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Kultur in Augsburg
14.01.2022

Das Augsburger Brechtfestival soll 2022 auch live stattfinden

Zu Beginn ihrer drei Brechtfestivals konnten Tom Kühnel und Jürgen Kuttner 2020 noch ein großes Spektakel im Martinipark veranstalten.
Foto: Bernd Rottmann (Archivbild)

Angelegt ist die diesjährige Reihe mit einem internationalen Zuschnitt: Die eingeladenen Künstler kommen unter anderem aus Togo, China und Afghanistan.

Die Fragezeichen beim offiziellen Pressetermin für das Brechtfestival 2022 sind deutlich zu vernehmen gewesen. Wie sich die fünfte Corona-Welle, nun durch die Omikron-Variante befeuert, auswirken wird, ob es in den nächsten Wochen neue Restriktionen geben wird - all das können die Organisatoren des Festivals natürlich nicht sagen. Kulturamtsleiterin Elke Seidel sagte, dass die 1000-Inzidenz als Grenze in Bayern erst einmal aufgehoben werde und es gute Diskussionen im Freistaat gebe, 50 Prozent Auslastung in den Spielstätten zuzulassen - also positive Signale, dass das Brechtfestival vom 18. bis 27. Februar sogar mit mehr Publikum als bislang erlaubt auch als Live-Event stattfinden kann. Allerdings ist das der Stand vom 14. Januar. Unplanbar ist, ob das auch der Stand am Festivalbeginn 18. Februar sein wird. Deshalb raten die Macher, die Festivalpräsentation im Netz öfter zu besuchen, sie werde laufend aktualisiert.

Lauter Unbekannte in der Festivalgleichung, die die beiden künstlerischen Leiter Tom Kühnel und Jürgen Kuttner für ihr drittes und letztes Brechtfestival also berücksichtigen müssen. Auf der sicheren Seite befinden sie sich mit dem digitalen Programm. Es steht wie die komplette Reihe unter dem Motto "Worldwide Brecht" und besteht aus Filmprojekten zu Bertolt Brecht, etwa von Studierenden aus Beijing (China) und Kirksville (USA) sowie von Schauspielern aus Minsk (Belarus). Sie alle haben sich mit Brecht-Stücken, Texten oder Fragmenten auseinandergesetzt und begegnen diesen Stoffen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründen.

Kuttner erwähnt da, dass zum Beispiel die Künstlerinnen des Simorgh Theaters aus Herat (Afghanistan) durch die Taliban-Regierung in Schwierigkeiten stecken. Seit dem Abzug der alliierten Truppen eilen sie von Versteck zu Versteck. Aus dem Untergrund haben sie sich mit Texten aus Brechts "Aus dem Lesebuch für Städtebewohner" künstlerisch auseinandergesetzt.

Corinna Harfouch wirkt wieder beim Augsburger Brechtfestival mit

Im digitalen Programm werden die Film-Produktionen des Vorjahrs, die nur im Festivalzeitraum 2021 zu sehen gewesen waren, noch einmal präsentiert, also auch die Beiträge von Meret Becker, LIna Beckmann, Charly Hübner und Corinna Harfouch, die in der diesjährigen Ausgabe auch noch etwas Neues einbringt. Unter dem Titel "Ja, ich folge diesem kleinen Alten bisweilen" präsentiert sie Poesie, die Bertolt Brecht ins Deutsche übersetzt hat.

Neben dem digitalen Festival ist Kühnel und Kuttner aber wichtig, auch wieder das Festival vor Publikum in Augsburg stattfinden lassen zu können. Das Textil- und Industriemuseum ist als Festivalzentrale vorgesehen. Dort wird eine Kunstausstellung zu sehen sein, die unter anderem ein Großgemälde der New Yorker Künstler Zoe Beloff zeigen wird. In "Parade of the Old New" belebt die von Brecht beeinflusste Beloff Historienmalerei neu. Im Textilmuseum wird dazu das digitale Programm vor Publikum präsentiert.

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Die Festivalleiter Tom Kühnel und Jürgen Kuttner inszenieren die Eröffnungspremiere

Die beiden Festivalmacher Kühnel und Kuttner erarbeiten gerade am Staatstheater Augsburg einen Thomas-Brasch-Abend. "Damit wollen wir nach Heiner Müller wieder einen Künstler in den Blick rücken, der von Bertolt Brecht stark beeinflusst wurde." Mit der Premiere von "Morgen wird auch ein schöner Tag, sagte die Eintagsfliege" beginnt das Festival am 18. Februar auf der Brechtbühne. Kühnel und Kuttner holen dann auch ihre Brecht-Inszenierung "Der Hofmeister" vom Deutschen Theater in Berlin für ein Gastspiel nach Augsburg, am 20. Februar ebenfalls auf der Brechtbühne.

Die beiden Augsburger Ensembles Theter und Bluespots Productions sind wieder mit von der Partie. Theter bringt das Brecht zugeschriebene Stück "Die Judith von Shimoda" auf die Bühne (25. und 26. Februar), Bluespots Productions bringt Brechts "Flüchtlingsgespräche" als Live-Audio-Walk auf die Straße (24. und 27. Februar). Der Schulchor des Gymnasiums bei St. Stephan unter der Leitung von Ulrich Graba ist mit einer konzertanten Aufführung von Brechts "Die Mutter" zu erleben. Als Sprecherin wirkt die dänische Sängerin und Schauspielerin Gitte Haenning mit.

Der Kartenvorverkauf fürs Festival beginnt am Freitag, 14. Februar. Allerdings merken potenzielle Besucherinnen und Besucher gleich, dass noch die 25-Prozent-Auslastungsregel gilt. Für die Festivalpremiere sowie die beiden folgenden Aufführungen des Braschs-Abends sind durch die knappen Platzverhältnisse vor allem in der Brechtbühne schon ausverkauft.

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