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Gesundheit

01.07.2013

Hausarzt-Mangel: In Bayern stehen 600 Praxen leer

In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen warnt Interview Verbandschef Geis vor einem Notstand. Er meint, dass der Beruf attraktiver gemacht werden soll.
Bild: David Ebener, dpa

In einem Interview mit unserer Zeitung warnt Dieter Geis, Chef des Bayerische Hausärztetags, vor einem Notstand. Er meint, dass der Beruf attraktiver gemacht werden soll.

An diesem Wochenende fand der Bayerische Hausärztetag in Augsburg statt. Wir sprachen mit Dr. Dieter Geis, dem Vorsitzenden des Verbandes.

Herr Geis, die bayerischen Hausärzte sind leiser geworden. Stimmt dieser Eindruck.

Geis: Ja, wir sind sicherlich leiser geworden, aber deswegen nicht weniger zielgerichtet.

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Welche Probleme haben Sie?

Geis: Immer weniger Mediziner entscheiden sich für den Beruf des Hausarztes. Ein Hauptgrund ist die fehlende nachhaltige Sicherung der Hausarztverträge nach altem Recht, die nur noch bis Mitte 2014 gelten. Wir fordern deshalb die Bundespolitik auf, hier schnell zu handeln. Weitere Ursachen liegen zum einen in der Ausbildung, wie sie zurzeit noch praktiziert wird, zum anderen, in dem was die Hausärzte leisten müssen: Bereitschaftsdienste, lange Arbeitszeiten, große Patientenzahlen und natürlich auch in der nicht adäquaten Bezahlung.

Pflichtquartal für Medizin-Studenten

Sie kritisieren die Ausbildung...

Geis: Die Studierenden werden im Studium viel zu spät an die Arbeit in der Hausarztpraxis herangeführt. Meist schon zu einem Zeitpunkt, wo sie sich schon für eine andere Fachrichtung entschieden haben. Wir fordern deshalb, dass alle Medizin-Studenten ein Pflichtquartal in Allgemeinmedizin absolvieren, wie es bereits für die Fachbereiche Innere und Chirurgie vorgeschrieben ist.

Sie warnen seit Jahren vor einem drohenden Hausärztenotstand. Hat sich seitdem etwas bewegt?

Geis: Wir haben als Bayerischer Hausärzteverband immerhin erreicht, dass wir in den Universitäten in Bayern jetzt fast flächendeckend Lehrstühle für Allgemeinmedizin bekommen. In Erlangen wird der Lehrstuhl gerade besetzt, in Würzburg ist einer vom Ministerium genehmigt worden und ein weiterer ist noch an der Uni München im Gespräch. Da bewegt sich schon etwas.

Der Nachwuchs fehlt

Ein Problem ist aber auch der Altersdurchschnitt der Ärzte ...

Geis: Er liegt momentan bei 52,5 Jahren. 25 Prozent der Hausärzte sind über 60. In drei bis fünf Jahren wird es also dramatisch. Diese Kollegen werden in den Ruhestand gehen. Und der Nachwuchs fehlt eben.

Wie viele der Absolventen werden derzeit Allgemeinmediziner?

Geis: Von den jährlich 1800 Facharztprüfungen, die jährlich in Bayern abgelegt werden, sind 180 im Fach Allgemeinmedizin. Das sind nur zehn Prozent. Früher hatten wir ein Verhältnis von 60 Prozent Allgemein – zu 40 Prozent Fachärzten.

Hausarzt-Mangel in Augsburg absehbar

Wo liegen die regionalen Brennpunkte für eine drohende Unterversorgung mit Hausärzten?

Geis: In Unterfranken in der Rhön und den Haßbergen, in Oberfranken, im Bayerischen Wald. Auch in der schwäbischen Region gibt es Brennpunkte. Selbst in Augsburg ist der Hausarzt-Mangel absehbar. 14 Augsburger Hausärzte sind älter als 66 Jahre, 38 Kollegen zwischen 61 und 65 Jahre alt. Dann verbleiben 140 Hausärzte, je 1929 Bürger einer. Diese Zahlen sind symptomatisch für die ganze Region.

Wie ist die gesamtbayerische Situation?

Geis: Wir haben zurzeit 600 nicht zu besetzende Hausarztsitze. Jede Woche schließt eine Hausarztpraxis ohne Nachfolger für immer.

Unterstützung durch die Politik

Was muss sich politisch ändern?

Geis: Die Politik muss den Hausärzten Unterstützung bieten, damit sie eine sichere und planbare Zukunft aufbauen können. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung der hausarztzentrierten Versorgung über gesicherte Hausarztverträge.

Welche Botschaft soll vom Hausärztetag in Augsburg ausgehen?

Geis: Wir Hausärzte appellieren an die Politik, an die Krankenkassen und an die Universitäten dafür zu sorgen, dass die Ausbildung zum Hausarzt – dem schönsten Beruf des Arztes – wieder forciert wird und wir in fünf Jahren nicht in einen Patienten-Versorgungsnotstand hineinrutschen.

Interview: Joachim Bomhard

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