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Energie
11.06.2024

So wollen zwei Kantone Wasserstoff nach Bayern bringen

Mitte der 1960er Jahre: Pipelinebau am Bodenseeufer zwischen Bregenz und Lindau. Hätte beim späteren Erdöltransport eine der Röhren ein Leck bekommen, wäre womöglich eine Umweltkatastrophe die Folge gewesen.
Foto: Vorarlberger Landesbibliothek, Sammlung Rudolf Zündel.

Früher galt die Pipeline am Bodensee als eine der wichtigsten Schlagadern für die süddeutsche Wirtschaft. Wo einst Erdöl floss, könnte künftig grüner Wasserstoff transportiert werden.

Nur weg damit, bevor noch der Bodensee durch eine Umweltkatastrophe versaut wird – oder der Hinterrhein im Bündnerland samt der bezaubernden Alpenregion unterhalb des Splügenpasses. So lässt sich kurz zusammenfassen, wie verrufen einst eine bestimmte Erdölpipeline war. Dabei klingt ihre Bezeichnung nach großer geo-strategischer Bedeutung: Central European Line, ab 1966 dafür gedacht, von der italienischen Hafenstadt Genua aus Erdöl am östlichen Bodensee vorbei, zu neu gebauten Raffinerien beim bayerischen Ingolstadt zu bringen.

Die mehr als 700 Kilometer lange Pipeline galt lange als eine der wichtigsten Schlagadern für die süddeutsche Wirtschaft. Die Kapazität: 1,1 Millionen Barrel am Tag. Doch 1997 war Schluss mit dem Transport des schwarzen Goldes. Künftig könnten aber Teile der gewaltigen stählernen Rohrleitung etwas befördern, das nach Ansicht mancher Energie-Experten höchst zukunftsträchtig ist: grünen Wasserstoff, gewonnen mithilfe regenerativer Energien, damit umweltfreundlich und als Ersatzstoff für fossile Brennstoffe gepriesen.

Pipeline am Bodensee: Offenbar soll am großen Rad gedreht werden

Tatsächlich existiert ein entsprechender Vorstoß. Aktiv geworden sind die Schweizer Kantone Graubünden und St. Gallen. Sie haben jüngst in einer offiziellen Mitteilung "den gemeinsamen Willen für eine Umnutzung der früheren Erdölpipeline" signalisiert.

Nun sind die beiden Kantone sicher nicht der Nabel der Energiewelt. Sie stehen eher für die St. Galler Stiftsbibliothek, Heidiland, teure Skidestinationen wie St. Moritz und luftige Bergeshöhen. Nichtsdestotrotz wird von den Verantwortlichen deutlich gemacht, dass eine Nachnutzung der Pipeline nicht nur "kantonale Bedeutung hat, sondern für die gesamte Ostschweiz, den Bodenseeraum und den Alpenraum relevant ist und ein starkes Interesse an der grenzüberschreitenden Kooperation im Bereich Wasserstoff besteht".

Offenbar soll am großen Rad gedreht werden. Ein Hinweis aus dem Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St. Gallen verdeutlicht dies. Dabei geht es um eine Veranstaltung am 19. und 20. Juni: den "internationalen Hydrogen Summit St. Gallen". Zentral soll bei diesem Gipfeltreffen "der Austausch mit den wesentlichen industriellen Ballungsräumen Bayern, Baden-Württemberg, Lombardei und Westösterreich" sein. Ökonomisch stärker geht es in Europa praktisch nicht mehr.

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"Erneuerbarer Wasserstoff ist ein entscheidender Bestandteil unserer Strategie für eine kosteneffiziente Energiewende"

Gleichzeitig gliedert sich die Konferenz in die 2020 beschlossene europäische Wasserstoffstrategie ein. Gegenwärtig mag sie zwar noch ein Luftschloss sein. Doch die Pläne für den Kontinent sind ehrgeizig. Selbst Nordafrika ist auf dem Radar. Der Gedanke: Noch zu bauende Solarkraftwerke sollen dort möglichst günstig den Ökowasserstoff produzieren. Über Leitungen durchs Mittelmeer würde er dann nach Norden kommen. "Erneuerbarer Wasserstoff ist ein entscheidender Bestandteil unserer Strategie für eine kosteneffiziente Energiewende", verlautbart etwa EU-Energie-Kommissarin Kadri Simson.

Die ehedem verlegten Röhren könnten künftig womöglich grünen Wasserstoff transportieren.
Foto: Stadtarchiv Bregenz

Wobei die Kosteneffizienz gegenwärtig noch als eine spezielle Angelegenheit gilt. Die Herstellung von Wasserstoff ist nämlich energieintensiv. Für ein Kilogramm sind rund 60 Kilowattstunden Strom nötig. Für Öko-Wasserstoff muss die Energiequelle zudem regenerativ sein. Ein aufwendiges Unterfangen. Die Folge: Bis auf Weiteres soll Ökowasserstoff vor allem ausgesuchten Energie-fressenden Branchen wie der Stahl- oder Chemieindustrie zur Klimaneutralität verhelfen. Wie es hingegen mit der Versorgung kapitalschwacher Privatverbraucher aussieht, steht in den Sternen.

Doch das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin macht Hoffnung: "Unabhängige Prognosen gehen von einer Reduktion der Erzeugungskosten für grünen Wasserstoff bis 2030 um ein Drittel bis zur Hälfte und bis 2050 um rund zwei Drittel gegenüber dem derzeitigen Niveau aus." So etwas sagt der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck auch gerne immer mal wieder persönlich. Immerhin setzt er bei seinen Vorstellungen zur Energiewende auf das Ökogas. Man könnte in diesem Zusammenhang jedoch durchaus auf den Gedanken kommen, dass es dabei um eine Art Wette auf die Zukunft geht.

Pro Natura und die Graubündner Sektion des World Wide Fund For Nature sind sofort auf die Barrikaden gegangen

Weshalb auch die beiden bodenständigen Schweizer Kantone eher vage die Chancen abschätzen: Die Energieform könne "eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung spielen", also beim Verringern von CO₂-Ausstoß. Wobei weder St. Gallen noch Graubünden aus Umweltgründen Tempo machen muss: Potenzielle Dreckschleudern aus der Schwerindustrie fehlen in diesen Landstrichen weitgehend.

Etwas viel Simpleres hat die Kantone veranlasst, die alte Erdölpipeline mit grünem Wasserstoff in Verbindung zu bringen: Der Betreiber Oleodotto del Reno SA, eine Tochter des italienischen Konzerns Eni, hat definitiv keine Verwendung mehr für den 36 Kilometer langen Abschnitt Thusis-Splügenpass. Pläne, durch die Röhren ein 400-kV-Gleichstromkabel Richtung Italien zu führen, haben sich zerschlagen. Oleodotto del Reno will den Abschnitt abbauen. St. Gallen wie Graubünden fordern hingegen in einem Schreiben an das eidgenössische Bundesamt für Energie, die Alt-Leitung in der nationalen Wasserstoffstrategie zu berücksichtigen.

Nicht jedem gefällt dies. Pro Natura und die Graubündner Sektion des World Wide Fund For Nature (WWF) sind sofort auf die Barrikaden gegangen. Sie wollen eine komplette Entfernung der Röhren. Damit knüpfen die Öko-Verbände an die Proteste zum Anfang des Pipelinebaus an. Speziell am östlichen Bodensee war sie höchst unerwünscht. Vor allem im bayerischen Lindau wuchs Unmut. Eine Bürgerinitiative entstand. Denn die Pipeline wurde zwischen Lindau und der Vorarlberger Hauptstadt Bregenz ausgerechnet entlang des Seeufers gebaut – gut sichtbare, verschraubte schlamm-grün gestrichene Rohre mit rund 60 Zentimetern Durchmesser.

Der KGB wollte die Pipeline sprengen und eine Umweltkatastrophe verursachen

Für Passanten bedeuteten sie eine Verschandelung der Landschaft direkt am Wasser. Ökologen begriffen die Pipeline als ständige Katastrophen-Drohung, sollte es ein Leck geben. Immerhin dient der Bodensee als größter Trinkwasserspeicher weit und breit.

Diesen Umstand kombiniert mit der Pipeline wollte sich tatsächlich der sowjetische Geheimdienst KGB 1968 nutzbar machen. In der damaligen Tschechoslowakei hatte es einen Aufstand gegen die kommunistische Herrschaft gegeben, auch als Prager Frühling bekannt. Die Sowjets schlugen ihn nieder. Um die westliche Öffentlichkeit abzulenken, wollte der KGB die Pipeline sprengen und eine Umweltkatastrophe verursachen. Ein Spion mit dem Decknamen Igor Mürner war jedoch nach dem mutmaßlichen Auskundschaften vor Ort verhaftet worden. Zu einem Anschlag kam es nicht.

Inzwischen existiert der Bodenseeabschnitt nicht mehr. 2007 wurden die dortigen Röhren mit Beton verfüllt. Vier Jahre später begannen Arbeiten zur Neugestaltung des Uferbereichs. Neue Strandbereiche entstanden, dazu ein Radweg. Alles schön anzusehen. Die zubetonierten Röhren kamen unter die Erde. In der ehemaligen Central European Line klafft aber deshalb ein Loch. Was Planspiele für eine neue überregional genutzte Pipeline für grünen Wasserstoff heikel macht. "Theoretisch wäre ein Lückenschluss wohl möglich", sagt Daniel Zadra, Vorarlberger Landesrat und somit nach deutschem Verständnis Landesminister.

Nach den vorliegenden Plänen könnte Vorarlberg aus nördlicher Richtung von Lindau her versorgt werden

Der grüne Politiker ist für Umwelt, Energie, Klimaschutz und Mobilität zuständig. Er verweist darauf, dass sich die Vorarlberger Landesregierung "derzeit vorrangig mit der European Hydrogen Backbone Initiative" beschäftige. Dabei handelt es sich um ein weiteres Planspiel für eine mögliche energetische Zukunft. Die Initiative besteht aus 33 in Europa tätigen Unternehmen, die ihr Geld unter anderem mit Pipelinenetzen verdienen. Die Idee für die Wasserstoff-Hoffnungen besteht darin, ein Röhrengeflecht als Rückgrat für die entsprechende Gasversorgung zu schaffen.

Nach den vorliegenden Plänen könnte Vorarlberg demnach aus nördlicher Richtung von Lindau her versorgt werden – sinnigerweise über den Nordteil der alten Central European Line. Die Rohrleitung zwischen dem Bodensee und Ingolstadt ist nicht nur erhalten. Anders als etwa viele italienische Teilstücke wird sie sogar betrieben. Nach einer Umwidmung strömt nun Erdgas für den Fernleitungsnetzbetreiber Bayernets durch die Röhren. Womit zumindest nachgewiesen ist, dass technische Pipeline-Umstellungen von Öl auf Gas funktionieren.

Noch simpler dürfte der Wechsel zu Wasserstoff sein. Zumindest scheint das bayerische Staatsministerium für Wirtschaft kein Problem zu sehen: "Das Wasserstoffkernnetz baut auf dem bestehenden Gasnetz auf – durch Umstellung von Gasleitungen auf Wasserstoffleitungen und Neubau von Wasserstoffleitungen. Der größte Anteil entfällt dabei auf die Umstellungsleitungen", heißt es aus dem vom Freien-Wähler-Chef Hubert Aiwanger geführten Ministerium.

Auch die Schweizer haben eine Teilstrecke für den Erdgas-Transport entdeckt: zwischen Thusis und dem Bodensee. Die Erdgas Ostschweiz AG und die Bündner Rheintal AG sind hier tätig. Teilweise versorgen sie über die Alt-Pipeline erstmals diverse Gebirgsorte mit Gas. Nun könnte eben der aktuell diskutierte Abschnitt von Thusis bis zum Splügenpass angeschlossen werden, sollten die Kantone Graubünden und St. Gallen ihren Willen erhalten. Der nächste Schritt wäre dann die Umwidmung für Wasserstoff. Kein teurer Neubau, keine Trassendiskussion, bloß Kosten für eine Ertüchtigung. Folgerichtig meinen die beiden Kantone: "Eine bestehende Infrastruktur soll nicht ohne Not zurückgebaut werden."

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