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Interview
28.02.2024

Uschi Glas: „Wir alle müssen Haltung zeigen“

"Ein Schätzchen war ich nie" heißt das neue Buch von Uschi Glas. Am 2. März wird die Schauspielerin 80 Jahre alt.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Uschi Glas wird 80 Jahre alt. Im Interview spricht sie über Nacktszenen, Rassismus, ein Gerücht aus ihrer Kindheit – und sie erklärt, warum sie kein Schätzchen sein möchte.

Frau Glas, mit „Zur Sache, Schätzchen“ hatten Sie vor mehr als 55 Jahren Ihren großen Durchbruch. In wenigen Tagen werden Sie 80 Jahre alt und für viele sind Sie immer noch das „Schätzchen“ von 1968. Aber jetzt erscheint Ihr neues Buch „Ein Schätzchen war ich nie“. Warum wollen Sie kein Schätzchen sein?

Uschi Glas: Unter einem „Schätzchen“ verstehe ich eine anschmiegsame Frau, die schüchtern zum Mann emporschaut. So wollte ich nie sein, und so war ich auch nie. Ich habe immer versucht, mir selbst treu zu bleiben, selbst wenn ich damit jemanden vor den Kopf gestoßen habe. Ich habe mich nicht selbst hintergangen, sondern darauf geachtet, mit mir selbst im Reinen zu sein, um so auch mein eigenes Seelenpflänzchen zu schützen. Mein Buch ist ein Appell an die Leserinnen und Leser, vor allem an die Frauen, sich nicht unterbuttern zu lassen, zu sich selbst zu stehen und alles dafür zu tun, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. 

Im Bundestagswahlkampf 1972 setzten Kolleginnen und Kollegen, Filmschaffende und Produzenten Sie unter Druck, sich der Kampagne „Willy wählen“ anzuschließen. Aber Sie wollten keinen Wahlkampf für Willy Brandt machen. Warum?

Glas: Der ganze junge deutsche Film war damals von Willy Brandt begeistert. Viele der Filmschaffenden standen politisch links, und für die Israel-Kritik hin zu Antisemitismus von einigen aus der Szene hatte ich gar kein Verständnis. Mit meiner Haltung machte ich mir keine Freunde, denn plötzlich hieß es: „Wenn Du nicht mitmachst, bist Du beim jungen deutschen Film draußen, dann werden Dich alle ignorieren, dann wirst Du keine einzige Rolle mehr kriegen.“ Weil ich mich nicht habe zwingen lassen, ist diese Weissagung tatsächlich so eingetreten. Dabei hätte ich sehr gern im jungen deutschen Film mitgespielt.

Hat dieser Trotz etwas mit Ihrer Kindheit zu tun?

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Glas: Rückblickend muss ich sagen, dass mein Vater ein sehr lieber Mann war, aber als Kind habe ich ihn vor allem als sehr streng wahrgenommen. Ich wäre gern aufs Gymnasium gegangen, aber mein Vater war der Meinung: „Du bist hübsch, du heiratest eh mit 24 und kriegst zwei Kinder, dann ist die Sache geritzt. Dafür brauchst Du nicht auf die höhere Schule gehen.“ Darum habe ich nur die Mittlere Reife. Mein Vater hatte stets das letzte Wort. Aber ich habe schon als Kind begriffen: Mein Vater kann mir vielleicht verbieten, noch etwas zu sagen, aber er kann mir nicht verbieten, zu denken, was ich will. 

In Ihrem Geburtsort Landau an der Isar waren Sie und Ihre Familie krasse Außenseiter. Hat auch das Ihren Trotz genährt? 

Glas: Wahrscheinlich. Mein Vater war im erzkonservativen katholischen Niederbayern sozialdemokratischer Protestant aus Franken. Mehr Außenseiter geht kaum. Meine Mutter kam aus Schwaben und war ursprünglich katholisch, ist aber zum evangelischen Glauben konvertiert, um meinen Vater heiraten zu können. Das war damals eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Wir wurden „Ketzer“ genannt. Und weil ich einen etwas dunkleren Teint und dunkle Locken hatte, wurde ich zudem „Negerlein“ genannt. 

"Weil ich einen etwas dunkleren Teint und dunkle Locken hatte, wurde ich „Negerlein“ genannt", erzählt Uschi Glas im Interview.
Foto: Uschi Glas Privatarchiv

Hinter diesem rassistischen Spitznamen steckte ein Gerücht.

Glas: Ja, es gab das Gerücht, dass mein Vater ein schwarzer amerikanischer Soldat war. Aber das war schon rein rechnerisch unmöglich, weil ich geboren wurde, bevor amerikanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg deutschen Boden betreten haben. Aber all die Ausgrenzungen und Anfeindungen haben mich nicht gebrochen, sondern meinen Widerspruchsgeist erst so richtig geweckt. 

In „Zur Sache, Schätzchen“ sollten Sie in der berühmtesten Szene laut Drehbuch eigentlich nackt sein. Aber Sie wollten das nicht und haben sich auf eigene Kosten für die Szene eine Korsage anfertigen lassen. Auch später haben Sie nie eine Nacktszene gespielt. Warum?

Glas: Als Schauspielerin musst du immer deine Seele nach außen kehren, du musst die Gefühle der Rollen nicht nur spielen, sondern sie auch leben. Deshalb habe ich nie eingesehen, mich quasi doppelt nackt zu machen und mir auch noch die Klamotten vom Leib zu reißen. Aber im jungen deutschen Film war das damals Mode. Spätestens auf der 15. Seite des Drehbuchs hieß es immer: „Die Hauptdarstellerin lässt die Hüllen fallen.“ Meistens ohne jeden Grund, ohne dass die Szene es hergab! Meine Agentin sagte damals: „Uschi, jetzt stellen Sie sich doch nicht so an. Sie sind doch so gut gebaut. Sie können sich das doch leisten. Alle machen das!“ Meine Antwort darauf war stets: „Es kann schon sein, dass ich es mir leisten kann, aber ich möchte es nicht. Und wenn alle da mitmachen, mache ich erst recht nicht mit.“

Was finden Sie so schlimm an Nacktszenen?

Glas: Sie machen den Film meistens nicht besser. Aber besonders unverständlich finde ich es, eine Nacktszene als einen Akt der Emanzipation zu verkaufen. Was soll emanzipiert daran sein, sich von Männern auf den Busen starren zu lassen? Meine männlichen Kollegen mussten sich doch auch nicht sinnlos nackert machen. 

Sind Sie eigentlich gläubig? 

Glas: Ja. Ich glaube jedoch nicht daran, dass es einen evangelischen, katholischen, muslimischen oder jüdischen Gott gibt. Aber ich glaube zu 100 Prozent an die Existenz eines höheren Wesens. Ich bete jeden Abend und lasse den Tag so Revue passieren. Da mögen Leute drüber lachen, aber das ist mein Zwiegespräch, meine Tagesbilanz. Ich will nicht einfach sagen: „Ist doch alles in Ordnung“ und über das hinweggehen, was nicht in Ordnung ist. Die Welt ist so aus den Fugen geraten, dass jeder sich auch um andere kümmern muss, statt ständig nur an sich zu denken. Ich glaube, dass wir alle eine Verantwortung für das Funktionieren der Gesellschaft tragen und jeder sich fragen sollte: „Wo kann ich mich engagieren? Wo muss ich aufstehen und sagen: So geht das nicht!“

Millionen Menschen haben in den vergangenen Wochen genau das getan, sich an Demonstrationen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus beteiligt.

Glas: Ich habe die Straßen in München noch nie in meinem Leben so voll gesehen, wie bei der großen Demonstration gegen rechts, die Ende Januar wegen des zu starken Andrangs aufgelöst werden musste. Es hat mich sehr gefreut, dass so viele Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit aufgestanden sind. Mein Mann und ich nehmen zudem seit Wochen an der „Run for their Lifes“ – Solidaritätsveranstaltung teil, die auf das Schicksal der von der Hamas verschleppten Geiseln aufmerksam macht und sich für ihre Befreiung einsetzt.

Machen Ihnen die starken Umfragewerte der AfD Sorgen?

Glas: Ja, natürlich, aber dass jetzt Millionen für die Demokratie auf die Straße gehen, beruhigt mich auch. Ich habe nach dem bekannt gewordenen Geheimtreffen der Rechten in Potsdam das erste Mal das unsägliche Wort „Remigration“ gelesen, letztendlich ein beschönigender Ausdruck für Deportation. Das ist doch ungeheuerlich! Wo leben wir denn? Wenn ich mir überlege, wie viele Menschen sich jetzt fürchten, wie viele Menschen sich in Deutschland nicht mehr wohlfühlen und wie viel Menschen darüber nachdenken, dieses Land zu verlassen – darunter meine jüdischen Freunde, die sich nicht mehr trauen ihren David-Stern zu tragen –, dann macht mich das sehr traurig. Mir ist das wirklich ein zutiefst wichtiges Anliegen, weshalb ich in meinem Buch auch deutlich sage: Wir alle müssen Haltung zeigen, wir brauchen Menschen, die widersprechen. 

Zur Person: Uschi Glas wurde am 2. März 1944 als Helga Ursula Glas im niederbayerischen Landau an der Isar geboren. Nach der Mittleren Reife arbeitete sie als Buchhalterin und Sekretärin, bevor sie 1966 in „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ und 1968 in der Komödie „Zur Sache, Schätzchen“ zu sehen war. 

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