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Augsburg

11.04.2017

Ahmadiyya-Gemeinde eröffnet in Augsburg dritte Moschee in Bayern

Moscheeeröffnung
5 Bilder
So sieht die neue Moschee im Augsburger Stadtteil Oberhausen von außen aus.
Bild: Silvio Wyszengrad

Zur Eröffnung der neuen Moschee im Augsburger Stadtteil Oberhausen reiste eigens ein Kalif aus London ein. Die Glaubensgemeinschaft sieht sich als Vertreter des friedlichen Islam.

Nach acht Jahren Diskussion und Bauzeit hat Augsburg seine erste repräsentative Moschee. Sie misst 350 Quadratmeter und steht an einer der Ausfallstraßen Richtung Norden. Für die Eröffnung war Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad extra aus London angereist.

Neue Moschee in Augsburg wurde durch Spenden finanziert

Der 67-Jährige ist das Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya Muslim Jemaat (AMJ). Augsburg ist nicht seine einzige Station, er hat ein strammes Programm. Sein Vorgänger rief 1989, zum 100-jährigen Bestehen der Ahmadiyya in Deutschland, ein 100-Moscheen-Projekt aus, das die deutsche, etwa 42.000 Mitglieder starke Gemeinde seither abarbeitet. Innerhalb von einem Jahr konnten sie zehn Neubauten realisieren. Das „Bait un-Nasir“, übersetzt „Haus des Helfers“, in Augsburg ist die 51. Ahmadiyya-Moschee im Bundesgebiet.

Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad reiste zur Eröffnung der neuen Moschee in Augsburg aus London an.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Kosten von 600.000 Euro stammen aus der Zentrale in Frankfurt. Zur Finanzierung dienten Spenden und Mitgliedsbeiträge, die bei 6,2 Prozent des Bruttogehalts liegen. Außer in Augsburg können sich bayerische Ahmadiyya-Ortsgemeinden auch in Neufahrn und Würzburg in neuen Moscheen zum Gebet versammeln. In Nürnberg entsteht die vierte. Bei allen vier Häusern planten die Gemeinden ohne Minarett, dafür mit einem jeweils zwei bis drei Meter hohen Turm neben der Kuppel. Denn auch in Augsburg war es zu Protesten gekommen. Vor zwei Monaten wurde überdies die Außenwand der fast fertigen Moschee mit dem islamfeindlichen Spruch „Wer baut Kirchen in der Türkei – Deutsche wacht auf“ besprüht.

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Ahmadiyya-Islam kommt aus Indien

AMJ-Bundesvorsitzender Abdullah Uwe Wagishauser betonte, dass seine Gemeinschaft ein Zeichen für den friedlichen Islam setzen wolle. Die weltweit 15.000 Moscheen der AMJ stünden für ein „klares Bekenntnis gegen extremistische und fundamentalistische Auswüchse“. In ihrer Tradition folgt die AMJ dem sunnitischen Islam. Gründer Mirza Ghulam Ahmad (1835-1908) lebte im britisch besetzten Indien und predigte die gewaltlose Verteidigung des Islam gegen die Missionierung der Briten. Er erklärte, er sei der von Muslimen erwartete Messias und seine Schriften seien von Gott geoffenbart worden. Seither sprechen vor allem orthodoxe Sunniten den gewählten Nachfolgern des Gründers (Kalifen) und den Anhängern ab, überhaupt zur islamischen Gemeinschaft zu gehören. Dem sunnitischen Mainstream zufolge kann es seit dem Propheten Muhammad keine Offenbarungen und Propheten mehr geben.

„Eben wegen dieser Ächtung stehen Ahmadis zur Demokratie“, erklärt der Religionswissenschaftler Peter Antes, der über die Gemeinschaft forscht. Und was hält er von der auch in der Augsburger Gemeinde gelebten Sittenstrenge, der starken Sozialkontrolle und der sehr strikten Geschlechtertrennung? „Unsere Gesellschaft mit ihrem Recht auf selbstbestimmtes Leben kollidiert mit diesen Normen, nach denen der Einzelne der Gemeinschaft unterzuordnen ist.“ Eine offene Gesellschaft könne jedoch von der Ahmadiyya wie auch von der katholischen Kirche die Akzeptanz selbstbestimmter Lebensweisen einfordern. Das sei kein Zeichen von Intoleranz, sondern legitim. „Ich denke, die Ahmadiyya ist ohnehin im Umbruch“, sagt Antes. mit dpa

Lesen Sie dazu auch: Ahmadiyya in Augsburg: Endlich eine eigene Moschee

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