sei zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht in einem maroden Zustand gewesen. Das Gebäude sei zwar in die Jahre gekommen und hatte einen größeren Sanierungsbedarf. Abbruchreif sei es aber nicht gewesen. In den vergangenen Jahrzehnten sei beispielsweise das Dach neu gedeckt worden. Statische Probleme gebe es allenfalls in dem neueren Anbau mit Garage. Der Riss in der Mauer zur Villa hin habe sich jedoch in den vergangenen zehn Jahren nicht verändert, soweit es sichtbar gewesen sei.

Die Vorbesitzer der Villa haben Verständnis für Anwohnerproteste

Hans Trautner stellt fest: "Es ist absolut schade, wenn dieses Gebäude abgerissen wird." Deshalb verstehe er auch die Initiative von Anwohnern im Bismarckviertel, die gegen den geplanten Abbruch der Villa kämpfen. In einem offenen Brief fordern sie, das Gebäude und die alte Rotbuche im Garten zu erhalten. Auch sie befürworten eine Erhaltungssatzung, die von der städtischen Bauverwaltung angestrebt wird, um historische Bausubstanz zu erhalten, die nicht unter Denkmalschutz steht. Diese dürfe sich aber nicht nur aufs Bismarckviertel beschränken, so die Anwohner. Sie müsse auf weitere Stadtviertel mit typischen historischen Bauten ausgedehnt werden. Hinter den Forderungen in dem Brief stehen bislang namentlich 30 Bürger und Geschäftsleute aus dem Bismarckviertel.

Die Stadt hat den Antrag für einen Neubau noch nicht genehmigt. Vor wenigen Tagen entstand plötzlich ein schwerer Wasserschaden an der Villa. Der neue Eigentümer will sich inzwischen nicht mehr öffentlich zu dem Gebäude und seinen weiteren Plänen äußern.

Lesen Sie dazu auch: Umkämpfte Villa in Augsburg wird zum Fall für die Feuerwehr

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27.02.2021

Ich wundere mich darüber, dass die Familie zu der eine Staatsministerin der CSU gehört, nicht darauf besteht Absprachen im Kaufvertrag schriftlich festzulegen.
Die Familie hat sich für einen Käufer entschieden und sich auf mündliche Zusagen verlassen. Das ist eine ehrbare Sache aber wie sich zeigt nicht, nicht bindend.
Die gute Bausubstanz wird auch von der Familie bestätigt. Zum Zeitpunkt als der geplante Abriss öffentlich wird, gibt es einen Wasserschaden im obersten Stockwerk des Hauses in einer Wohnung, die, wie die Polizei bestätigt hat, als einzige im Haus abgeschlossen war. Seit einer Woche sind alle Fenster des Hauses geschlossen. Trocknungsfirmen waren bisher, zumindest nicht über einen längeren Zeitraum vor Ort. Das Brummen von Trocknungsmaschinen ist auch nicht zu hören. Das Wasserrauschen dagegen war auf der Straße sehr gut zu hören.
Wenn die Fenster weiter geschlossen bleiben, wirkt das Wasser tiefer in die Substanz und es bildet sich Schimmel.

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27.02.2021

Wird vom Käufer schon einkalkuliert sein. Damit gibt es leichter grünes Licht für einen Abriss. Die Genehmigung für einen Neubau sollte so sein, dass nur in gleicher Größe gebaut werden darf. Dann ist der Gebäudeschaden gleich nicht mehr relevant. Der einzige Hintergrund ist doch, dass dann mehr Wohnraum und somit mehr Einnahmen eingeplant werden. Das Profitdenken ist noch immer erster Punkt. Niemand kann und soll natürlich für lau arbeiten, aber weltweit ist die Profitgier noch immer der größte Auslöser, ob für Mensch, Tier oder Umwelt der Schaden entsteht. Dabei kann keiner, ob Trump oder Konsorten, auch nichts mitnehmen können. Ob es sich um einen einfachen Holzsarg oder mit Gold verkleidet handelt. Jeder endet gleich.

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27.02.2021

>> Auch sie befürworten eine Erhaltungssatzung, die von der städtischen Bauverwaltung angestrebt wird, um historische Bausubstanz zu erhalten, die nicht unter Denkmalschutz steht. <<

Man sollte den Verkauf dieser Häuser verbieten. Es sollte nur noch eine gemeinwirtschaftliche Übergabe an den Staat gegen eine faire Entschädigung auf Grundlage des Erwerbszeitpunktes möglich sein.

Damit hätte man auch die "Kinder" geschützt, die nun von den Neubauplänen geschockt sind.

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26.02.2021

alle schreien nach Wohnungen , will einer bauen wird aber dagegen Protestiert !! da kann man sich auch fragen wer erst alles so hat herunterkommen lassen über einige Jahre im Lehrstand ?? das der Bau aber auch nach den Kriegsschäden nicht mehr die alte Statik hat sondern vieles nur ein Flickwerk ist kann sich jeder vernünftige Mensch auch denken .

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27.02.2021

Die Diesel-Villa steht erst ein Jahr leer. Viele Nachbarn kennen das Haus durch den guten Kontakt zum verstorbenen Dr. Trautner auch von Innen und bestätigen alle den guten Zustand.
Vor einer Woche war der große Wasserschaden im obersten Stock. An der Nord- und Südfassade ist der Schaden von Oben bis unten deutlich sichtbar. Die Fenster sind allesamt geschlossen was eine schnelle Schimmelbildung fördert. SO verfällt ein Haus schneller als durch jahrelange Vernachlässigung.

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27.02.2021

Nein, nicht alle schreien nach Wohnungen.

Die große Mehrheit der Bevölkerung will keine Verdichtung und keinen Einwohnerzuwachs.

Die Folgen sieht man ja nicht nur auf dem Wohnungsmarkt, sondern auch bei öffentlicher Infrastruktur wie Schulen und Kinderbetreuung.

https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Tausende-Plaetze-fehlen-Warum-der-Kita-Ausbau-in-Augsburg-nicht-schnell-genug-laeuft-id59178856.html

Es findet ein absurder Wettlauf statt, der die Lebensqualität in Städten zunehmend einschränkt. Der Bürger hat nichts von inzwischen regelkonformer Luftqualität in der Karlstraße, wenn die Unterbringung des Nachwuchses zum Großprojekt wird.

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26.02.2021

Könnten sich die 30 Anwohner nicht zusammentun und die Villa kaufen? Dann könnten sie sich weiter am schönen Anblick freuen und sie vielleicht billig vermieten. Aber der schöne Anblick ist vielleicht doch nicht so viel wert, wenn man erstmal was dafür zahlen muss.

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28.02.2021

So ein Unsinn. Jeder der 30 Anwohner bezahlt sicherlich für seinen eigenen Wohnraum. Warum soll man sich nicht an was erfreuen, für was man zahlen muss?!?

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26.02.2021

Ein raumoptimierter eckiger Betonklotz bringt mehr Rendite als ein historische Villa, das weiss auch ein Unternehmer wie Maximilian Wolf. Wenn die Stadt Augsburg politisch nicht schläft, sollte sie den neuen Eigentümer zwingen, die Jugendstilfassade nach dem Abriss originalgetreu wieder aufzubauen. Das wäre wohl die ökonomischste Lösung.

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26.02.2021

Aufgrund welcher rechtlichen Grundlage sollte das der ausgeschlafene Augsburger Stadtrat bewerkstelligen?

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26.02.2021

Das herauszufinden ist nicht Ihre und meine Aufgabe sondern die von den "ausgeschlafenen Menschen". Was Verordnungen betrifft haben Kommunen einen großen Handlungsspielraum. Ein Unternehmer wird kein Interesse daran haben, ggf. auf einem Objekt sitzenzubleiben das er aus Denkmalschutzgründen nicht abreissen darf. Wenn er es illegal abreisst, darf er es originalgetreu wieder aufbauen.

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26.02.2021

Der Denkmalschutz gilt hier aber nicht, weil das Objekt nicht darunter fällt. Das Recht das Objekt abzureißen besteht, allenfalls kann man ihm versagen einen Neubau in der Größe hinzustellen, die ihm vorschwebt.

"Zwischenzeitlich wurde auch untersucht, ob die Villa nachträglich in die Denkmalliste aufgenommen werden kann. Dies sei vom Landesamt für Denkmalpflege nach eingehender Prüfung verneint worden. Für den Abbruch ist damit keine Genehmigung nötig."

https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Buerger-kaempfen-gegen-Abriss-einer-historischen-Villa-id59147966.html

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26.02.2021

>> Dann entschieden sich seine inzwischen erwachsenen Kinder schweren Herzens zum Verkauf des Hauses. "Der finanzielle Aufwand, es wieder herzurichten, wäre für uns zu groß gewesen" <<

Da kommen einem glatt die Tränen, aber trotzdem willkommen in der immobilen Wirklichkeit.

Haben die Kinder vielleicht schon mal was von schriftlichen Vereinbarungen gehört oder machen die nur was Kreatives?

>> Vonseiten der Familie betont man, die Villa sei zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht in einem maroden Zustand gewesen. Das Gebäude sei zwar in die Jahre gekommen und hatte einen größeren Sanierungsbedarf. <<

Größerer Sanierungsbedarf = aktuell maroder Zustand - stimmt doch!
(Duden: heruntergekommen, ruiniert, abgewirtschaftet)

Aber es ist immer schön, wenn jemand anderer sein Geld für den großen finanziellen Aufwand in Zeiten der CO2-Steuer hergibt...

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