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Wintersport

06.10.2020

Und jetzt alle in die volle Gondel? So funktioniert der Skiurlaub trotz Corona

Ein Skifahrer, der einen Mund-Nasen-Schutz trägt, fährt am Eröffnungstag des Skigebiets „Glacier 3000“ in Les Diablerets mit einem Sessellift. Derzeit arbeiten viele wintersportorte an ihrem Hygienekonzept.
Bild: Leandre Duggan/KEYSTONE/dpa

Um in der neuen Saison einen Corona-Ausbruch wie in Ischgl zu verhindern, tüfteln die Winterorte an Konzepten. Worauf sich Besucher einstellen müssen.

Bekannt war die österreichische Ski-Gemeinde Ischgl schon immer. Im Frühjahr aber sorgte sie für besondere Schlagzeilen. Mehrere tausend Besucher sollen sich dort mit dem Coronavirus angesteckt und es über die Grenzen Österreichs hinaus verbreitet haben. Ischgl zählt nun zu den ersten Skiorten, die ihr Hygienekonzept für den Corona-Winter 20/21 veröffentlichen haben. Die Pandemie stellt die Wintersport-Gemeinden vor besondere Herausforderungen. Seit 25. September sind Tirol und Vorarlberg im Nachbarland Österreich als Risikogebiete ausgewiesen. Ein Skiort in der Schweiz hat sogar bereits angekündigt, die Tore heuer komplett geschlossen zu halten.

Dicht an dicht gedrängt in der Gondel oder dem Sessellift mit Menschenmassen auf den Berg fahren? Für viele schon vor Corona keine schöne Vorstellung. Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein könnte sich vorstellen, dass Trendsport des Skitouren-Gehens in diesem Jahr noch beliebter werden wird. Wer zuvor schon überlegt hat die Disziplin auszuprobieren, nehme die Pandemie vielleicht als Anlass, um umzusteigen. Viele Deutsche, vermutet er, würden auch im Winter auf Urlaub im Ausland verzichten..

Diese Corona-Regeln gelten beim Skiurlaub im Allgäu

Der Wintersportbetrieb im Allgäu soll in der neuen Saison möglichst normal ablaufen. Die Wintersportbranche ist optimistisch, dass ein geregelter Pistenbetrieb angeboten werden kann. Après-Ski-Partys im Freien oder an der Schirmbar wird es aber wohl kaum geben. Trotz der Corona-Pandemie blickt die Seilbahnbranche im Allgäu mit Optimismus auf die in etwa zwei Monaten beginnende Wintersaison. In diesem Sommer habe man sehr viele Erfahrungen mit dem Seilbahnbetrieb in Corona-Zeiten gemacht und könne diese auf den Winter übertragen, sagt Jörn Homburg von den Oberstdorf/Kleinwalsertal-(OK)-Bergbahnen. Zuletzt hatten die Bahnen im Allgäu auf 20 Prozent der vollen Kapazitätsauslastung verzichtet. In den Achter-Kabinen der Fellhornbahn wurden beispielsweise maximal sechs Fahrgäste aus verschiedenen Hausständen befördert.


 

„Für den kommenden Winter hoffen wir, dass es keine Kapazitätseinschränkungen geben wird“, erklärt eine Sprecherin des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS). Der Branchenverband wartet noch darauf, dass ein erarbeitetes Hygienegesetz vom zuständigen Ministerium abgesegnet wird. Die Marschrichtung ist klar: Möglichst überall Abstände von mindestens einem Meter einhalten. Wo das nicht möglich ist, heißt es: Maske tragen. Zum Beispiel werde in Kabinenbahnen eine Maskenpflicht gelten, heißt es vom VDS. Ansonsten werden vermutlich auch hier in den Gaststätten der Skibetriebe die inzwischen bekannten Auflagen und Beschränkungen gelten, sagt Homburg. Seit 1. Oktober ist die Allgäu-Superschnee-Saisonkarte erhältlich, die in den meisten Allgäuer Skigebieten gültig ist. Nachdem der Bergbahn-Betrieb heuer am 16. März wegen der Corona-Pandemie eingestellt worden war, erhalten Besitzer von Saisonkarten einen zwölfprozentigen Rabatt, wenn sie sich für die gleiche Karte im Winter 2020/21 entscheiden. Ursprünglich war lediglich ein sechsprozentiger Rabatt in Aussicht gestellt worden. Neu ist heuer eine „Corona-Absicherung“ für Saisonkarten-Besitzer.

Worauf Ski-Urlauber in Österreich achten müssen

Während Wintersportler im Allgäu noch warten müssen, laufen auf dem Pitztaler Gletscher bereits einige Bahnen. Die Pisten wurden mit Kunstschnee präpariert. Die Region Schladming-Dachstein geht beispielsweise mit folgenden Hygienemaßnahmen in die Wintersaison. Maske müssen Wintersportler in Seilbahnen, Sesselliften, im Skibus, sowie im Kassen- und Seilbahnbereich tragen. Auf der Piste ist der Mund- und Nasenschutz freiwillig. Von der Regelung ausgenommen sind Kinder unter sieben Jahren.

Gondeln und Sessellifte werden auch in der Corona-Krise voll besetzt. Die Liftbetreiber orientieren sich dabei an den gängigen Regeln für öffentliche Verkehrsmittel. Um das Ansteckungsrisiko gering zu halten, soll durchlüftet und regelmäßig desinfiziert werden. Das schlägt auch der Fachverband der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich in seiner Handlungsanweisung vor. Hinweisschilder und Lautsprecherdurchsagen sollen Gäste außerdem vor Ort auf die aktuell geltenden Regeln aufmerksam machen.

Auch Corona-Tests spielen eine Rolle: Zu Beginn der Saison werden alle anreisenden Mitarbeiter auf das Virus getestet. Anschließend sollen tägliche Gesundheitschecks, wie Fiebermessen und eine Symptomkontrolle, die Besucher schützen. Zusätzlich soll auch die Tracing-App „Stopp Corona“ vom österreichischen Roten Kreuz im Falle einer Ansteckung Infektionsketten schnell und einfach sichtbar machen. Die Verwendung ist für Besucher aber nicht verpflichtend. Auf eine digitale Lösung setzt das Skigebiet auch beim Ticketkauf. Pässe können online bestellt, per Post versendet oder vor Ort an Automat und Kasse abgeholt werden.

Der Zeitpunkt hätte kaum ungünstiger sein können. Gerade war der Buchungszeitraum für die Wintersaison gestartet, da wurde Tirol zum Risikogebiet erklärt. Massen-Infektionen wie im März sollen sich in der Region Paznaun-Ischgl auf keinen Fall wiederholen. Deshalb setzt das Tiroler Skigebiet auf Maßnahmen, die über die behördlichen Vorgaben hinaus gehen. Das traditionelle Eröffnungskonzert wurde bereits abgesagt. Den sogenannten „Partytourismus“ soll es in Ischgl aufgrund gesetzlicher Vorgaben in der gewohnten Form nicht mehr geben.

Tirol will Après-Ski-Partys nach dem Corona-Skandal von Ischgl unterbinden.
Bild: Jakob Gruber, dpa

Mitarbeiter müssen ebenso mit einem negativen Corona-Test anreisen. Auch während der Saison soll getestet werden. Das gilt auch für Gäste. Beim Check-in in die Hotels empfehlen sie ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 72 Stunden ist. Freiwillig können sie sich auch in einer sogenannten „Screeningstation“ testen lassen. Temperaturmessungen und das Ausfüllen eines Fragebogens sind ebenfalls bei der Ankunft geplant. Ein zusätzlicher Schritt ist das Abwassermonitoring. In Zusammenarbeit mit dem Land Tirol und der Universität Innsbruck, wird die Technik landesweit eingesetzt. Laufende Abwassertests sollen potenzielle Infektionen früh erkennbar machen.

Skibusse, Sportshops, Toiletten, Aufzugskabinen und Seilbahnen sollen mithilfe eines Kaltvernebelunsgeräts desinfiziert werden. Viren, Bakterien und Sporen sollen durch den dichten Tröpfchenebel vernichtet werden. Abstand muss überall eingehalten werden. Je nach Auslastung bieten in dieser Saison die Bergrestaurants deshalb nur bedingt Platz. Wer sicher gehen will, kann zuvor reservieren oder sein Essen mitbringen. Speisekarten finden Gäste in dieser Saison in einer App oder über einen QR-Code.

Ein sicheres Gefühl will auch die SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental ihren Besuchern vermitteln, deswegen sollen beispielsweise auch die Öffnungszeiten verlängert werden. In allen Gondel- und Sesselbahnen, sowie beim Anstehen, müssen Besucher diesen Winter einen Mund- und Nasenschutz tragen. Aufgrund der kurzen Fahrzeit und der Möglichkeit zum Lüften werden alle Sitze besetzt und täglich desinfiziert. Am 12. Oktober startet der Gletscher Kitzsteinhorn in die Saison, Ende November folgt auch die Schmittenhöhe in Zell am See. Eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht, organisierte Anstehbereiche und Handhygiene spielen auch dort eine Rolle. Statt einem großen Eröffnungskonzert setzt der Veranstalter in diesem Jahr auf ein digitales Format.

Im Dezember startet in St. Anton der Skibetrieb. In Zusammenarbeit mit dem Center for Social and Health Innovations (CSHI) in Innsbruck wurde die Region für das Projekt „Covid-19 – Risikomanagement Wintertourismus“ des Landes Tirol ausgewählt. Um Ansteckungen nachvollziehen zu können soll zusätzlich eine Registrierung via QR-Code zum Einsatz kommen. In Restaurants, Hütten, Bars, Freizeiteinrichtungen und im Handel sollen sich Besucher registrieren. Der internationale Ski- und Snowboardtest, sowie das Eröffnungskonzert mit Andreas Bourani müssen in diesem Jahr ausfallen. Auf Partyatmosphäre müssen St. Anton-Gäste ebenfalls verzichten. Speisen und Getränke dürfen nur auf Sitzplätzen mit Mindestabstand konsumiert werden.

Corona-Regeln in den Bergen in der Schweiz

Urlauber, die zum Skifahren in die Schweiz reisen, müssen sich auf ähnliche Konzepte einstellen. Für Aufsehen hatten zuletzt die Fideriser Heuberge, ein kleiner Ort in der Region Graubünden gesorgt. Die Verantwortlichen hatten angekündigt, auf die Wintersaison zu verzichten. Da der Ort sehr klein ist und außerdem auf Gruppen spezialisiert, musste aus wirtschaftlichen Gründen der Betrieb ausgesetzt werden, teilt Schweiz Tourismus mit. Die Schweizer Alpen stecken dagegen in den Saisonvorbereitungen. Wo ein Abstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden kann, muss ein Mund- und Nasenschutz getragen werden. Anders als bei Skiliften und Sesselbahnen, die nicht verschlossen sind, gilt in Berg- und Seilbahnen eine Maskenpflicht.

Vor Ort besteht für Wintersportler allerdings keine Möglichkeit sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Kapazitäten sollen in erster Linie für die lokale Bevölkerung genutzt werden. Zeigt ein Gast jedoch Symptome, kann er sich in der Schweiz selbstverständlich testen lassen.

Diese Corona-Regeln gelten beim Skiurlaub in Südtirol

Auf den Pisten der Dolomiten in Italien soll Ski-Urlauber trotz Corona auf ihre Kosten kommen. Der Skipassverbund Dolomiti Superski, der 12 Skigebiete umfasst, orientiert sich an den regionalen und staatlichen Bestimmungen. Ein passendes Hygienekonzept erstellt der Verband aktuell gemeinsam mit dem italienischen Seilbahnverband. Das muss jedoch von der italienischen Regierung abgesegnet werden. Ob es eine Kapazitätsbeschränkung geben wird, ist noch offen. Ein neuer Online-Shop soll aber vieles im Corona-Jahr erleichtern. Kunden können künftig etwa rund um die Uhr einen Skipass online erwerben und anschließend bei Dolomiti Superski abholen. Vor allem an das Verantwortungsbewusstsein der Bürger appellieren die Verantwortlichen: Wer Covid-19-Symptome aufweist, der soll Aufstiegsanlagen meiden. Eine App, die Infektionsketten sichtbar macht, gibt es auch in Italien. Allerdings hat nur knapp jeder zehnte Bürger diese installiert. Größere Hotels, sagt Sprecher Diego Clara hätten die Möglichkeit vor Ort einen Corona-Test machen zu lassen, in ihr Angebot aufgenommen. Das sei jedoch mit hohen Kosten verbunden und mit einer aufwendigen Quarantäne-Situation.

Wie die Wintersaison für Urlauber in Südtirol laufen könnte, zeigen die Hygiene-Bestimmungen für die Skiregion Gröden-Seiser Alm. Anfang Dezember soll auch die Piste im Skigebiet Gröden-Seiser Alm und rund um die viel befahrene Sellaronda unter Corona-Regeln in den Betrieb starten: Frische Luft, Ausreichend Platz, Maske tragen und häufige Handhygiene. Aufgebaut auf die Erfahrungen im Sommer, setzten die Verantwortlichen auf angepasstes Maßnahmenpaket für die Wintersaison. Die Frequenzen an Liften und Skibussen sollen beispielsweise erhöht werden, um die Gäste besser im Skigebiet zu verteilen. Ein großer Vorteil: Das Skigebiet lässt sich über 15 Einstiegslifte erreichen, die sich auf die Ortschaften St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein verteilen. Um die Besucher zusätzlich zu schützen wird Personal vor Ort auf die Einhaltung der Sicherheitsabstände achten.

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