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Die FFP2-Maskenpflicht jetzt zu lockern, wäre ein Fehler

Kommentar Von Stephanie Sartor
22.07.2021

Der Blick in andere Länder zeigt, dass die Pandemie durch die Delta-Variante wieder Fahrt aufnimmt. Daher ist es richtig, an der FFP2-Maskenpflicht festzuhalten.

Die Prognosen sind so düster wie Gewitterwolken am Sommerhimmel: Im Oktober könnte die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland auf 800 ansteigen, warnt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Dass ein solches Szenario nicht nur ein Schreckgespenst ist, sondern bittere Realität werden könnte, zeigt der Blick ins Ausland. Innerhalb von nur drei Wochen hat sich in Griechenland die Inzidenz versechsfacht, in Großbritannien rasen die Werte auf 500 zu, auf Zypern ist diese Zahl längst überschritten. Dass man in Deutschland, wo die Infektionen ebenfalls steigen und sich die Delta-Variante ausbreitet, vorsichtig bleibt und dass Bayern die strenge FFP2-Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften beibehält, ist deswegen richtig.

In Deutschland herrscht eine gewisse Impfmüdigkeit

Natürlich darf man nicht nur auf die Inzidenzen blicken. Auch die Zahl derer, die tatsächlich schwer erkranken und im Krankenhaus behandelt werden müssen, spielt eine wichtige Rolle. Aber klar ist auch: Je höher die Inzidenz, je mehr Infektionen es gibt, desto mehr Menschen werden auch schwere Verläufe haben – und sterben. Deswegen muss dieses Wachstum gebremst werden. Und FFP2-Masken können – richtig verwendet – dazu beitragen.

Hinzukommt: In Deutschland hat sich eine gewisse Impfmüdigkeit breitgemacht. Mitunter muss der Impfstoff wie Sauerbier angepriesen werden. 48 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft – das reicht bei weitem nicht aus, um das Virus wirksam zurückzudrängen. Wenn sich also nicht genügend Menschen impfen lassen, dann bleiben nur die konventionellen Maßnahmen: Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen. Und sind wir mal ehrlich: Beim Einkaufen und im Bus verbringt man meist keine Stunden. Da ist eine FFP2-Maske zumutbar. Für den Eigenschutz – und den Schutz anderer.

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23.07.2021

Vergleichen wir Bayern mit anderen Bundesländern in denen die FFP2-Maske keine Pflicht ist - gibt es da wesentliche Unterschiede in dem ganzen Infektionszirkus? Zumindest sind sie nicht erkennbar. Maske, wegen mir auch FFP2, nur da wo sie sinnvoll ist - also bestimmt nicht im Freien.

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22.07.2021

Ganz ehrlich?

Gerade wegen der Delta-Variante fordere ich die Aufhebung der Maskenpflicht, weil ich es mittlerweile leid bin, Rücksicht auf die Leerdenker und Impfverweigerer nehmen zu müssen, weil diese Personen sich ebenfalls asozial verhalten und sich nicht impfen lassen.
Solidarität ist keine Einbahnstraße.

Sicherlich kann ich mich als vollständig Geimpfter wieder anstecken, aber das Risiko eines schweren Verlaufes ist überschaubar und das gehe ich sehr gerne ein.

Wenn die Herdenimmunität nicht durch die Impfung erreicht werden kann, hilft nur eine Durchseuchung der Bevölkerung. Und da bin ich gerne bereit, dafür meinen Beitrag zu leisten.

Weg mit der Maske.

In diesem Sinne

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23.07.2021

Herdenimmunität ist deshalb schon ein Wunschtraum, da die Impfung, das zeigen die Daten immer mehr, keine sterile Immunität erzeugt. Das heißt, das man sich trotz Impfung weiterhin anstecken und das Virus auch weitertragen kann. Bei der Impfung gegen SARS-CoV-2 geht es also - wie bei vielen anderen Impfungen auch - um Eigenschutz (vor einem schweren Verlauf) und nicht um den direkten Schutz der Umgebung.



Lediglich die schweren Verläufe werden reduziert

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23.07.2021

Zur Herdenimmunität ganz aktuell und offiziell vom RKI:

"Die Vorstellung des Erreichens einer „Herdenimmunität“ im Sinne einer Elimination
oder sogar Eradikation des Virus ist jedoch nicht realistisch."

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Downloads/Vorbereitung-Herbst-Winter.pdf?__blob=publicationFile

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22.07.2021

Sorry Frau Sartor, das ist Quatsch.

Bayern ist mittlerweile das einzige Bundesland, welches die FFP2-Tragepflicht hat. Lediglich in Berlin muss im ÖPNV noch FFP2 getragen werden. Auch in Österreich gilt die FFP2-Masken-Pflicht seit längerem nur noch in Kliniken. Ansonsten gibt es meines Wissens kein Land mehr, welches explizit diese - für den Arbeitsschutz entwickelte Maske - vorschreibt.

Trotz FFP2-Masken hat Bayern seit deren Einführung im Januar keine wesentlichen anderen Kennzahlen (Inzidenz, Hospitalisierung, C19-Todesfälle) als andere (Bundes-)Länder. Ganz im Gegenteil: Inzidenzen und Todesfälle liegen immer über dem Deutschlandschnitt (siehe RKI Lageberichte)...Selbst im Vergleich zu Schweden, welches Masken in bestimmten Bereichen lediglich empfohlen hat und kein Mandat vorgeschrieben hat, zeigen die bayerischen Zahlen keine besseren Werte.

Wissenschaftlich gesehen gibt es keinen Vorteil der FFP2 Maske gegenüber einer normalen chirurgischen Maske, ausser dass sie teurer sind und den Atemwiderstand erhöhen, was zu körperlichen Einschränkungen (gerade bei alten Menschen) und bei Infizierten Personen zu einer höheren Virenlast und damit zu einem intensiveren Krankheitsverlauf führen kann (verstärkte Rückatmung).

Auch wenn Labor- oder Modellierungsstudien teilweise Unterschiede aufzeigen, in der realen Welt, also unter tatsächlichen Tragebedingungen, gibt es wissenschaftlich gesehen zwischen FFP2- und anderen Masken keine Wirkunterschiede. Jefferson et al. zeigen in einem Cochrane-Review nach Auswertung von 67 relevanten Studien (Stand November 2020) zur Fragestellung, ob Hygienemaßnahmen oder das Tragen von Masken die Ausbreitung von Atemwegsviren unterbrechen oder verringern, dass das Tragen einer Maske möglicherweise (geringe Evidenz) nur einen geringfügigen oder keinen Einfluss hat. Einen geringfügigen bis keinen Unterschied finden sie in der Wirkung zwischen chirurgischen und partikelfilternden Masken (N95/P2). Auch das schweizer Nationale Zentrum für Infektionsprävention swissnoso sieht auf Basis aktueller Studien derzeit (Stand März 2021) keine Überlegenheit von FFP2-Masken gegenüber chirurgischen Masken. Sie weisen darauf hin, dass FFP2-Masken nur bei der Durchführung von Aerosol-generierenden Massnahmen bei PatientInnen mit Verdacht oder laborbestätigter SARS-CoV-2 Infektion zwingend notwendig sind, in allen übrigen (klinischen) Situationen bieten chirurgische Masken zusammen mit der strikten Einhaltung allgemeiner Hygienemassnahmen einen guten Schutz.

Quellen:
Physikalische Interventionen zur Unterbrechung oder Verringerung der Ausbreitung von Atemwegsviren https://www.cochrane.org/de/CD006207/ARI_konnen-physikalische-massnahmen-wie-handewaschen-oder-das-tragen-von-masken-die-ausbreitung-von
Position der Swissnoso zum Einsatz von FFP2 Masken für Gesundheitspersonal mit direktem Patientenkontakt in Akutspitälern, im Kontext der Covid-19 Pandemie und der Ausbreitung neuerer SARS-CoV-2 Virusvarianten https://www.swissnoso.ch/fileadmin/swissnoso/Dokumente/5_Forschung_und_Entwicklung/6_Aktuelle_Erreignisse/210302_Swissnoso_Position_FFP-2_DE_v0.1.pdf

Dass wir in Bayern weiterhin FFP2-Masken tragen müssen, ist also eine rein politische Entscheidung und hat mit Gesundheitsschutz nichts zu tun! Und wir Bayern machen brav alles mit und lassen uns gängeln...

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