Das Amtsgericht in Augsburg hat einen Auszubildenden, der mehrfach Aktivisten des Augsburger Klimacamps bedroht und beleidigt hatte, nach Jugendstrafrecht zu einer Woche Arrest, 700 Euro Geldbuße und sozialpädogischen Gesprächen verurteilt. Der 18-Jährige sagte in dem Verfahren nichts, außer dass er nichts sagen werde. Sein Hass, so wurde im Laufe des Verfahrens deutlich, richtete sich nicht gegen das Eintreten der Camper für Klimaschutz, sondern gegen deren Unterstützung von homosexuellen und queeren Gruppen.
Mitte April 2022, gegen Mitternacht, wurden mehrere Aktivisten, die im Klimacamp übernachten wollten, unsanft geweckt. Eine Gruppe junger Männer, darunter der Angeklagte, lärmte und riss eine Regenbogenflagge herunter. Die Gruppe verschwand, kehrte aber eine Stunde später zurück. Erneut wurden die Camp-Bewohner geweckt und beleidigt. Der Angeklagte drohte, mit einer Metallstange aus dem Camp-Fundus zuzuschlagen. „Schwuchteln“, „Schwule“, „Missgeburten“ mussten sich die Camper anhören; sie und das Camp gehörten "niedergebrannt".
Prozess in Augsburg: Junger Erwachsener bedroht Klimacamper
Gut einen Monat später gab es erneut einen Vorfall: Zwei Aktivisten wurden gegen 3.45 Uhr durch Rufe geweckt. Bald darauf war ein Zischen zu hören, das sich später als das Versprühen von Löschschaum aus einem Feuerlöscher des Camps herausstellte. Ein Klimacamper lief dem flüchtigen Angeklagten mit einigem Abstand hinterher, um, wie er berichtete, der Polizei den Verbleib des Störers zeigen zu können. Richtung Annastraße unterwegs habe der zunächst flüchtige Angeklagte umgedreht und sei in drohender Haltung auf ihn zugelaufen. Er habe auch versucht, ihm das Handy aus der Hand zu schlagen.
Ein Wachmann, der seinerzeit den auf dem Rathausplatz aufgestellten hölzernen Fuggerpavillon beaufsichtigte, ging dazwischen. Auch bei diesem Aufeinandertreffen wurde der bis dahin unbekannte Täter nicht dingfest gemacht. Das gelang, als der Angeklagte einen Monat später bei Tageslicht beim Camp aufkreuzte. Diesmal, Mitte Juni, erkannte ihn ein Klimacamper wieder und die Personalien des 18-Jährigen wurden von einer zufällig anwesenden Polizeistreife festgestellt. Tatsächlich passte an dem im Mai im Klimacamp benutzten Feuerlöscher sichergestelltes DNA-Material exakt mit dem Erbgut des Angeklagten zusammen.
18-Jähriger in Augsburg vor Gericht: Angeklagter schweigt im Prozess
Während der Auszubildende, der ohne Rechtsanwalt vor Gericht erschien, schwieg, erhielt Richterin Sandra Mayer von den Zeugen zahlreiche Hinweise auf die Täterschaft des 18-Jährigen. Staatsanwältin Julia Köhli sagte, der Angeklagte habe sich im Verfahren „total uneinsichtig“ präsentiert. Richterin Mayer verurteilte den 18-Jährigen unter anderem wegen Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung und versuchter Körperverletzung. Der Angeklagte, so die Richterin, lege eine völlig unverständliche Neigung zu „Hasskriminalität“ gegenüber Andersdenkenden an den Tag.