Ein plötzliches Verlangen nach Pasta, Pommes oder Burgern? Lust auf Schokolade, Kekse und andere Süßigkeiten? Viele Frauen verspüren kurz vor dem Eintreten ihrer Periode einen großen Appetit auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel. Hintergrund: Der weibliche Menstruationszyklus geht oftmals mit vielen körperlichen und psychischen Begleiterscheinungen einher. Diese Beschwerden können Teil des prämenstruellen Syndrom (PMS) sein. Zu den typischen Symptomen gehören neben Bauchkrämpfen, Schlappheit oder Stimmungsschwankungen auch Heißhungerattacken. Insbesondere die Lust auf Kohlenhydrate scheint in der Zeit vor der Monatsblutung plötzlich zuzunehmen. Woran das liegt, und ob man sich vor der Periode besser an „Low Carb“ halten sollte, erfahren Sie hier.
Welche Prozesse steuern den Menstruationszyklus?
Der weibliche Zyklus wird in vier aufeinanderfolgende Phasen untergliedert. Diese sind: die Menstruationsphase, die Follikelphase, die Ovulationsphase und die Lutealphase. Wie lange ein Zyklus dauert, kann laut dem Online-Portal des Berufsverbands der Frauenärztinnen und Frauenärzte, frauenaerzte-im-netz.de, von Frau zu Frau variieren. Als regelmäßig gilt jedoch eine Dauer zwischen 21 und 35 Tagen. Während der verschiedenen Phasen wird eine Reihe von Prozessen in Gang gesetzt, die den weiblichen Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereiten. Was genau dabei im Körper passiert, erklärt die Cleveland Clinic:
Der Ablauf der einzelnen Vorgänge während des Menstruationszyklus wird durch den Anstieg und Abfall bestimmter Hormone gesteuert, die in den jeweiligen Phasen ausgeschüttet werden und unter Umständen verschiedene Begleiterscheinungen zur Folge haben. Der Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation. Direkt im Anschluss folgt die Follikelphase, in der es zu einem Anstieg des Östrogenspiegels kommt. Gleichzeitig schüttet der Körper vermehrt das follikelstimulierende Hormon (FSH) aus. Während der Ovulationsphase erfolgt ein plötzlicher Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH).
Die abschließende Lutealphase zeichnet sich durch einen steigenden Progesteronspiegel aus, welcher dazu dient, die Gebärmutterschleimhaut auf eine potenzielle Schwangerschaft vorzubereiten. Bleibt diese aus, sinken sowohl der Östrogenspiegel als auch der Progesteronspiegel wieder ab, wodurch der Körper die obersten Schichten der Gebärmutterschleimhaut abstößt. Der Zyklus endet am Tag vor der nächsten Blutung. Mit dem Einsetzen der Menstruation beginnt er von vorn.
Low Carb vor der Periode: Wann steigt die Lust auf Kohlenhydrate?
Heißhunger vor der Periode zählt weltweit zu den am häufigsten auftretenden PMS-Beschwerden. Das geht aus einer großangelegten Studie der Johns Hopkins University und der University of Virginia hervor, die auf der Webseite von frauenaerzte-im-netz.de vorgestellt wird. Das Ergebnis beruht auf Daten von 238.114 Frauen aus 140 Ländern. Demnach gaben 85,28 Prozent an, unter Heißhunger als prämenstruelles Syndrom zu leiden. Wie das medizinische Online-Portal gesundheits-lexicon.com berichtet, klagen viele Frauen insbesondere in der Zeit kurz vor dem Eintreten der Periode über einen größeren Appetit sowie Heißhungerattacken.
Die Cleveland Clinic bestätigt, dass in der mittleren bis späten Lutealphase ein verstärkter Appetit auf bestimmte Lebensmittel auftritt – sprich fünf bis zehn Tage vor dem Einsetzen der Monatsblutung. Die im Rahmen einer Studie erhobenen Daten der Justus-Liebig-Universität Gießen zeichnen ein ähnliches Bild. Das Forschungsteam fand demnach heraus, dass die untersuchten Frauen in der Zeit kurz vor der Periode „deutlich sensibler auf Bilder hochkalorischer Lebensmittel reagieren als in anderen Zyklusphasen“. Für Bilder von Lebensmitteln mit wenig Kohlenhydraten zeigte sich dieser Effekt nicht. Doch woher kommt das plötzliche Verlangen nach Kohlenhydraten?
Periode: Warum will der Körper mehr Kohlenhydrate?
Wodurch prämenstruelle Symptome wie etwa Heißhunger verursacht werden, konnte bislang nicht vollständig geklärt werden. Dem Gesundheitsmagazin der AOK sowie der Apotheken Umschau zufolge gehen Experten jedoch davon aus, dass die oben aufgeführten Hormonschwankungen eine entscheidende Rolle spielen – allen voran das Hormon Progesteron. Seine Abbauprodukte sollen demnach den Stoffwechsel verschiedener Botenstoffe im Gehirn beeinflussen. Besonders betroffen sei die Produktion des Botenstoffs Serotonin. Nach Angaben von gesundheits-lexicon.com wirkt sich Serotonin unter anderem auf unser Sättigungsgefühl aus. Herrscht während der späten Lutealphase ein relativer Serotoninmangel, könne dadurch das Verlangen nach kohlenhydrat- und energiereichen Lebensmitteln steigen.
Wie Fachärztin für Frauengesundheit Lynn Pattimakiel auf der Webseite der Cleveland Clinic außerdem erklärt, können hormonelle Veränderungen bewirken, dass bestimmte Arten von Lebensmitteln attraktiver als sonst erscheinen. Der Frauenärztin zufolge gibt es jedoch noch einen weiteren Grund für den plötzlichen Appetit: „Vor Ihrer Periode steigt Ihr Ruheenergiebedarf, sodass Ihr Körper ganz natürlich nach mehr Energie sucht.“ Das Verlangen nach kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln vor der Periode könnte demnach einen evolutionären Zweck verfolgen. „Diese Gelüste könnten eine Strategie Ihres Körpers sein, um zusätzliche Energie für eine mögliche Schwangerschaft zu speichern“, erklärt Pattimakiel weiter. „Mit anderen Worten: Diese Gefühle sind Teil unserer biologischen Veranlagung.“
Verspürt man vor der Periode einen großen Heißhunger auf einfache Kohlenhydrate wie Brot, Nudeln oder Backwaren, versucht der Körper vermutlich, schnell neue Energie zu tanken, erklärt Pattimakiel. Denn die Menstruation selbst ist ein energieintensiver Prozess. Sollte man also auf seinen Appetit hören?
Low Carb vor der Periode: Sollte man auf Kohlenhydrate verzichten?
Auch wenn das Verlangen groß ist, ist es oftmals eine schlechte Idee, den „Food-Cravings“ vor der Periode nachzugeben. Laut Pattimakiel wirken viele der Lebensmittel, die besonders reizvoll erscheinen – darunter raffinierte Kohlenhydrate – entzündungsfördernd und können dadurch prämenstruelle Symptome verstärken. Eine kohlenhydratreiche Ernährung kann beispielsweise den Blutzuckerspiegel erst in die Höhe treiben und dann abstürzen lassen, wodurch sich die Betroffenen noch müder als zuvor fühlen.
Allerdings muss man nicht gänzlich auf Kohlenhydrate verzichten. Anstelle von raffinierten sollte man vor der Periode jedoch komplexe Kohlenhydrate bevorzugen. Laut der Frauenärztin kann der Verzehr von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und stärkehaltigem Gemüse demnach die Produktion von Serotonin fördern und dadurch zugleich für ein längeranhaltendes Sättigungsgefühl sorgen. Diese Ansicht teilt auch Ernährungsberaterin und Zykluscoach Jessica Roch. Im Gespräch mit fitbook.de empfiehlt sie, den Anteil an komplexen Kohlenhydraten zu erhöhen, um so den erhöhten Kalorienbedarf vor der Periode abzufedern.
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