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Verkehr

04.08.2017

Pilotprojekt auf der A8: So bildet man eine Rettungsgasse

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So soll sie aussehen, eine gelungene Rettungsgasse: Was bei zweispurigen Autobahnen noch relativ gut gelingt, wird bei dreispurigen Straßen allerdings oftmals zum Problem.
Bild: Wilhelm Schmid

Wie ein Pilotprojekt auf der A8 Autofahrer beibringen will, wo sie Rettungsgassen bilden sollen. Ein Helfer sieht ein noch viel größeres Problem.

Ein Unfall. Ein kilometerlanger Stau. Auto an Auto – und von hinten kommt der Krankenwagen und hat keinen Platz, um zur Unfallstelle zu gelangen. Nicht erst seit dem dramatischen Busunglück auf der A9 vor wenigen Wochen, bei dem 18 Menschen verbrannten und sich die Einsatzkräfte danach über die fehlende Rettungsgasse beschwerten, wird das Thema heiß diskutiert. Immer wieder kommt es zu den gleichen Problemen: Autofahrer machen keinen Platz und hindern die Helfer so an ihrer Arbeit.

Am Donnerstag wurde nun in Bayern ein Pilotprojekt gestartet. Auf der A8 zwischen dem Autobahnkreuz München-Süd und der Anschlussstelle Holzkirchen wird seither bei stockendem Verkehr oder Stau auf den digitalen Anzeigen über der Fahrbahn an das Freihalten einer Spur für Rettungswagen, Polizei und Notärzte erinnert. „Wir erwarten uns davon mehr Verkehrssicherheit. Sollte das Pilotprojekt gut laufen, planen wir, weitere Schilderbrücken auf Bayerns Autobahnen entsprechend auszurüsten“, sagte Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU).

Der Vorteil der digitalen Anzeige bestehe darin, dass das rote Dreieck mit dem Ausrufezeichen und dem Wort „Rettungsgasse“ nur dann angezeigt wird, wenn es verkehrsbedingt auch wirklich notwendig und dann auch genau anzeigt, wo die Gasse zu bilden ist, nämlich zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen. Das einjährige Pilotprojekt ist Teil einer von Verkehrsministerium und ADAC zum Beginn der Sommerferien gestarteten Aufklärungskampagne zur Bildung von Rettungsgassen. Dazu gehören auch ein Flyer, der in mehreren Sprachen aufgelegt wurde, eine App für Smartphones sowie zusätzliche Banner, die an Autobahnbrücken montiert werden.

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„Das ist gut so, allerdings hätte man auf diese Idee auch schon deutlich früher kommen können“, sagt Heiko Feist. Der 49-jährige ist ehrenamtlicher Feuerwehr- und Rettungsdienstmitarbeiter in der Region Neu-Ulm und hat seit jeher mit dem Problem zu kämpfen, dass Autofahrer keine Rettungsgasse bilden. Vor rund drei Jahren entwarf der gelernte Grafiker schließlich einen Autoaufkleber, mit dem auf die Rettungsgasse hingewiesen wird. Innerhalb weniger Wochen schlossen sich im Internet zehntausende Menschen seiner Kampagne an und er verschickte bundesweit die Aufkleber.

Was geht in den Köpfen von Gaffern vor?

In der Zwischenzeit gibt es von diesen im Netz unzählige – in sämtlichen Farben, Größen und Ausführungen. „Im ersten Moment habe ich mich über die Nachahmer geärgert, aber mittlerweile bin ich der Meinung: Je mehr Menschen so einen Aufkleber auf dem Auto haben, desto besser.“ Doch wie nachhaltig ist die Wirkung der Aufkleber? „Ich finde schon, dass sich die Situation ein bisschen verbessert hat. Aber es ist immer noch viel zu tun“, sagt Feist. Die digitalen Anzeigen auf der A8 seien ein Puzzleteil. Höhere Strafen für Blockierer und Gaffer seien ebenfalls dringend nötig. „Die müssen so hoch sein, dass es wirklich weh tut. Das spricht sich dann auch rum“, glaubt Feist.

Während er der Meinung ist, dass das Thema Rettungsgasse bei immer mehr Menschen ankomme, sieht er das Problem der Gaffer immer größer werden: „Sie machen Fotos und Videos von Unfällen und stellen die dann ins Netz – das wird immer schlimmer. Ich weiß gar nicht, was bei den Leuten im Kopf vorgeht“, wundert sich Feist.

Psychologe: Der Mensch sucht die Aufregung

„Die eine“ Antwort auf diese Frage gibt es nicht, sagt Sozialpsychologe Dr. Roland Deutsch von der Universität Würzburg. Stattdessen spielten mehrere Faktoren zusammen: Menschen fühlten sich schon immer zu spannenden, aufregenden Dingen und Situationen hingezogen. „Deshalb lesen wir gerne Kriminalromane, schauen Horrorfilme oder steigen auf dem Rummelplatz in gefährlich aussehende Fahrgeschäfte“, so Deutsch. Auch Unfälle seien eine Möglichkeit, das persönliche Aufregungsbedürfnis zu befriedigen. Da schaue man oft auch ungewollt hin.

Deutsch vermutet außerdem, dass negative Ereignisse die menschliche Aufmerksamkeit auch deswegen so stark anziehen, weil wir aus dem Unglück anderer lernen wollen, „um nicht den gleichen Fehler zu machen und so unser eigenes Überleben zu sichern.“ Untersucht worden sei diese Theorie aber noch nicht.

Ein zweiter erwiesener Faktor, der Schaulustige antreibt, ist die Aufmerksamkeit, die sie erfahren, wenn sie ihre Filme und Fotos im Internet verbreiten. Deutsch nennt das die „soziale Belohnung“ – und die gibt es nicht erst, seitdem jeder ein Smartphone mit Kamera in der Tasche hat.

„Früher hat man eben mit Freunden, Familien und Nachbarn über das Erlebte geredet und so Anerkennung bekommen“, sagt Deutsch. Die Wichtigkeit dieser sozialen Belohnung habe sich durch Smartphones und soziale Netzwerke aber erhöht.

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Die Diskussion ist geschlossen.

05.08.2017

Nun ja:

Um jedoch auf den Beitrag zurück zu kommen:

Ich fahre die A8 / A99 Richtung München und zurück täglich und kann durchaus behaupten, dass ich weiß wie es dort "zugeht". Eigentlich müsste jeder, der die gleichen Autobahnen täglich fährt über die Verkehrssituation wissen und damit auch die Verkehrsabschnitte an denen es tagtäglich zu Verkehrsbehinderungen kommt. Der Weg zur Arbeit hat mir aber gezeigt, dass dem leider nicht so ist. Speziell an den Stellen die immer wieder als Unfallschwerpunkte angezeigt werden, rasen auch speziell die heimischen Fahrer dort.

Abstand zum Vordermann ist ein Fremdwort. Egal ob bei stockendem Verkehr oder bei Stau. Auffähren zum Vordermann bis nicht mal mehr ein Blatt Papier zwischen den Stoßstangen reinpasst. Und ich rede nicht nur von stockenden Verkehr; 130 km/h und Abstand von unter 10 Meter sind keine Seltenheit sondern Realität. Regen, Schnee, Schneetreiben, Glätte...
Im Zweifel war der andere Schuld. "Spurspringer" und "Scheuklappen-Fahrer", Egoisten und Egomanen, die zwar mit jeder Menge an Elektronik im Fahrzeug ausgestattet sind, aber deren IQ bei befahren einer Autobahn sich zwischen NIX und Null einpendelt.

Eine Rettungsgasse kann nur dann gebildet werden, wenn Autofahrer auch mitdenken. Linke Spur nach links, alle anderen nach rechts.
Nur was ist, wenn auf einer 3-spurigen Autobahn rechts neben dir auf der äußeren rechten Spur ein LKW fährt dem das egal ist und mehr zur mittleren Fahrspur tendiert als nach rechts?
Speziell die Österreichischen LKW-Fahrer sind anscheinend der Meinung, dass sie es nicht mehr nötig haben eine Rettungsgasse vorzubereiten.
Sie fahren ja im Ausland und da sind die paar Euro Strafe, im Gegensatz in ihrem Heimatland, ein Klacks.

Und, damit keiner auf die Idee kommt ich rege mich nur über Ausländische LKWs auf:
Eine Brauerei, in der Nähe von Augsburg, die mit einer Kolonne an Fahrzeugen u.a die A8 Richtung München und Garmisch befährt, sollte ihren Fahrern dringendst zeigen dass es auch in deren LKWs Rückspiegel und Blinkerhebel gibt.

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04.08.2017

(Beitrag vorläufig gelöscht/Pseudonyme sind nicht gestattet/Bitte beachten Sie unsere Regeln/Bei weiteren Fragen bitte Mail an moderator@augsburger-allgemeine.de)

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04.08.2017

Achja nochwas die Österreicher machen uns ja so einiges nach... Vielleicht sollten wir ihnen mal was nachmachen und zwar das Bußgeld erheben und nicht nur 20 sondern 2000 oder nach dem einkommen ermessen es anpassen... weil wenn jemand seine 5000 euro im Monat zur Verfügung hat wieso sollten ihn 20 euro interessieren...

Diese Anzeigen sind total unnötig... viel wichtiger wäre es auf den Anzeigen das Rechtsfahrgebot anzuzeigen weil das anscheinend genauso wenige kennen...

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