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Spezial-Trauung von Rechtsextremist in Wallfahrtskirche Violau war verboten

Augsburg

Spezial-Trauung von Rechtsextremist in Wallfahrtskirche Violau war verboten

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    Der Augsburger Rechtsextremist Maximilian Märkl heiratete in der Wallfahrtskirche St. Michael in Violau (Landkreis Augsburg) nach „altem Ritus“.
    Der Augsburger Rechtsextremist Maximilian Märkl heiratete in der Wallfahrtskirche St. Michael in Violau (Landkreis Augsburg) nach „altem Ritus“. Foto: Frank Hammerschmidt, dpa / Marcus Merk (2)

    Weihrauch wabert, warmes Licht fällt durchs Chorfenster. Drei Ministranten knien in weißen Kleidern, sie richten ihren Blick auf den Priester in der Mitte. Er trägt goldenes Messgewand, steht mit dem Rücken zur Gemeinde und erhebt seine Hände Richtung Tabernakel. Es ist eine feierliche Szene in der Wallfahrtskirche Violau, die kürzlich ihren Weg ins Netzwerk X fand. In Umlauf brachte sie der Mann, der im Bild nur von hinten zu sehen ist: Maximilian Märkl, bekannter Rechtsextremist und Anführer der Identitären Bewegung in Deutschland, die zum Vorfeld der AfD zählt. Es ist eine Inszenierung, die viele Fragen aufwirft – und die es in dieser Form nicht hätte geben dürfen, wie sich jetzt herausstellt.

    Die Kirche St. Michael in Violau im Landkreis Augsburg ist als geistlicher Ort überregional bekannt – Ende Mai wurde sie zum Treffpunkt von Rechtsextremisten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Nach Recherchen unserer Redaktion kamen anlässlich Märkls Hochzeit zahlreiche Akteure zusammen, die im Visier des Verfassungsschutzes stehen, darunter der schwäbische AfD-Landtagsabgeordnete Franz Schmid. Wohl etwas später kam auch Rechtsextremisten-Leitfigur Martin Sellner aus Österreich dazu.

    Nur sehr wenige Geistliche praktizieren die „außerordentliche Form“ des Römischen Ritus

    Die Trauung selbst fand in der „alten Form“ statt, die bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) mit seinen Reformen üblich war. Das heißt: nach der früher so bezeichneten „außerordentlichen Form“ des Römischen Ritus. Der Priester spricht dabei Latein und wendet sich dem Hochaltar zu. Nur sehr wenige Geistliche praktizieren dies noch. Eine Ausnahme: Mitglieder der Petrusbruderschaft.

    Es war ein Augsburger Petrusbruder, der Märkls Trauung vornahm. War ihm bewusst, wen er da vor sich hatte? Nahm er gar in Kauf, dass die Trauung in einer der bekanntesten Kirchen des Bistums Augsburg zu einem Rechtsextremisten-Treffen werden könnte? Die traditionalistische Bruderschaft, die ihren deutschen Sitz in Wigratzbad im Kreis Lindau hat, teilt auf Anfrage mit, der verantwortliche Pater sei „weder in die Auswahl der Kirche noch in die organisatorischen Abklärungen involviert“ gewesen. „Er ist daher davon ausgegangen, dass die entsprechenden Voraussetzungen für die Feier gegeben waren.“

    Doch dies war offenbar nicht der Fall. Wie ein Sprecher des Bistums bereits nach Bekanntwerden der Hochzeit mitteilte, läuft derzeit eine Prüfung. Auf Nachfrage, worum es dabei konkret geht, erklärt er nun, sie beziehe sich auf die Verbindung aus Orts- und Rituswahl. Feiern in der alten, lateinischen Liturgieform seien im Bistum Augsburg „nur an wenigen dafür zugelassenen Orten erlaubt. Die Wallfahrtskirche Violau gehört nicht dazu“. Die Trauung war in dieser Form in St. Michael demnach verboten.

    Sprecher des Bistums Augsburg kündigt erste Konsequenzen an

    Der Bistumssprecher kündigt daher erste Konsequenzen an. Eine Abweichung von der Regel, dass der alte Ritus lediglich an bestimmten definierten Orten erlaubt ist, solle künftig „ausschließlich der Entscheidung des Generalvikars unterliegen“. Der Generalvikar ist nach dem Ortsbischof die „Nummer zwei“ einer Diözese.

    Ungeachtet dessen bleiben grundsätzliche Fragen zum Umgang der katholischen Kirche mit Extremisten – und auch mit der AfD. Im Februar 2024 hatten die deutschen Bischöfe bei ihrer Vollversammlung in Augsburg einstimmig die viel beachtete Erklärung „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ verabschiedet und vor der Wahl der AfD gewarnt. Der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sagte: „Wir halten diese Partei für Christinnen und Christen für nicht wählbar.“ Die AfD sei „die Speerspitze“ eines besorgniserregenden Kulturwandels in Deutschland.

    So klar die generellen Aussagen, so komplex der konkrete Umgang. Im Fall der Märkl-Hochzeit hatte die Kirche letztlich wenig Handlungsspielraum. Eine Trauung kann nicht verweigert werden, wenn alle kirchenrechtlichen Bedingungen erfüllt sind. Die Erklärung von 2024 bietet aus Sicht von Jörg Ernesti, Kirchenhistoriker an der Uni Augsburg, jedenfalls keine Handhabe. Das liegt daran, dass sie allgemein gehalten ist. In den später veröffentlichten „Erläuterungen zum Umgang mit extremistischen Positionen“, die sich an alle im Haupt- oder Ehrenamt für die Kirche tätigen Personen richten, ist zudem zu lesen: „Als Grundgedanke gilt, dass niemand per se ausgeschlossen oder stigmatisiert werden soll.“ Und: „Die Teilnahme am gemeindlichen Leben selbst und an den Gottesdiensten sowie der Empfang der Sakramente bleiben ausdrücklich erwünscht.“

    „Von der AfD werden geschickt kirchliche Reizthemen bedient, um konservative Christen an sich zu binden“

    Ernesti hat sich intensiv mit der Frage befasst, wie die AfD zu Christentum und Kirchen steht. Laut einer Insa-Umfrage von Mitte Mai würden rund 26 Prozent der Katholiken und 27 Prozent der Protestanten in Deutschland AfD wählen – bei Konfessionslosen und in der allgemeinen Bevölkerung lagen die Werte etwas höher. Ernesti zufolge gibt es Berührungspunkte zwischen rechten Katholiken und der Partei im Hinblick auf Genderfragen, familienpolitische Themen und bei der Flüchtlingsproblematik. „Gerade im Bereich des Lebensschutzes versucht die Partei bewusst, bei Christen zu punkten“, sagt er. „Von der AfD werden also geschickt kirchliche Reizthemen bedient, um konservative Christen an sich zu binden.“

    Eine Nähe zu den Kirchen kann Ernesti nach Analyse von AfD-Grundsatz- und Wahlprogrammen nicht erkennen, ganz im Gegenteil: Die AfD kritisiere die Kirchen scharf und fordere sie immer wieder auf, sich aus politischen Fragen herauszuhalten. „Die unverkennbare Verschärfung des Tons gegenüber den Kirchen mag dabei der im Jahr 2024 erfolgten Distanzierung der Deutschen Bischofskonferenz von der AfD geschuldet sein“, sagt er. Gleichzeitig bemühe die AfD das Christentum als Teil der deutschen „Leitkultur“ und instrumentalisiere es mehr oder minder direkt als „Bollwerk gegen den Islam“.

    Das ist die Priesterbruderschaft St. Petrus

    Innerhalb der katholischen Kirche ist die Petrusbruderschaft eine Art Sonderfall. Sie untersteht nicht einer Diözese wie der Diözese Augsburg, sondern dem Heiligen Stuhl. Hervorgegangen ist sie aus der erzkonservativen Piusbruderschaft um deren Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre, der 1988 gegen den Willen des Papstes Bischöfe geweiht hatte. Die Petrusbrüder wurden in der Folge so etwas wie ein Auffangbecken für jene, die diesen Schritt nicht mittragen und weiter auf dem Boden der Lehre stehen wollten.

    Die Augsburger Petrusbruderschaft geriet vor vier Jahren schon einmal in die Schlagzeilen – als unsere Redaktion enthüllte, dass ein Pater im „Augsburger Rundbrief“ antisemitisch gefärbte Verschwörungserzählungen zur Corona-Pandemie verbreitet hatte. Der Distriktsobere, Stefan Dreher, erklärte in diesem Zusammenhang, der Pater habe „wiederholt und gegen meinen Willen untragbare politische Äußerungen“ veröffentlicht. Er habe sich deshalb entschieden, ihn „von seinen Aufgaben als Hausoberen zu entbinden“.

    Sein Nachfolger in der Leitung der Augsburger Niederlassung wurde jener Petrusbruder, der nun Märkl und dessen Partnerin traute.

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