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Finanzkolumne
14.06.2022

Wie sicher Kredite ohne Bank sind

Im Internet kann man nicht nur Bankgeschäfte erledigen. Auch Geldgeschäfte ohne Bank werden angeboten.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolbild)

Im Internet vermitteln einige Portale Darlehen von privat an privat. Doch von scheinbar attraktiven Konditionen sollte man sich nicht täuschen lassen.

Kredit ohne Bank? Durch das Crowdlending soll der alternative Geldverleih (Lending) zwischen einer Vielzahl von Menschen im Internet (Crowd) möglich sein. Das Crowdlending stellt einen Unterfall des Crowdfunding dar, womit die Akquirierung von Fremdkapital, also von Krediten ermöglicht werden soll. Über das Internet soll durch den unmittelbaren Kontakt zwischen den privaten Kreditgebern und dem Kreditnehmer die Bank als Zwischenhändler theoretisch überflüssig werden. Es wird daher auch als Peer-to-Peer Lending (P2P Lending), also Person-zu-Person-Kreditvergabe bezeichnet. In der Praxis geht es jedoch nicht ohne Bank, wenn man Liquidität und Sicherheit des Kreditgeschäfts garantieren möchte.

So scheint das P2P Lending auch für manche Privatinvestoren durchaus attraktiv zu sein. Laut Statista soll das durchschnittliche Volumen eines Peer-to-Peer-Kredits in Deutschland bis ins Jahr 2024 bei rund 50.000 Euro liegen, was man als kontinuierliches Wachstum deuten kann. Beim Crowdlending stellt ein Kreditnehmer, ein meist kleiner oder mittelständischer Unternehmer, seinen Kreditwunsch auf einer Lending-Plattform ein und versucht durch überzeugende Präsentation seines Finanzierungsvorhabens viele private, aber auch institutionelle Geldgeber zu gewinnen. Diese wiederum können sich teils mit kleinen Summen (ab 100 Euro) an einem Kredit beteiligen und so ihr Risiko streuen und minimieren. Die Plattformbetreiber versprechen den Kreditgebern risikoadäquate Zinssätze zwischen 4 und 16 Prozent, was durch Eigenanalysen mittels Umsatzprüfung und Scoring sichergestellt sein soll.

Die Kredite aus dem Netz haben oft hohe Risiken

Relevante Plattformbetreiber in Deutschland für Unternehmenskredite sind derzeit Invesdor und Seedmatch. Wer sein Geld nicht Start-ups oder anderen Unternehmen leihen möchte, kann auch nachhaltige Immobilien oder Energieprojekte (z. B. über LeihdeinerUmweltGeld) als Lendingziel wählen. Daneben bieten die branchenältesten Auxmoney und Smava an, Privatprojekte per Kredit zu finanzieren.

Doch die Internetkredite sind mit hohen Risiken für die meist privaten Kreditgeber verbunden. Denn wo hohe Renditen locken, droht auch weitgehender Totalverlust durch Kreditausfall. Es wäre daher wichtig, die Risiken richtig einschätzen zu können. Dies ist mangels Transparenz aber schwierig. Die Anbieterangaben können falsch oder die Bonitätsbewertung durch die Plattform fehlerhaft sein. Dem spielt in die Hände, dass beim Crowdlending eine gesetzliche Ausnahmeregelung dazu führt, dass der Kreditgeber (Emittent) von der Prospektpflicht befreit und nur zur Herausgabe eines einfachen Informationsblattes verpflichtet ist. Hinzu kommen bei internationalen Kreditnehmern das Wechselkursrisiko, fehlende Ausfallsicherheiten und schlichtweg Probleme bei einer nötigen Durchsetzung von Forderungen im Ausland.

Für Privatanleger meist nicht die beste Lösung

Am Ende wird sich wohl für risikobewusstere Anlegerinnen und Anleger Crowdlending als interessante Option herausstellen. Die Mehrheit der Privatanleger sollte sich ein solches Investment aber gut überlegen.

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Zum Autor: Sascha Straub ist Fachmann für Finanzfragen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Bayern.

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